11. August 2005 · Quelle: MAZ und Ruppiner Anzeiger

Friedensaktion am Bombenziel

Papierkraniche auf dem Bun­deswehrgelände in der Kyritz-Rup­pin­er Hei­de

Hun­derte von Papierkranichen sind am Dien­stag an der Holzpyra­mide im geplanten Übungs­bomben-Ziel­ge­bi­et des Bun­deswehrgelän­des in der Kyritz-Rup­pin­er Hei­de ange­bracht wor­den. Die Papierkraniche waren als weltweites Sym­bol für den Wun­sch nach Frieden und atom­ar­er Abrüs­tung am Son­ntag von Teil­nehmern der Som­mer­ak­tion­stage und des Straßen­festes der Bürg­erini­tia­tive Freie Hei­de am Pink Point gefal­tet wor­den. Die Frieden­sak­tivis­ten ignori­erten am Dien­stag die Schilder rund um den geplanten Trup­penübungsplatz, die das Betreten des muni­tions­be­lasteten Gelän­des unter­sagen, und drangen bis zu der Holzpyra­mide vor.

Platzkom­man­dant Wolf­gang Engel hat­te bis Mittwoch nichts von den Frem­den bemerkt. Er warnte erneut vor dem Betreten der Fläche. “Leib und Leben sind gefährdet, weil dort unzäh­lige Blind­gänger und Muni­tion­steile herum liegen.” Jed­er sei aber let­ztlich für sich selb­st ver­ant­wortlich. Als Dummheit beze­ich­nete es Engel, wenn Kinder mit auf den Platz genom­men wer­den. Die kön­nten in der Regel noch nicht selb­st über ihr Leben entschei­den. Es ist laut Engel nicht das erste Mal, dass Fremde auf dem Platz waren und alle Ver­botss­childer ignori­ert hat­ten. Maß­nah­men gegen Ein­drin­glinge vom Dien­stag werde er nicht ergreifen, da nie­mand per­sön­lich angetroff­fen wor­den sei und nach bish­eriger Erken­nt­nis auch nichts zu Bruch gegan­gen ist.

Die Bun­deswehr bestreift das 12 000 Hek­tar große Gelände regelmäßig. “Wenn wir jeman­den erwis­chen, wer­den Per­son­alien aufgenom­men”, berichtete Engel. Das Betreten gelte zurzeit als Ord­nungswidrigkeit. Falls die Bun­deswehr das Gelände eines Tages mil­itärisch nutzen darf, kön­nte das Betreten des Platzes allerd­ings als Straftat gew­ertet wer­den, teilte der Kom­man­dant mit.

Nach Angaben von Ulrike Lauben­thal aus Bebra in Hes­sen woll­ten die Frieden­sak­tion­is­ten aus Bran­den­burg, Sach­sen-Anhalt, Nieder­sach­sen, Baden-Würt­tem­berg und Hes­sen am Dien­stag mit der Aktion an der Zielpyra­mide für geplante Übungs­bomben auch an die Opfer des Atom­bomben­ab­wurfs auf Nagasa­ki am 9. August 1945 erin­nern.

Ich habe als Kind erlebt, wie der Zweite Weltkrieg erst vor­bere­it­et und dann geführt wurde”, sagte Dorothea Lauben­thal. Die 75-Jährige war die älteste Teil­nehmerin der Aktion am Dien­stag. “Damals habe ich gel­ernt: Kriege sind keine Naturkatas­tro­phen. Sie wer­den von Men­schen gemacht. Sie wer­den von Men­schen vor­bere­it­et, durch Pro­pa­gan­da, durch Aufrüs­tung und durch mil­itärische Übun­gen. Ich habe mir damals vorgenom­men, wach­sam zu sein und rechtzeit­ig meine Stimme zu erheben, wenn wieder Kriege vor­bere­it­et wer­den.”

Die Aktion­steil­nehmer fordern die Abrüs­tung aller Atom­waf­fen und den weltweit­en Verzicht auf den Ein­satz von Uran­mu­ni­tion. Sie sind gegen die Nutzung der Kyritz-Rup­pin­er Hei­de “als Übungsplatz für zukün­ftige Kriege”.

Kraniche für den Frieden

Auf Bom­bo­drom Nagasa­ki-Opfern gedacht

Mit hun­derten selb­st gege­fal­teten Papierkranichen gedacht­en am Dien­stag Teil­nehmer des “Train­ingskollek­tives Win­drose” den Opfern des Atom­bomben­ab­wurfs von Nagasa­ki, der sich am 9. August zum 60. Mal jährte. Die sechs Aktiv­en von Win­drose bracht­en die Friedenssym­bole auf der Holzpyra­mide an, die mit­ten auf dem Luft-Boden-Schieß­platz in der Kyritz-Rup­pin­er Hei­de den anfliegen­den Bombern als Ziel dienen soll.

Im “Train­ingskollek­tiv Win­drose” haben sich Train­er für gewalt­freies Han­deln zusam­mengeschlossen. Die Teil­nehmer aus mehreren Bun­deslän­dern tre­f­fen sich regelmäßig. Derzeit camp­en zehn von ihnen auf dem Schwein­rich­er Zelt­platz, wo auch einige von ihnen an den Som­mer­ak­tion­sta­gen für eine Freie Hei­de teilgenom­men haben.

Mit ihrer Aktion vom Dien­stag fordern die Mit­glieder vom “Train­ingskollek­tiv Win­drose” die Abrüs­tung aller Atom­waf­fen und den weltweit­en Verzicht auf den Ein­satz von Uran­muno­tion, heißt es in ein­er Pressemit­teilung. Zudem wen­den sie sich gegen die Nutzung der Hei­de “als Übungsplatz für zukün­ftige Kriege”.

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