12. Februar 2003 · Quelle: MAZ / BM / MOZ

Fürstenwalder müssen sich seit gestern wegen Mordes an Roland Masch verantworten

(MAZ) FRANKFURT(ODER) “Die machen das doch nicht wirk­lich!” hat­te Syl­vana M. am 1. Juni ver­gan­genen Jahres entset­zt aus­gerufen. Doch sie tat­en es. Zwei junge Män­ner ver­fol­gten den zuvor aus­ger­aubten und zusam­mengeschla­ge­nen Roland Masch in ein Raps­feld bei Alt Mahlisch (Märkisch-Oder­land) und bracht­en ihn mit mehr als 30 Messer­stichen um.

Wegen Mordes, Ans­tiftung und Bei­hil­fe zum Mord, Raubes, schw­er­er Kör­per­ver­let­zung und unter­lassen­er Hil­feleis­tung müssen sich fünf Män­ner und eine Frau seit gestern vor dem Frank­furter Landgericht ver­ant­worten. Darunter die 22-jährige Syl­vana M., die bis heute die Tat nicht fassen kann. Weinend und verängstigt sitzt die junge Frau auf der Anklage­bank. Vor ihr die hoch gewach­se­nen Mit­täter, die sie einst zu ihren Fre­un­den zählte, obwohl sie von ihnen belei­digt und mis­shan­delt wor­den war. “Ich sollte die Klappe hal­ten, son­st wür­den sie mich kalt machen”, geste­ht sie unter Trä­nen. Die schwan­gere Fürsten­walderin passt nicht ins Bild. Unbe­grei­flich, warum sie die Nähe dieser Män­ner suchte, die Ober­staat­san­walt Hart­mut Oeser alle­samt als “stramm rechts” ein­stuft. “Ich kann nicht Nein sagen”, ver­sucht sie sich vor Gericht zu entschuldigen.

Ver­sucht hat­te sie das zumin­d­est, bere­its vor der Disko in Alt Zeschdorf. Gegen 5.30 Uhr war das spätere Opfer auf die Gruppe zuge­gan­gen und hat­te um eine Mit­fahrgele­gen­heit gebeten. Syl­vana M. lehnte ab, lag Maschs Heima­tort Dol­gelin doch genau in der ent­ge­genge­set­zten Rich­tung. Maik W. hinge­gen kam auf eine andere Idee, wie der gepflegt wirk­ende Bril­len­träger vor Gericht bestätigt: Vielle­icht hat der Mann Geld dabei. Schnell war das Betrunk­en-Machen, Aus­rauben und Aus­set­zen des Dachdeck­ers beschlossene Sache.

Mit zwei Autos ging es los. “Als wir im zweit­en Wagen zu dem Feld­weg kamen, hat­ten Matthias R. und Ste­fan K. den Mann schon nach draußen gez­er­rt und prügel­ten auf ihn ein”, erzählt der 21-jährige W., der selb­st mit einem Axtstiel zugeschla­gen haben will und später die Geld­börse des Opfers unter­suchte. Es stellte sich her­aus, dass Masch keinen Cent bei sich hat­te.

Einen unbeobachteten Augen­blick nutzte der Dachdeck­er zur Flucht. R. und K. hät­ten die Ver­fol­gung des 29-Jähri­gen aufgenom­men, der sein eigenes Todesurteil besiegelte, indem er den Ver­fol­gern zurief: “Eure Gesichter habe ich mir sowieso gemerkt!” Maik W. soll anschließend den Befehl zur Liq­ui­da­tion gegeben haben. Wenig später seien R. und K. blutver­schmiert zurück­gekehrt. “Sie sagten, sie hät­ten den Mann abgestochen”, erk­lärt W. äußer­lich ungerührt.

Mit einem Klappmess­er, so die polizeilichen Ermit­tlun­gen, soll der kahlköp­fige, bul­lige R. auf sein Opfer eingestochen haben. Anges­tachelt durch Zurufe seines Kumpans K. Immer wieder bohrte der Angreifer die acht Zen­time­ter lange Klinge in den Oberkör­p­er. Als dieser nur noch röchelte, hat­te K. laut Anklage ger­at­en: “Jet­zt musst Du es richtig machen, son­st sind wir geliefert.” R. schnitt seinem Opfer in grausamer Kon­se­quenz die Kehle durch.

Die bei­den mut­maßlichen Mörder hüllen sich vor Gericht in Schweigen. Roland Masch war erst sechs Wochen nach der Tat von einem Bauern bei der Rapsernte ent­deckt wor­den. Die Leiche des jun­gen Fam­i­lien­vaters war bere­its skelet­tiert. Trotz der müh­samen Spuren­suche und der Ver­schwiegen­heit des Sex­tetts, einan­der nicht zu ver­rat­en, waren die Ermit­tler auf Grund von Zeu­ge­naus­sagen schnell fündig gewor­den.

Der Prozess wird heute mit weit­eren Vernehmungen der Angeklagten fort­ge­set­zt. Dann allerd­ings — sagt der Ober­staat­san­walt unter Andro­hung eines Ermit­tlungsver­fahrens — soll­ten die mut­maßlichen Täter ihre zur Schau getra­ge­nen Nazi-Sym­bole verdeck­en. Maik W. und Matthias R. haben deut­lich sicht­bar das Wort “Hass” mit SS-Runen auf ihre Fin­ger tätowiert.

“Der packt aus, der muss ster­ben”

Vor dem Frank­furter Landgericht begann gestern der Prozess gegen die mut­maßlichen Täter des “Raps­feld-Mordes”

(BM, Jeanette Bed­erke) Frank­furt (O.) — Die bei­den Haup­tangeklagten schwiegen — so wie sie es
ange­blich bere­its kurz nach dem Mord im Juni 2002 vere­in­bart hat­ten -, nach
einem der abscheulich­sten Ver­brechen des ver­gan­genen Jahres in Bran­den­burg,
dem Mord im Raps­feld. Laut Anklage sollen die bei­den jun­gen Män­ner aus
Fürsten­walde den 29-jähri­gen Dachdeck­er Roland Masch in der Nacht des 1.
Juni an einem ein­samen Feld­weg bei Alt Mahlisch (Märkisch-Oder­land)
zusam­mengeschla­gen und aus­ger­aubt haben. Voller Angst muss Masch gewe­sen
sein — und voller Wut. Und fast schon entkom­men, schrie er seinen Peinigern
ange­blich jenen Satz hin­ter­her, der ihn wohl das Leben gekostet hat: “Eure
Gesichter habe ich mir gemerkt.” Masch wurde erstochen, von Matthias R. und
Ste­fan K., so der Staat­san­walt, damit er nicht plaud­ern kon­nte. “Der darf
nicht am Leben bleiben, der packt son­st aus.” Fiel dieser Satz, wurde Masch
mit 30 bis 40 Messer­stichen bru­tal getötet, damit er für immer über die
Schläge und den Raub schweigt? Offen­bar, denn die vier Mitangeklagten waren
gestern zum Prozes­sauf­takt im Frank­furter Landgericht weit mit­teil­samer als
die zwei mut­maßlichen Haupt­täter.
Matthias R. und Ste­fan K. hät­ten Masch nach ein­er Ver­fol­gungs­jagd getötet,
danach ihre blutver­schmierte Klei­dung ver­bran­nt und das Tatmess­er in die
Spree gewor­fen, sagten die Mitangeklagten, die gestern keine Kom­plizen mehr
sein woll­ten. “Ich hab ihm die Kehle durchgeschnit­ten”, zitierte eine
Angeklagte einen­der bei­den Haup­tangeklagten. “Danach meinte er noch, es habe
ihm Spaß gemacht, und dies sei der Kick sein­er Kar­riere”, sagte die
mitangeklagte 23-jährige Syl­vana M. unter Trä­nen. Die schwan­gere Frau hat
nach eigen­er Aus­sage ver­sucht, die Tat zu ver­hin­dern. “Halt die Klappe,
son­st mach ich das Gle­iche mit dir”, habe sie darauf ein­er der Angeklagten
ange­fahren.
Die fünf Män­ner im Alter zwis­chen 19 und 26 Jahren sind nach Angaben von
Ober­staat­san­walt Hart­mut Oeser alle “stramm rechts”, Teil der Szene in
Fürsten­walde. Das Opfer hat­te sie in der Nacht jenes Sonnabend vor der Dis­co
“Nightlife” in Alt-Zeschdorf um eine Mit­fahrgele­gen­heit gebeten. Gegen den
Willen der bei­den Fahrer sei beschlossen wor­den, Masch mitzunehmen und
auszu­rauben. Laut Anklage wurde das Opfer auf einem Feld­weg aus dem Auto
gez­er­rt und mit einem Axtstiel geschla­gen. Dann stell­ten einige sein­er
Peiniger fest, dass sein Port­monee kein Geld enthielt und ließen zunächst
von ihm ab. Als Roland Masch fliehen wollte, ver­fol­gten in Zwei der Gruppe,
töteten ihn und ließen den Kör­p­er im mannshohen Raps liegen. Die
skelet­tierte Leiche wurde erst Wochen später bei der Ernte gefun­den. Bei der
Auswer­tung von Überwachungsvideos der Diskothek stießen Fah­n­der auf den
vorbe­straften Maik W. und schließlich auf den Rest der Gruppe.
Roland Masch, der aus Dol­gelin stammt, hin­ter­ließ einen kleinen Sohn und
eine Lebens­ge­fährtin. Die Mut­ter, seine Lebens­ge­fährtin und sein Brud­er
ver­fol­gten gestern als Neben­kläger, wie die angeklagten Män­ner emo­tion­s­los
und ohne ein Wort der Entschuldigung von der Tat berichteten. Von den
Schlä­gen mit einem Axtstiel, davon, wie die blut­durchtränk­te Klei­dung
ver­bran­nt wurde und die Gruppe nach der Tat hun­grig zu McDon­alds ging.
Rädels­führer Maik W., damals 19 Jahre alt, soll ange­blich der Tat gemah­nt
haben: “Wir sitzen alle in einem Boot. Wird ein­er erwis­cht, muss er die
Klappe hal­ten.” Vor Gericht bestätigt er gestern wesentliche Anklagepunk­te,
schwächt seine Tat­beteili­gung jedoch ab. Zwar habe er den Anstoß zum Raub
gegeben und auch auf das Opfer eingeschla­gen. Die Ans­tiftung zum Mord aber
will W. nicht auf seine Kappe nehmen. Der Prozess wird mor­gen fort­ge­set­zt
und dauert voraus­sichtlich zehn Tage. Drei der Män­ner müssen wegen Mordes an
Roland Masch und
Ans­tiftung zum Mord mit ein­er lebenslan­gen Haft­strafe
rech­nen.

Über 30 Mal zugestochen

Mord an einem Diskobe­such­er vor Gericht — Schwan­gere Mitangeklagte fühlt sich bedro­ht

(MOZ) Frank­furt (Oder) (ddp-lbg). Nur leise und unter Trä­nen kann die schwan­gere
Frau mit den lila­far­be­nen Haaren über das unge­heuer­liche Geschehen
bericht­en. Die 23-jährige Syl­vana M. war am 1. Juni 2002 dabei, als der
bul­lige Matthias R. (23) blutver­schmiert und mit einem Mess­er in der Hand
aus einem Raps­feld nahe Neu Mahlisch bei Seelow zum Pkw zurück­kehrte. «Ich
habe ihm die Kehle durchgeschnit­ten», habe R. trock­en gesagt und im Auto
dann hinzuge­fügt: «Es hat Spaß gemacht und war der Kick mein­er Kar­riere.»
Der Auf­se­hen erre­gende Mord­fall wird seit Dien­stag am Landgericht Frank­furt
(Oder) ver­han­delt. Matthias R. muss sich dort zusam­men mit weit­eren drei
weit­eren jun­gen Män­nern aus Fürsten­walde wegen Mordes oder der Bei­hil­fe dazu
ver­ant­worten. Syl­vana M. und ein sech­ster Angeschuldigter sind der
unter­lasse­nen Hil­feleis­tung angeklagt. Die Beschuldigten sollen einen vor
der Disko von Alt Zeschdorf aufge­le­se­nen Zim­mer­mann bru­tal
zusam­mengeschla­gen, aus­ger­aubt und getötet haben. Seine bere­its skelet­tierte
Leiche war erst sechs Wochen später von einem Mäh­drescher­fahrer ent­deckt
wor­den.
Vier der Angeklagten berichteten am Dien­stag ziem­lich übere­in­stim­mend, wie
der 29-jährige Diskogänger die Gruppe um eine Mit­fahrgele­gen­heit im Pkw bat.
Zunächst habe man abgelehnt, dann aber den Raub­plan aus­ge­heckt. Auf einem
Feld hät­ten zwei der Män­ner ihr Opfer aus dem Wagen gez­er­rt und zu Boden
gedroschen. Ein drit­ter Angeklagter, Maik W. (21), räumte ein, den Mann mit
einem Beil geschla­gen zu haben. Er leugnete aber den Anklagevor­wurf, zum
Mord anges­tiftet zu haben.
Als die Gruppe sich über die leere Geld­börse des Mannes ärg­erte, kon­nte
dieser flücht­en. Dann sei Angst aufgekom­men, was wohl passiere, wenn er sich
die Auto­kennze­ichen merkt. Alle vier sagten aus, dass allein Matthias R. und
der 25 Jahre alte Ste­fan K. dem Flüch­t­en­den fol­gten. Bei­de äußerten sich zu
Prozess­be­ginn nicht zu den Vor­wür­fen. Laut Anklage soll R. über 30 Mal auf
das um sein Leben bet­tel­nde Opfer eingestochen haben. Ste­fan K. habe ihm
gesagt: «Jet­zt musst Du es richtig machen. Wenn der auf­ste­ht, sind wir
geliefert». Daraufhin soll R. dem Mann die Halss­chla­gadern durchtren­nt
haben.
Nach der Tat hät­ten sich alle geschworen zu schweigen, wenn ein­er von der
Polizei geschnappt wer­den sollte, sagten die Angeklagten am Dien­stag weit­er.
Syl­vana M. kann unter­dessen kaum mehr ruhig schlafen. Schon bei der
Schlägerei will sie gefle­ht haben, die sollen doch aufhören. Doch ein
Mitangeklagter habe nur gesagt, sie solle die Klappe hal­ten, son­st wür­den
sie das­selbe mit ihr machen. Und nach dem Mord habe Matthias R. ihr gedro­ht,
sie umzubrin­gen, wenn sie redet.
Die Angst der jun­gen Frau vor dem in Unter­suchung­shaft sitzen­den R. ist so
groß, dass ihr Vertei­di­ger die Kam­mer — verge­blich — bat, den Glatzkopf
während ihrer Aus­sage aus dem Saal zu schick­en. Sie kan­nte die Gruppe seit
langem: «Dass die nicht ganz ohne sind, wusste ich schon», sagte sie. Vor
fünf Jahren habe Maik W. ihr das Nasen­bein gebrochen. Zwei der Angeklagten
hät­ten zudem eine Fre­undin verge­waltigt. Von der men­schen­ver­ach­t­en­den
Gesin­nung zeu­gen zudem die SS-Runen auf den Fin­gern von Matthias R. Das
Urteil will die Kam­mer voraus­sichtlich am 6. März verkün­den.

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