14. November 2006 · Quelle: PNN

Freispruch für Julia S. möglich

Kurz vor dem Ende des Ver­fahrens gegen vier Ange­hörige der linken Szene Pots­dams wegen des nächtlichen Angriffs auf den recht­sex­tremen Ben­jamin Oe. sind aus Sicht der Vertei­di­gung bis jet­zt „drei bis vier“ Ent­las­tungszeu­gen für Julia S. gehört wor­den. Dies sagte gestern ihr Anwalt Stef­fen Sauer auf PNN-Anfrage. Bei dem seit August laufend­en Ver­fahren ist die Öffentlichkeit aus­geschlossen, da mehrere Beschuldigte zur Tatzeit unter 21 Jahren alt waren. Mit dem Urteil wird für näch­ste Woche Mittwoch gerech­net.

Für die morgi­gen Plä­doy­ers im Landgericht Pots­dam kündigte Sauer an, für seine Man­dan­tin auf Freis­pruch zu drän­gen. „Es haben aus unser­er Sicht mehrere Zeu­gen bestätigt, dass Julia erst nach dem Über­fall an den Tatort gekom­men ist“, so Sauer. Dies hat­te Julia S. selb­st eben­so aus­ge­sagt (PNN berichteten). Die Staat­san­waltschaft wirft ihr vor, gemein­sam mit weit­eren Beschuldigten Ben­jamin Oe. am 19. Juni 2005 erst gejagt und vor dem Café Hei­der zusam­mengeschla­gen zu haben. Dabei soll der zur Tatzeit 20-jährige Mitangeklagte Arend L. mit einem Teleskop­schlag­stock den Kopf des 17-jähri­gen Opfers aus Fahrland ver­let­zt haben.

Arend L. ist gle­ichzeit­ig ein­er der Ent­las­tungszeu­gen für Julia S.: Auch laut sein­er Aus­sage sollen Julia S. sowie die eben­falls Angeklagten Robert D. und Isabelle K. erst nach der Auseinan­der­set­zung mit Oe. vor das Café Hei­der gekom­men sein. Gegen die zur Tatzeit 16-jährige Isabelle K. wurde das Ver­fahren Mitte Sep­tem­ber gegen die Ableis­tung von 30 Arbeitsstun­den eingestellt. Arend L. selb­st will bei dem Über­fall auf Oe. rund fünf Meter ent­fer­nt gewe­sen sein und keine Gewalt angewen­det haben. Als weit­ere Ent­las­tungszeu­g­in sieht Julia S.-Anwalt Stef­fen Sauer mit Cindy P. aus­gerech­net eine Ange­hörige der recht­en Szene Pots­dams, die mit Ben­jamin Oe. unter­wegs gewe­sen sei. Ihre Aus­sage bringt Sauer mit dem Zeu­gen Hagen T. in Verbindung, der mit Julia S. während des Angriffs auf Oe. an der Mit­tel­straße ges­tanden haben will – diese Szener­ie beschrieb laut dem Anwalt auch Cindy P. bei ihrer Aus­sage vor Gericht.

Der Fall Julia S., Chefin des Wohn­pro­jek­ts „Chamäleon“ in der Her­mann-Elflein-Straße, hat­te für Auf­se­hen gesorgt, weil die 22-Jährige fünf Monate in Unter­suchung­shaft gesessen und die Pots­damer Staat­san­waltschaft zunächst wegen ver­sucht­en Mordes ermit­telt hat­te. Vor Gericht wird nur noch wegen gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung ver­han­delt. Dazu wurde gestern der öffentlich heftig kri­tisierte zuständi­ge Staat­san­walt Peter Petersen vor Gericht ver­nom­men: Er soll laut Sauer bei einem Haft­prü­fung­ster­min für Julia S. bere­its von der ent­las­ten­den Aus­sage von Arend L. gesprochen haben. „Vor Gericht hat Herr Petersen lei­der nicht soviel aus­ge­sagt, wie wir dies erwartet hät­ten“, so Sauer. Danach soll Petersen als Zeuge wiedergegeben haben, dass Arend L. damals aus­ge­sagt habe, dass Julia S., Robert D. und Isabelle K. nichts mit der Tat zu tun hät­ten.

Allerd­ings gibt es auch belas­tende Indizien gegen Julia S.: So wurde bei ihr kurz nach der Tat ein Teleskop­schlag­stock gefun­den, allerd­ings war eine „Mis­chspur“ am Griff nicht ein­deutig Oe.‘s Blut zuzuord­nen. Zudem will eine im Café Hei­der anwe­sende Polizistin Julia S. als Angreiferin erkan­nt haben, andere Zeu­gen rech­nen sie zu den am Tatort fest­ge­hal­te­nen mut­maßlichen Tätern.

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