21. November 2001 · Quelle: Märkische Allgemeine

Freie Heide: Auch in Neuruppin stieß die Bundeswehr auf wenig Gegenliebe

NEURUPPIN Seinen kleinen Fis­cherei­be­trieb hat­te Klaus Daniels gestern im Stich gelassen. Stattdessen trieb es den Händler aus Kun­ster­spring am Mit­tag in die Kälte vor das Neu­rup­pin­er Rathaus — zur Demo gegen den geplanten Bomben­ab­wurf­platz in der Kyritz-Rup­pin­er Hei­de. Gut 50 Leute macht­en dort aus ihrer Mei­n­ung keinen Hehl, selb­st die Bürg­erini­tia­tive gegen Fluglärm aus Fehrbellin war vertreten.
Zwar hat­te die Bun­deswehr dies­mal auf ihr mit Musik unter­maltes Wer­be­v­ideo von Tief­fliegern und Bomben­ab­wür­fen verzichtet und erk­lärt, das damit keines­falls eine Pro­voka­tion beab­sichtigt gewe­sen sei. Zufrieden waren die Vertreter der Anliegerge­mein­den den­noch nicht. “Die von der Bun­deswehr vorgelegten Unter­la­gen sind äußerst dürftig. Nicht ein­mal ein Lär­mgutacht­en ist enthal­ten”, sagte Rheins­bergs Bürg­er­meis­ter Man­fred Richter. Nur eine Pas­sage gibt es dazu in den Unter­la­gen — und diese stammt laut Lan­drat Chris­t­ian Gilde vom Her­steller des Eurofighters.
Doch fehlen eben­so Aus­sagen zu den Emis­sio­nen, zu den Auswirkun­gen auf die Natur. Immer­hin han­delt es sich bei dem 144 Quadratk­ilo­me­ter großen Gebi­et um ein Are­al, dass zu großen Teilen vom Land unter Naturschutz gestellt und als Flo­ra-Fau­na-Habi­tat (FFH) an die Europäis­che Union gemeldet wurde.
Ungek­lärt ist laut Richter zudem, auf welch­er Rechts­grund­lage dieses Anhörungsver­fahren eigentlich basiert. Eine Antwort darauf hat der Rheins­berg­er Bürg­er­meis­ter nicht ein­mal von den Vertretern der gemein­samen Lan­des­pla­nungsabteilung Berlin-Bran­den­burg, die das nichtöf­fentliche Ver­fahren leit­en, erhal­ten. Die Gemein­den forderten gestern deshalb erneut die Ein­stel­lung des Ver­fahrens und zumin­d­est einen Auf­schub ihrer Stel­lung­nahme bis Ende März 2002. Die Erk­lärung der Anliegerge­mein­den sollte bis 4. Jan­u­ar vor­liegen. Das ist aber schon aus formellen Grün­den kaum zu schaf­fen, da nicht mehr alle Gemein­de­v­ertre­tun­gen rechtzeit­ig tagen. Zudem ist nicht sich, ob bis dahin die Bun­deswehr die geforderten Unter­la­gen nachgere­icht hat.
Doch auch ohne diese ste­ht für Klaus Daniels schon jet­zt eines fest: Er würde lieber 500 Touris­ten bewirten, als die vere­inzel­ten Soldaten. 

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