31. Juli 2011 · Quelle: Inforiot

Frankfurt/Oder: Nazidemo im September?

Aufruf militanter Rechter wird zurzeit im Internet verbreitet / Anlehnung an Norwegen-Anschläge

INFORIOT Im Inter­net kur­siert derzeit ein Flug­blatt, das eine Neon­azidemon­stra­tion am 24. Sep­tem­ber in Frankfurt/Oder ankündigt. Der in hol­prigem Englisch ver­fasste Text ruft zu einem Auf­marsch an diesem Tag auf, der um 10 Uhr am Haupt­bahn­hof starten soll. “Indoors and Out­doors — A front”, lautet das Mot­to: “Drin­nen und draußen — eine Front!” Die Aktion soll Teil des “White Pris­on­er and Sup­port­er Day” sein, einem derzeit in der recht­en Szene disku­tierten Sol­i­dar­ität­stag für inhaftierte Neon­azis.

Bezüge zum ver­bote­nen “Blood & Honour”-Netzwerk

Das Flug­blat­t­lay­out ist mit ein­er Triskele und den Buch­staben “RVF” verse­hen — das ist das Logo der britis­chen Neon­azi­gruppe “Racial Vol­un­teer Force”, einem Ableger der ter­ror­is­tis­chen “Com­bat 18”.

Außer­dem ist der Name “Ian Stu­art” als eine Art Über­schrift auf das Flug­blatt geschrieben. Ian Stu­art war Sänger den Neon­az­iband Skrew­driv­er und Begrün­der des Recht­srock-Net­zw­erks “Blood & Hon­our”, welch­es in Deutsch­land im Jahr 2000 ver­boten wurde. “Com­bat 18” gilt als mil­i­tan­ter Arm von “Blood & Hon­our”. Ian Stu­art ver­starb bei einem Autoun­fall am 24. Sep­tem­ber 1993 — der Demoter­min in Frankfurt/Oder ist also der Jahrestag seines Todes.

Anlehnung an Nor­we­gen-Morde

Im Flug­blatt­text find­et sich zudem fol­gen­der Satz: “A man with a faith is a thou­sand times stronger, as 100 men with inter­ests”. Damit lehnt sich der Demoaufruf an den ras­sis­tis­chen Nor­we­gen-Atten­täter Anders Breivik an. In ein­er viel­beachteten Twit­ter­nachricht hat­te dieser kurz vor seinem Gewal­texzess verkün­det: “One per­son with a belief is equal to the force of 100 000 who have only inter­ests.” (Etwa: “Ein Mann mit ein­er Überzeu­gung ist so stark wie 100.000 Leute, die nur Inter­essen haben.”)

Der Ausspruch geht auf einen Auf­satz des englis­chen Philosophen John Stu­art Mill von 1861 zurück.

Inter­na­tionale Naziver­net­zung

Die Inter­net­seite, die für den “White Pris­on­er and Sup­port­er Day” mobil­isiert, gibt ein Post­fach in Eisen­hüt­ten­stadt als Kon­tak­tadresse an. Dort wird sich auf eine inter­na­tionale Ver­net­zung von Neon­azis berufen, welche die Ini­tia­tive unter­stützen würde. Genan­nt wer­den neben Deutsch­land auch Neon­azi­grup­pen aus den Län­dern Griechen­land, USA, Kana­da, Spanien und Ser­bi­en. Auf deutschen Neon­azi-Web­seit­en wird die Demon­stra­tion bish­er noch kaum bewor­ben.

Auf der Seite wird übri­gens für die Ter­min­wahl das Grün­dungs­da­tum der “Hil­f­sor­gan­i­sa­tion für nationale poli­tis­che Gefan­gene” als Bezugspunkt genan­nt. Dieses wäre laut eines Vere­in­sreg­is­tere­in­trags jedoch der 21. Sep­tem­ber 1979.

Ob und von wem die für Frankfurt/Oder geplante Demon­stra­tion bere­its angemeldet wurde, ist derzeit unbekan­nt.

Nach­trag 4. August

Laut ein­er Mel­dung der Märkischen Oderzeitung ist die Demon­stra­tion inzwis­chen angemeldet wor­den. Zitiert wird Polizeis­prech­er Detlef Lüben, der von ein­er “anony­men Anmel­dung” für einen “Ian-Stu­art-Gedenkmarsch” mit 800 Teil­nehmerIn­nen spricht. Anonyme Anmel­dun­gen für Demon­stra­tio­nen gibt es im deutschen Ver­samm­lungsrecht nicht. Die MOZ beze­ich­net in ihrer Mel­dung den Briten Ian Stu­art als “Sänger ein­er amerikanis­chen Neon­az­iband”.

In der Kom­men­tarspalte dominieren indes Stim­men, die — in Bezug auf die Nazide­mo! — vor “link­er Gewalt und Zer­störung” und “osteu­ropäis­ch­er Krim­i­nal­ität” war­nen. Ein User “Kauf­mann” schreibt: “Ich ver­ste­he nicht, warum solche Gedenkmärsche [..] immer auf solche Kri­tik stoßen. Warum muss man dage­gen demon­stri­eren [..], indem man Steine wirft und fremdes Eigen­tum beschädigt? Was geht in den hohlen Köpfen viel­er Link­er nur vor?”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Frank­furt (Oder) — Vor dem Hin­ter­grund des Anschlags in Halle, der zwei Men­schen das Leben kostete, ruft das Bünd­nis „Kein Ort für Nazis in Frank­furt (Oder)“ zu ein­er Kundge­bung am Fre­itag den 11.10.2019 ab 18 Uhr auf dem oberen Brun­nen­platz auf
Schon in der Ein­leitung wird deut­lich: Die AfD fokussiert sich in ihrem Wahl­pro­gramm zur bran­den­bur­gis­chen Land­tagswahl 2019 auf die preußis­che Geschichte und reizt dieses The­ma bis zum Let­zten aus.
Im Land Bran­den­burg gibt es eine Vielzahl an Erin­nerungsstät­ten, Gedenkstät­ten und Frieden­höfen, die an die Befreiung von Ortschaften und Konzen­tra­tions- bzw. Außen­lager erin­nern. Mit dem 8. Mai jährt sich der Tag der Befreiung vom NS.

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot