17. Juli 2004 · Quelle: Aktionsbündnis gegen Gentech

Freies Saatgut für die FREIe HEIDe

Anlässlich der Som­mer­ak­tion­stage vom 21.–26.7. in der FREIen HEI­De ruft das Barn­imer Aktions­bünd­nis gegen Gen­tech­nik zum dop­pel­ten zivilen Unge­hor­sam auf, also dem bewussten Übertreten ungerechter und falsch­er Geset­ze. Wir
wer­den das mil­itärische Sper­rge­bi­et betreten und damit gegen die Pläne der Bun­deswehr protestieren, dort einen riesi­gen Bomben­ab­wurf­platz einzuricht­en um sich auf weltweite Krieg­sein­sätze vorzu­bere­it­en. Direkt im mil­itärischen
Sicher­heits­bere­ich wer­den wir Getrei­desaatgut aus­brin­gen ohne dafür Nach­bauge­bühren zu bezahlen. Diese Aktion wen­det sich gegen den Ver­such der Agrarkonz­erne mit Hil­fe von Nach­bauge­bühren, Sorten­schutz, Paten­ten und
Gen­tech­nik Kon­trolle über das Saatgut und die Land­wirtIn­nen zu bekom­men.

FREIe HEI­De

Die Bun­deswehr wird zu ein­er Inter­ven­tions- und Angriff­sarmee umge­baut.
Zen­trales Ele­ment der mod­er­nen Kriegs­führung sind Bombe­nan­griffe aus großer
Höhe wie in Jugoslaw­ien, Afghanistan und Irak. Sie sollen auf dem Bom­bo­drom
bei Witt­stock, dem größten Luft-Boden-Schieß­platz Europas, trainiert wer­den.
Damit wer­den Kriegshand­lun­gen zur mil­itärischen Durch­set­zung von
macht­poli­tis­chen und wirtschaftlichen Inter­essen in der ganzen Welt
vor­bere­it­et. Europa wird Welt­macht und seine Gesellschaft Schritt für Schritt
mil­i­tarisiert.
Das Gebi­et Kyritz-Witt­stock-Rup­pin­er Hei­de wurde bere­its von 1950 bis 1990 als
Bomben­ab­wurf­platz der sow­jetis­chen Armee ver­wen­det. Kurz nach dem Abzug der
Roten Armee ver­suchte die Bun­desregierung das Bom­bo­drom wieder in Betrieb zu
nehmen. Die ersten, die darunter zu lei­den hät­ten, sind die Men­schen aus der
Region. 40 Jahre lang wurde die Bevölkerung durch extremen Lärm, Det­o­na­tio­nen
und die Verseuchung der Umwelt mas­siv beein­trächtigt.
Doch die Inbe­trieb­nahme kon­nte bis jet­zt ver­hin­dert wer­den. Viele
Gericht­sprozesse wur­den geführt aber noch wichtiger ist der kreative Protest,
der von den Men­schen vor Ort getra­gen wird und Unter­stützung aus ganz
Deutsch­land erhält.
Eine neue Qual­ität des Wider­standes stellt die Kam­pagne ?200 Grup­pen in die
FREIe HEI­De? dar. Ziel ist, dass viele Grup­pen durch ihre Anwe­sen­heit auf dem
Bom­bo­drom-Gelände den Übungs­be­trieb unmöglich machen. Alle, die auf dem
strit­ti­gen Gelände wan­dern, dort camp­en, musikalis­che und kün­st­lerische
Aktio­nen durch­führen, stärken den Wider­stand! Bis die ersten Bomben fall­en,
soll eine Vielzahl von Grup­pen und Men­schen die FREIe HEI­De ken­nen ler­nen -
auch um am „B‑Day’ (dem Tag des ersten Bomben­ab­wurf) eine möglichst große
Aktion durchzuführen.

Nach­bauge­bühren

Tra­di­tionell ist es in der Land­wirtschaft üblich, Teile der Ernte eines Jahres
aufzube­wahren um sie im näch­sten Jahr wieder auszusäen — dies nen­nt man
Nach­bau. Jahrhun­derte lang züchteten BäuerIn­nen auf diese Weise, durch
Auslese und Nach­bau, neue Getrei­de- oder Kartof­fel­sorten, die den jew­eili­gen
Stan­dortbe­din­gun­gen angepasst waren. Hierzu­lande gehört dies jedoch der
Ver­gan­gen­heit an: Heutzu­tage ist fast die gesamte Züch­tung aus den Hän­den der
BäuerIn­nen in die der Pflanzen­züchter überge­gan­gen und BäuerIn­nen müssen nun
beim jährlichen Saatgutkauf Lizen­zge­bühren an die Züchter entricht­en. Zu
dieser Neuerung kommt außer­dem, dass sich die Züchter in Zusam­me­nar­beit mit
der Poli­tik in den let­zten Jahren etwas beson­ders Per­fides aus­gedacht haben.
Nicht nur sehr bedrohlich, dass immer mehr Pflanzen durch Patente einem
beson­ders exk­lu­siv­en “Schutz” unter­liegen son­dern auch die Ein­führung von
Gebühren — soge­nan­nte Nach­bauge­bühren — auf wieder­aus­gesätes Ern­tegut, die
viele land­wirtschaftliche Betriebe in ihrer Exis­tenz bedro­ht und den Züchtern
weit­ere Ein­nah­men sichert. Die BäuerIn­nen zahlen dop­pelt: Beim Kauf des
Saatgutes und bei der Wieder­aus­saat der eige­nen Ernte!
Die Jahrhun­derte lang aus­geübte bäuer­liche Prax­is, von seinen Ack­er­frücht­en
einen Teil für die Aus­saat im näch­sten Jahr aufzube­wahren, wird damit
aus­ge­he­belt. Damit jedoch noch nicht genug: Um über­haupt zu wis­sen, was die
BäuerIn­nen auf ihren Feldern anbauen, ver­schick­te der Bun­desver­band Deutsch­er
Pflanzen­züchter durch seine Tochter Saatgut-Treu­hand-Ver­wal­tungs-GmbH
Frage­bö­gen an alle BäuerIn­nen, mit der Auf­forderung anzugeben, was sie auf
ihren Feldern anbauen. BäuerIn­nen, die sich ver­weigern durch diese Auskün­fte
zur gläser­nen Land­wirtIn zu mutieren, wer­den mit Gerichtsver­fahren über­zo­gen,
mit Schreiben von Recht­san­wäl­ten trak­tiert und kom­men ob der bürokratis­chen
Belas­tung kaum dazu, ihrer Arbeit auf den Feldern nachzuge­hen.
Die Nach­bauge­bühren müssen vom Tisch, um der Kom­merzial­isierung von
Lebens­for­men Ein­halt zu gebi­eten. Den Bauern und Bäuerin­nen müssen wieder
ihre tra­di­tionellen Rechte auf Auf­be­wahrung, Tausch und kosten­lose
Wieder­aus­saat von Ern­tegut zuge­sprochen wer­den. Nach­bauge­bühren und
Auskun­ft­spflicht in Deutsch­land dür­fen nicht zum weltweit­en Präze­den­z­fall
wer­den — denn beson­ders die BäuerIn­nen im Süden sind auf den kosten­losen
Zugang zu und Nach­bau von Saatgut angewiesen.
Wir beteili­gen uns deswe­gen an der Aktion ?Wider­stand keimt auf!!? der BUKO
Kam­pagne gegen Biopi­ra­terie.

BARNIMER AKTIONSBÜNDNIS GEGEN GENTECHNIK

dosto.de/gengruppe

Tele­fon während des Camps: 0172/4915748

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