19. Januar 2018 · Quelle: Emanzipatorische Antifa Potsdam

Gemeinsam trainieren mit Neonazis

„Deshalb wende ich mich auch ganz dezidiert gegen die Ausgrenzung anders orientierter gesellschaftlicher Gruppen, solange sie nicht als verfassungsfeindlich gelten.“ Diese Worte sprach der Präsident der Universität Potsdam beim Neujahrsempfang 2018.

Deshalb wende ich mich auch ganz dezi­diert gegen die Aus­gren­zung anders
ori­en­tiert­er gesellschaftlich­er Grup­pen, solange sie nicht als
ver­fas­sungs­feindlich gel­ten.“ [1] Diese Worte sprach der Präsi­dent der
Uni­ver­sität Pots­dam beim Neu­jahrsemp­fang 2018. Doch wer entschei­det an
der Uni eigentlich über Ver­fas­sungs­feindlichkeit und vor allem wie?
Am 10.01.2018 wurde der Neon­azi Tom Fis­ch­er durch die AR_P//U
(Antifaschis­tis­che Recherche_Potsdam//Umland) geoutet [2]. Fis­ch­er
studiert seit 4 Jahren Philoso­phie an der Uni­ver­sität Pots­dam und
fungiert derzeit als Kick­box­train­er beim Hochschul­sport. In dem
veröf­fentlicht­en Text wird ein­deutig gefordert, die Train­ertätigkeit von
Fis­ch­er zu been­den: „Als Train­er ist Tom Fis­ch­er im Hochschul­sport nicht
halt­bar. Aus ein­fach­sten poli­tis­chen Erwä­gun­gen und mit Rück­sicht auf
andere Studierende ist den Ver­ant­wortlichen drin­gendst nahegelegt, das
Ver­hält­nis mit Fis­ch­er umge­hend zu been­den“[2]. Doch wie reagierte die
Uni­ver­sität und der Hochschulsport?
Sie stell­ten sich bere­itwillig vor Fis­ch­er, indem sie als adäquate
Beweisquelle den Ver­fas­sungss­chutz Bran­den­burg benan­nten [3]. Genau
dieser Ver­fas­sungss­chutz, der in den let­zten Monat­en und Jahren heftig
in Kri­tik ger­at­en ist. Ein promi­nentes Beispiel sind die Verstrickungen
des bran­den­bur­gis­chen Ver­fas­sungss­chutz im NSU Kom­plex und eine
unver­ant­wortliche Zusam­me­nar­beit mit dem V‑Mann Carsten Szczepanski
(alias „Piat­to“) [4]. Der Ver­fas­sungss­chutz Bran­den­burg trägt eine
Mitver­ant­wor­tung, dass ein Teil der NSU-Grup­pierung unter­tauchen und in
den Jahren 2000 bis 2007 mor­den kon­nte. Auch der Bundesverfassungsschutz
war nicht in der Lage zehn ras­sis­tisch motivierte Morde zu verhindern,
obwohl es bere­its 1998 schon Hin­weise auf den Aufen­thalt­sort des
NSU-Trios, beste­hend aus Mund­los, Böhn­hardt und Zschäpe, gab [5].
Und jet­zt argu­men­tiert die Uni­ver­sität Pots­dam – mith­il­fe von nicht
vorhan­de­nen Infor­ma­tio­nen des Ver­fas­sungss­chutzes – dass Fis­ch­er kein
Neon­azi ist? Dabei liefert der Text der AR_P//U nicht nur ein Argument
dafür, dass Fis­ch­er ein aktiv­er Neon­azi war und ist. Das Trainingsvideo
wurde ein­deutig von der recht­sradikalen Partei ‚Der III. Weg‘ erstellt
und veröf­fentlicht. Fis­ch­er trägt auch in diesem Video ein T‑Shirt von
der Partei ‚Der III. Weg’! Er trainiert mit Sym­pa­thisan­ten des III. Wegs
und es ist auch bekan­nt, dass min­destens eine weit­ere Per­son, die in
diesem Video gezeigt wird, am Kick­box­train­ing der Uni Pots­dam teilnimmt.
Wenn all dies nicht aus­re­icht, was muss dann noch passieren?
Wird der Hochschul­sport zum Anlauf­punkt für Recht­sradikale? Wenn diesem
nicht aktiv ent­ge­gengewirkt wird, ist das dur­chaus denkbar. Die Aktionen
der Iden­titären Bewe­gung zeigt ein­deutig die Reich­weite von Neon­azis in
den Hochschul­be­trieb [6].
Wir kön­nen nur die Worte unseres kür­zlich veröf­fentlicht­en Textes über
„Recht­es Gedankengut in sozialen Berufen“ wieder­holen. „Es liegt an uns
dem etwas ent­ge­gen­zuset­zen, die Dinge beim Namen zu nen­nen und offensiv
darauf aufmerk­sam zu machen“ [7]. Und da müsst ihr aktiv wer­den! Nervt
die Hochschulleitung! Macht bei euren Sportkursen darauf aufmerksam,
wenn dort ein Neon­azi trainiert! Macht es öffentlich! Schließt euch
zusam­men, tauscht euch aus! Neon­azis dür­fen keine ruhige Minute haben!
Neon­azis offen­siv entgegentreten!

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