11. Juli 2004 · Quelle: ND

Geschichtsstunde für CDU-Mann Egon Wochatz

Nach Tre­f­fen mit SS-Vet­er­a­nen Antifa-Kundge­bung gegen den früheren Bürg­er­meis­ter von Spremberg

(ND, 8.7., Ralf Fis­ch­er) Ein Bünd­nis gegen Geschicht­sre­vi­sion­is­mus aus Bran­den­burg ruft zur Demon­stra­tion in Sprem­berg auf. Los geht es am Son­ntag um 15 Uhr auf dem Mark­t­platz. Das Bünd­nis will dem früheren Sprem­berg­er Bürg­er­meis­ters Egon Wochatz (CDU) eine Geschicht­stunde, »a les­son in his­to­ry«, erteilen.
Anlass dafür ist, dass Wochatz an einem Tre­f­fen ehe­ma­liger Sol­dat­en der SS-Divi­sion »Frunds­berg« teil­nahm (ND berichtete). Die SS-Divi­sion kämpfte unter anderem in der Nor­mandie gegen die Alliierten. 

Rund 30 der ein­sti­gen Waf­fen-SS-Leute kamen am ersten Juni­woch­enende nach Sprem­berg. Egon Wochatz, der Vor­sitzende der CDU-Frak­tion im Kreistag von Spree-Neiße, war mit ihnen in der Gast­stätte Geor­gen­berg mehrmals zusam­men. Dabei waren auch junge Recht­sex­treme anwesend.
1998 wollte Wochatz, der damals noch Bürg­er­meis­ter von Sprem­berg war, auf dem Geor­gen­berg einen Gedenkstein mit dem SS-Mot­to »Unsere Ehre heißt Treue« auf­stellen lassen, erin­nert das Bünd­nis. Diese Ini­tia­tive habe »viele Unter­stützer« gefun­den. Nach Protesten und einigem Auf­se­hen sei der Plan aber fall­en gelassen wor­den. Nach Angaben des Bünd­niss­es ver­schwand der bere­its ange­fer­tigte Stein auf Nimmerwiedersehen. 

1999 beant­wortete Wochatz die Frage der Ver­ant­wor­tung für die mörderische Het­z­jagd, die zum Tod des algerischen Asyl­be­wer­bers Farid Guen­doul in Guben führte, mit der Gegen­frage: »Was hat­te der auch nachts auf der Straße zu suchen?« Und weit­er sagte er dazu, dass »die bran­den­bur­gis­che Heimord­nung für Über­gangswohn­heime, die unter anderem (…) eine Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr vor­sieht« durchzuset­zen wäre. 

Danach kehrte ein wenig Ruhe um Wochatz ein. Doch damit ist nun wieder Schluss. Der derzeit­ige Fall beschäftigt neben der Antifa sog­ar die poli­tis­chen Kreise in Bran­den­burg, inklu­sive der Lan­desregierung. Der Lan­drat des Kreis­es Spree-Neiße, Dieter Friese (SPD), hat einen Brief an Min­is­ter­präsi­dent Matthias Platzeck (SPD) und Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm (CDU) geschrieben, in dem er »in tiefer Sorge« um den Ruf der Stadt Sprem­berg, des Land­kreis­es, des Innen­min­is­ters und des Min­is­ter­präsi­den­ten hofft, »die geeigneten Schritte« wer­den bald ein­geleit­et. Egon Wochatz ist derzeit im Urlaub. Das Bünd­nis gegen Geschicht­sre­vi­sion­is­mus will am Son­ntag trotz­dem seinen Protest auf die Straße tragen.

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