16. April 2002 · Quelle: FreundInnenkreis Sachsenhausen

Gedenken zum 57. Jahrestag der Befreiung des KZ Sachsenhausen

Pro­gramm 21. April 2002:

12:00h: Bus­fahrt von Berlin (Rosa-Lux­em­burg-Platz) nach Oranien­burg

13:30h: Tre­ff­punkt für alle Angereis­ten am “Turm A” auf der Gedenkstätte

14:00h: Dezen­trales Gedenken einzel­ner nationaler Ver­bände und Opfer­vertre­tun­gen an unter­schiedlichen Orten auf dem Gelände

15:00h: Zen­trale Gedenkver­anstal­tung an der “Sta­tion Z”

16:00h: Führungen/Gespräche mit:

Karl Sten­zel (ehe­ma­liger poli­tis­ch­er Häftling, KPD)

Mark Tile­witsch (ehe­ma­liger sow­jetis­ch­er Kriegs­ge­fan­gener)

Zdzis­law Jasko (ehe­ma­liger pol­nis­ch­er Häftling)

Wolf­gang Wip­per­mann (His­torik­er) wird die neu eröffnete
Spezial­lager­ausstel­lung vorstellen.

17:30h: klein­er Emp­fang des Inter­na­tionalen Sach­sen­hausen-Komi­tee

gegen 18.30h: Rück­fahrt

Anreise:

ab Berlin:

entwed­er mit Bus,
Anmel­dung per email: sachsenhausen2002@hotmail.com (bitte unbe­d­ingt
Tele­fon­num­mer angeben!)

oder mit S‑Bahn
(S1): ab Berlin-Friedrich­str. 12:09h, Oranien­burg an 12:55h

ab Pots­dam:

Tre­f­fen 11.30 Uhr Haupt­bahn­hof

Das KZ Sach­sen­hausen

Aufruf:

Bis die Rote Armee am 22. April 1945 das KZ Sach­sen­hausen befre­ite, waren
etwa 100 000 von ins­ge­samt 200 000 Häftlin­gen tot: sie star­ben an geziel­ten
Ver­nich­tungsak­tio­nen und willkür­lichem Ter­ror der SS, bei mörderisch­er
Zwangsar­beit in den unzäh­li­gen Außen­lagern und Betrieben oder schlicht an Hunger,
Kälte und Krankheit als Folge der bar­barischen La-gerzu-stände.
Beispiel­haft für das poli­tis­che Anliegen der Über­leben­den der deutschen
Konzen­tra­tions- und Ver­nich­tungslager ste­ht der Schwur, den die befre­it­en
Häftlinge des KZ-Buchen­wald in sechs €päis­chen Sprachen ablegten:
?Die endgültige Zer­schmetterung des Nazis­mus ist unsere Losung. Der Auf­bau
ein­er neuen Welt des Friedens und der Frei­heit ist unser Ide­al. Dies
schulden wir unseren ermorde­ten Kam­er­aden und ihren Fam­i­lien.?
Das Inter­na­tionale Sach­sen-hausen-Komi­tee, die Organ­i­sa­tion der über­leben­den
Häftlinge Sach­sen­hausens und deren Ange­höri­gen, kommt jedes Jahr zum Tag der
Befreiung in der Gedenkstätte Sach­sen­hausen zusam­men. Sie erin­nern die
Jün­geren an ihr antifaschis­tis­ches Ver­mächt­nis und gedenken der Ermorde­ten.

Beteiligt euch am Jahrestag der Befreiung in Sach­sen­hausen! Sol­i­dar­ität mit
den Über­leben-den der nation­al­sozial­is­tis­chen Bar­barei!

Fre­undIn­nenkreis Sach­sen­hausen

Foto aus Sach­sen­hausen, gefun­den bei einem SSler

Das KZ Sach­sen­hausen

Ab 1936 wurde in Oranien­burg, nördlich von Berlin, das KZ Sach­sen­hausen als
erstes mod­ellför­miges Konzen­tra­tionslager Deutsch­lands errichtet. Es war
geplant als “KZ der Reichs-haupt­stadt”.
Unter den anfänglich vie­len poli­tis­chen Häftlin­gen waren vor allem
Kom­mu­nis­ten, die einen bre­it­eren aktiv­en Wider­stand gegen den NS zu leis­ten
ver­sucht­en. Andere wur­den aus sozial­dar­wi-nis­tis­chen Grün­den als “Asoziale” und
“Berufsver­brech­er” inhaftiert. Sin­ti und Roma, Homo-sex­uelle und Zeu­gen Jeho­vas
wur­den zu weit­eren Opfer­grup­pen gemacht. Nach der Reich­s­pogrom­nacht wur­den im
No-vem­ber 1938 Tausende Berlin­er Juden nach Sach­sen-hausen ver­schleppt. Die
meis­ten soll­ten zu dieser Zeit noch mit ihren Fam­i­lien zur Aus­reise gezwun­gen
wer­den, ihr Eigen­tum wurde ? zum Nutzen der Volks­ge­mein­schaft — “arisiert”.
Später wur­den jüdis­che, aber auch andere Häftlinge in die Ver­nich­tungslager in
Polen de-portiert, schließlich das KZ Sach­sen­hausen für “juden­rein” erk­lärt.
Die größte Ver­nich­tungs-aktion der SS in Sach­sen­hausen selb­st war die
Erschießung von über 10 000 sow­jetis­chen Kriegs­ge­fan­genen im Herb­st 1941. Nach den
deutschen Ver­nich­tungs­feldzü­gen in Osteu-ropa und den Über­fällen auf
west€päische Län­der macht­en deutsche Häftlinge nur noch eine Min­der­heit aller
Häftlinge in Sach­sen­hausen aus. Die Stadt Oranien­burg wurde im Laufe der Jahre
zum zen­tralen Stützpunkt und Aus­bil­dung­sort der SS, erhielt zeitweise den
Beina­men “Stadt der SS” und beherbergte seit 1938 die “Inspek­tion der
Konzen­tra­tionslager”, die Ver­wal­tungszen­trale (fast) aller Konzen­tra­tions- und
Ver­nich­tungslager NS-Deutsch­lands. Hier saßen die Schreibtis­chtäter, die z.B. die
Beliefer­ung des Lagers Auschwitz mit Zyk­lon B koor­dinierten. Aber auch die
örtliche Bevölkerung beantragte hier die Zuweisung von Zwangsar­beit­ern aus
dem KZ Sach­sen­hausen für den Ern­teein­satz oder in kleinen Betrieben. Daneben
ver­fügte das Stamm­lager Sach­sen­hausen über etwa 100 Außen­lager (darunter z.B.
Falkensee, Lieberose/Jamlitz), die direkt an SS-eige­nen, zumeist aber
pri­vat­en Unternehmen angeschlossen waren. Unter anderem bei Siemens, AEG,
Daim­ler-Benz und IG Far­ben mussten KZ Häftlinge Zwangsar­beit leis­ten: “Ver­nich­tung
durch Arbeit”.
Von ins­ge­samt 200 000 Häftlin­gen des KZ Sach­sen­hausen wur­den etwa 100 000
ermordet .

Ein Über­leben­der

Zur bun­des­deutschen Erin­nerungspoli­tik

Die Absicht […], die Ver­brechen des Faschis­mus und die Hand­lun­gen der
sow­jetis­chen Besatzungs-macht im Rah­men der zwis­chen den Siegermächt­en
vere­in­barten Poli­tik der Ent­naz­i­fizierung und Demil­i­tarisierung auf eine Stufe zu
stellen, ist nicht zu recht­fer­ti­gen. Solche Ver­suche laufen let­ztlich auf eine
Rein­wäsche der Untat­en von Nazi-Ver­brech­ern hin­aus.?

(Der Sprech­er des rus­sis­chen Außen­min­is­teri­ums am 9. Dezem­ber 2001 in Moskau
zur Eröff­nung der neuen Spezial­lager-Ausstel­lung in der Gedenkstätte
Sach­sen­hausen)

Die Wiedervere­ini­gung 1990 bewirk­te eine radikale Umgestal­tung der
Gedenkstätte Sach-sen­hausen an die neuen Ver­hält­nisse. Die DDR berief sich auf die
Per­spek­tive der Über­le-ben­den und pflegte ein antifaschis­tis­ches
Staatsver­ständ­nis. Der Antifaschis­mus deutsch­er Kom­mu­nis­ten war jedoch igno­rant gegenüber
der Spez­i­fik der Shoah und anderen Opfer-grup­pen. Auch bot er den Ange­höri­gen
der NS- Volks­ge­mein­schaft eine allzu leicht­fer­tige Ent­las­tung durch ihre
Auf­nahme ins antifaschis­tisch — sozial­is­tis­che Kollek­tiv. Den­noch bezog die DDR
zurecht ihre Legit­i­ma­tion aus dem antifaschis­tis­chen Kampf ihrer Grün­der und
berief sich auf einen radikalen Bruch mit dem NS.
Dage­gen herrscht­en in der BRD vielfältige per­son­elle Kon­ti­nu­itäten in Staat
und Wirtschaft, strik­ter Anti-kom­mu­nis­mus und eine Abwehr der Erin­nerung. Der
“anti­to­tal­itäre Kon­sens” als Staats­dok­trin set­zte und set­zt unter dem
Begriff der Dik­tatur den Real­sozial­is­mus mit dem Nation­al­sozial­is­mus gle­ich und
rel­a­tiviert damit die deutsche Massen­ver­nich­tungspoli­tik. “Antifaschis­mus” galt
und gilt in dieser Repub­lik als kom­mu­nis­tis­ch­er Unter­wan­derungsver­such und
ist damit ein Fall für den Ver­fas­sungss­chutz. Das mussten auch immer wieder
Ver­bände von NS-Opfern erfahren.

Ab 1990 wur­den die KZ-Gedenkstät­ten der ehe­ma­li­gen DDR im Sinne des
anti­to­tal­itären Kon­sens umgestal­tet und der Antifaschis­mus der DDR als
“instru­mentell” und “verord­net” denun­ziert.
In Sach­sen­hausen musste sich das Inter­na­tionale Sach­sen­hausen-Komi­tee
vehe­ment da-gegen wehren, dass nun auch auf dem Gelände des ehe­ma­li­gen KZ
Sach­sen­hausen den von sow­jetis­ch­er Besatzungs­macht internierten Nazis gedacht würde.
Das Muse­um zum Spezial­lager Nr.7/Nr1 wurde den­noch im Dezem­ber 2001 eröffnet.

Zunehmender Anti­semitismus, ein­herge­hend mit der Uminter­pre­ta­tion deutsch­er
Täter zu Opfern, die eine pos­i­tive Bezug­nahme auf Geschichte auch im Land der
Täter wieder möglich erscheinen lässt, zeich­nen die “Berlin­er Repub­lik”
aus. Krieg wird heute nicht mehr trotz, son­dern wegen Auschwitz geführt.


Den Über­leben­den der
deutschen Ver­nich­tungspoli­tik die Deu­tungs­macht über
ihr Lei­den!

Deutsche Täter sind keine Opfer!

Mod­ell der “Sta­tion Z”
</center

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Pots­dam – Unter dem Mot­to „SOS an den EU-Außen­gren­zen! Pots­dam – ein sicher­er Hafen!?“ laden Ini­tia­tiv­en anlässlich des „Tag des Flüchtlings“ am 27.09.2019 zu einem Aktion­stag ein.
Im Gedenken an Micha tre­f­fen wir uns am Sam­stag den 31. August 2019 zu ein­er Gedenkkundge­bung um 17 Uhr am Stein der Inter­na­tionalen Brigaden „Tre­ff­punkt Freizeit“ in Pots­dam.
Rathenow — Ein wegen Gewalt­tat­en verurteil­ter NPD Stad­trat hat in Rathenow eine Kundge­bung für mehr „Sicher­heit“ angekündigt. Daraufhin bat ihn ein Christ­demokrat auch um par­la­men­tarische Hil­fe. Der Neon­azi soll einem CDU Antrag in der SVV zus­tim­men.

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot