21. Juni 2003 · Quelle: MAZ

Gefängnis-Freigänger hörte Neonazi-Musik

Aus dem Gerichtssaal / 22-Jähriger zu Geld­strafe verurteilt

(MAZ, C. Schulze) NEURUPPIN Wegen Volksver­het­zung hat­te sich gestern der in der Jus­tizvol­lzugsanstalt (JVA) Wulkow ein­sitzende Maik O. vor dem Neu­rup­pin­er Amts­gericht zu ver­ant­worten. Der 22-jährige Wuster­hausen­er ist dort wegen eines recht­sex­trem­istisch motivierten Mord­ver­suchs inhaftiert.

Weil er den Abschluss zu sein­er Trock­en­bau-Aus­bil­dung nach­holt, darf er jedoch seit Okto­ber ver­gan­genen Jahres als Freigänger das Gefäng­nis tagsüber ver­lassen. Nur einen guten Monat später, am 8. Novem­ber 2002, fiel Maik O. zwei Polizis­ten auf, die am Neu­rup­pin­er McDon­alds-Imbiss eine Verkehrskon­trolle durch­führten. Aus dem Auto von Maik O. schallte laut­stark ein Song der recht­en Szeneband “Die Härte”. Zur Melodie eines Juliane-Werd­ing-Schlagers singt die Gruppe darin wüste Beschimp­fun­gen auf den 1999 ver­stor­be­nen Vor­sitzen­den des Zen­tral­rats der Juden: “Ignatz Bubis, wir pis­sen auf dein Juden­grab.” Die Polizeibeamten hiel­ten Maik O. an und stell­ten die Kas­set­ten aus dem Auto sich­er.

Vor Gericht zeigte sich Maik O. teil­weise geständig: Er gab zu, die Musik gehört zu haben. Er wisse jedoch nicht, woher die Kas­sette in seinem Auto stamme. Der ein­schlägig Vorbe­strafte fühlte sich zu Unrecht “als Rechter abgestem­pelt”. Er würde ja auch Grup­pen ander­er Stile hören und die rechte Musik in seinem Auto, so Maik O., “hörte ich ein­fach so. Da finde ich nichts Schönes dran.” Ein richtiger Rechter sei er auch damals nicht gewe­sen, als er mit Fre­un­den einen Wach­mann am Flüchtling­sheim in Neustadt (Dosse) als “Linken” und “Polen” beschimpfte und fast tot­prügelte, sagte Maik O.

Die Staat­san­wältin forderte für den Angeklagten eine sechsmonatige Haft­strafe ohne Bewährung. “Wer solche krassen Texte hört, macht sie sich natür­lich zu Eigen.” Der Pflichtvertei­di­ger von Maik O. ver­wies auf die Trock­en­bauer-Lehre seines Man­dan­ten, auf seine inzwis­chen erfol­gte Dis­tanzierung von der recht­en Szene und auf die pos­i­tive Ein­schätzung der JVA Wulkow. Er plädierte für eine Geld­strafe. Rich­terin Anke Neu­mann ver­hängte am Ende ein Bußgeld von 600 Euro. Durch die Verurteilung sinken die Chan­cen für Maik O., vorzeit­ig aus der Haft ent­lassen zu wer­den.

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