29. April 2005 · Quelle: MOZ / Rote Hilfe / BesetzerInnen / Zeit Online

Gespräche nach Räumung

(MOZ) Nach der Räu­mung des beset­zten Haus­es an der Rosa-Lux­em­burgstraße (wir
berichteten) hat es erste Gespräche zwis­chen der Stadt und den betrof­fe­nen
Jugendlichen gegeben. Bürg­er­meis­terin Kat­ja Wolle, als Dez­er­netin für den
Bere­ich Jugend und Soziales zuständig, traf sich noch am Dien­stagabend mit
jun­gen Frank­furtern, die vors Rathaus gezo­gen waren. Im
Stadtverord­neten­sitzungssaal ließ sie sich die Sit­u­a­tion der Jugendlichen
schildern. Anschließend lud die Bürg­er­meis­terin sie zur näch­sten Sitzung des
Jugend­hil­feauss­chuss­es am kom­menden Dien­stag ein, wo sie ihr Pro­jekt
vorstellen sollen.

Etwa 15 junge Frank­furter im Alter von 18 bis 25 Jahren hat­ten am Sonnabend
die seit Jahren leer ste­hende lan­de­seigene Vil­la an der Ecke
Rosa-Lux­em­burg-/Wieckestraße beset­zt, wo sie ein alter­na­tives Kul­turzen­trum
ein­richt­en woll­ten. Ihre Aktion hat­ten sie u. a. mit “fehlen­den Freiräu­men
in der Stadt” begrün­det.

Kat­ja Wolle will nun zuerst klären, “ob wir wirk­lich am Bedarf vor­bei sind”.
Sie ver­wies auf die “vielfältige Jugend­szene” in Frank­furt — und darauf,
dass sich die Stadt nur im Rah­men ihrer finanziellen Möglichkeit­en bewe­gen
könne. Ille­gale Hand­lun­gen wie die Haus­be­set­zung seien, so betonte Kat­ja
Wolle, keine Grund­lage, Forderun­gen zu stellen.

Als Schritt in die richtige Rich­tung und Teil­er­folg wertete ein­er der
Haus­be­set­zer gestern die begonnenen Gespräche. Man werde das Konzept für das
angestrebte Zen­trum über­ar­beit­en und zur Auss­chuss­sitzung fer­tig­stellen,
sagte er gegenüber dem Stadt­boten. Die jun­gen Leute wollen sich eine Lob­by
ver­schaf­fen, Ver­bün­dete — auch unter den Stadtverord­neten — suchen. Ob
unter­dessen weit­ere Aktio­nen geplant sind, ließ der Haus­be­set­zer offen.

Bürg­er­meis­terin Kat­ja Wolle forderte die Jugendlichen auf, das Ange­bot des
Lan­des anzunehmen, ihr Konzept in anderen lan­de­seige­nen Gebäu­den zu
ver­wirk­lichen. Im Raum ste­hen Häuser in der Her­bert-Jen­sch-Straße und in der
Beeskow­er Straße. Von Seit­en des zuständi­gen Liegen­schafts- und Bauamtes
hieß es nach der Räu­mung, dass diese Offerte aufrecht erhal­ten werde. Frank
Ham­mer, PDS-Land­tagsab­ge­ord­neter und Stadtverord­neter, begrüßte das Konzept
der jun­gen Leute. Sie hät­ten mit der wider­rechtlichen Haus­be­set­zung auch
darauf aufmerk­sam gemacht, “dass mit leer ste­hen­den Immo­bilien nichts
passiert”. Die Räu­mung beze­ich­nete er als über­zo­gene Reak­tion. Ham­mer
kündigte an, dass er die Verkaufs­be­mü-hun­gen des Lan­des kon­trol­lieren werde.
Die zweistöck­ige Vil­la soll veräußert wer­den, bis­lang wurde noch kein Käufer
gefun­den.

Polizei räumte Vil­la Rosa

(Rote Hil­fe Fankfurt/Oder) Ein mar­tialis­ches Polizeiaufge­bot mit einem Son­dere­in­satzkom­man­do wurde gegen friedliche Haus­be­set­zerIn­nen einge­set­zt.

Am Nach­mit­tag des 23.04.2005, den 60. Jahrestag der Befreiung Frank­furts vom Nation­al­sozial­is­mus, wurde ein leer­ste­hen­des Haus in der Wieckestraße 2–3 in Frank­furt (Oder) beset­zt. Trotz der vor­läu­fi­gen Dul­dung zumin­d­est übers Woch­enende, wurde die “Vil­la Rosa” am Dien­stag , den 26.04.05 um 13.oo Uhr geräumt.

Unter Andro­hung ein­er gewalt­samen Erstür­mung des Haus­es durch das schwer­be­waffnete Son­dere­in­satzkom­man­do-Bran­den­burg (SEK), entsch­ieden sich die Haus­be­set­zerIn­nen die “Vil­la” zu ver­lassen. Jedoch tat­en sie das nicht, ohne laut­stark auf die repres­siv­en Maß­nah­men aufmerk­sam zu machen. Ein mas­sives Aufge­bot ein­er uni­formierten Hun­dertschaft der Lan­de­sein­satzein­heit (LESE) aus Pots­dam sicherte die Räu­mung ab und begleit­ete die Haus­be­set­zerIn­nen z.T. unter Gewal­tein­wirkun­gen vom Gelände. Die Unver­hält­nis­mäßigkeit des Polizeiein­satzes gegen 14 junge Haus­be­set­zerIn­nen, wurde laut Polizeis­prech­er Detlef Lüben dadurch erk­lärt, dass “Nach­barn beobachtet(en), wie Steine ins Haus getra­gen wor­den waren.”. Durch eigene Recherche wurde fest­gestellt, dass es sich nach­weißlich um Gas­be­ton­steine han­delte, welche für den Bauein­satz genutzt wur­den.

Weit­er­hin ist es sehr ver­wun­der­lich, dass den­noch die LESE-Ein­heit direkt vor dem Haus auf die Beset­zerIn­nen warteten, wo sie doch die Sit­u­a­tion ange­blich für so gefährlich ein­schätzten, wie Lüben ver­lautete.

Es kam während des Abführens der Bewohner­In­nen immer wieder zu Pro­voka­tio­nen seit­ens der Polizei, auf welche sich die Jugendlichen nicht ein­ließen. Einem Bewohn­er welch­er laut­stark gegen die Ungerechtigkeit der Inhaftierung protestierte, wur­den die Arme ver­dreht und man legte ihm Hand­fes­seln an. Alle 14 wur­den vor­läu­fig festgenom­men und wur­den zum Polizeiprä­sid­i­um in die Nuh­nen­straße abtrasportiert.

Dort angekom­men, wur­den einige der AktivistIn­nen aufge­fordert sich völ­lig auszuziehen und ein­er Leibesvis­i­ta­tion zu unterziehen.

Bei allen Men­schen wurde eine völ­lig unangemessene ED-Behand­lung durchge­führt.
Mehreren Beset­zerIn­nen wur­den beim Ver­lassen der Zelle, sei es zur Vernehmung oder zum Tele­fonieren, immer wieder die Hand­schellen angelegt.

Der Anwältin des Kollek­tivs wurde der Zugang zu ihren Man­dan­ten ver­wehrt, da laut Polizeiangaben nicht gek­lärt war, ob sie an der Beset­zung beteiligt gewe­sen ist. Tele­fonate mit der Anwältin wur­den mit­tels der Laut­sprecher­an­lage des Tele­fons durch Vernehmungs­beamte mit­ge­hört.

Die let­zten inhaftierten AktivistIn­nen wur­denge­gen 20.oo Uhr aus dem Gewahrsam ent­lassen.

Am Nach­mit­tag trafen sich mehrere Sym­phati­san­tInnen und Unter­stützerIn­nen des Haus­pro­jek­tes am Karl-Marx-Denkmal und zogen in ein­er Spon­tandemon­stra­tion formiert in Rich­tung Rathaus um gegen die Räu­mung der “Vil­la Rosa” und für die Schaf­fung selb­stver­wal­teter Zen­tren zu demon­stri­eren. Weit­er­hin wurde die Freilas­sung der Inhaftierten gefordert, welche sich seit dem Mit­tag in Polizeige­wahrsam befan­den.
Dort angekom­men woll­ten sie vom Ober­bürg­er­meis­ter Mar­tin Patzelt (CDU) eine Stel­lung­nahme ver­lan­gen. Jedoch wurde ihnen, auf Weisung Mar­tin Patzelts, von der eingetrof­fe­nen Polizei-Ein­heit der Zugang in das öffentliche Gebäude ver­wehrt. Es ist offen­sichtlich, wie hier wiedere­in­mal die demokratis­chen Grun­drechte durch die Stad­to­beren mit den Füssen getreten wer­den.

Erst nach Klarstel­lung durch die Bürg­er­meis­terin Kat­ja Wolle (SPD), ließen sie von ihrem “Befehl” ab, die Demon­stran­tInnen nicht ins Rathaus zu lassen.
Im Rathaus fan­den Gespräche zwis­chen der Bürg­er­meis­terin, der PDS-Stadtverord­neten San­dra Seifert und dem Beset­zerIn­nenkollek­tiv statt.

Im Anschluss hiel­ten die Demon­stran­tInnen eine Kundge­bung vor dem Rathaus ab. Nach­dem diese vom Anmelder aufgelöst wor­den war, ließ die Polizei nicht davon ab, die Teil­nehmerIn­nen immer wieder zu schikanieren. Sie ver­sucht­en mit allen Mit­teln, ihr Recht auf Mei­n­ungsäußerung, in Form ein­er Spon­tandemon­stra­tion, zu ver­hin­dern.
Mit der faden­scheini­gen Begrün­dung, dass es ” zu dunkel” sei, um “die Sicher­heit der Demon­stran­ten zu gewährleis­ten” wurde die Demon­stra­tion für Ver­boten erk­lärt und bei Wider­hand­lun­gen mit repres­siv­en Maß­nah­men gedro­ht.

Wie an diesem Tag aber­mals erkennbar wurde die Wahrnehmung der demokratis­chen Grun­drechte mit repres­siv­en polizeis­taatlichen Maß­nah­men ver­weigert. Wir fordern weit­er­hin die Schaf­fung eines selb­stver­wal­teten sozialen Zen­trums in Frank­furt (Oder) und über­all. Um die antifaschis­tis­chen und basis­demokratis­chen Grund­sätze in der Gesellschaft zu etablieren, müssen wir soziale Freiräume schaf­fen.

Sol­i­dar­ität mit der “Vil­la Rosa” !

Presseerk­lärung des Beset­zerin­nenkollek­tives

Das Haus in der Rosa-Lux­em­bergstraße, Ecke Wieckestraße, wurde vorgestern, am 26.04.05, durch Ein­satzkräfte d
er Polizei des Lan­des Bran­den­burg geräumt. Der Polizeiein­satz, der kurz vor 13 Uhr begann, war ein­er der größten und kosten­in­ten­sivsten der jün­geren Frank­furter Stadt­geschichte. Rund dreißig Polizeifahrzeuge der Bere­itschaft­spolizei und aus dem Poilzeiprä­sid­i­um Frank­furt( Oder) sper­rten das Gebi­et um die beset­zte Vil­la weiträu­mig ab. Ein riesiges Aufge­bot behelmter und gepanz­ert­er Polizis­ten begann sich daraufhin auf dem Hof vor der Vil­la rund um das Gebäude zu postieren. Dabei zeigten sich die Beamten der Bere­itschaft­spolizei nicht eben fre­undlich. Der Jour­nal­ist Kamil M. zum Beispiel wurde angeschrien, bedro­ht und kurzzeit­ig am Fil­men gehin­dert. Andere Besucherin­nen wur­den gezwun­gen sich mit dem Gesicht an die Wand zu stellen. Während dessen bere­it­eten sich Mit­glieder des Son­der-Ein­satz-Kom­man­dos, kurz SEK, auf den Sturm des Haus­es vor. Die Szener­ie muss auf die zahlre­ichen Zuschauer der Polizeiak­tion mar­tialisch und beängsti­gend gewirkt haben: da macht­en sich dunkel gek­lei­dete und ver­mummte Gestal­ten, welche mit Schrot­flinten und Maschi­nen­pis­tolen bewaffnet waren, bere­it für einen gewaltäti­gen Angriff auf 14 fried­fer­tige Jugendliche im Alter von 18- 22 Jahren. Der Ein­satz der Antiter­rortruppe wurde von Poilzeis­prech­er Detlef Lüben damit begrün­det ‚dass Anwohn­er bemerkt hät­ten wie Steine in das Haus getra­gen wur­den. Diese Behaup­tung entspricht der Wahrheit. Es han­delte sich dabei nach­weis­lich um Mauer­steine, die zur Errich­tung pro­vi­sorisch­er Tis­che benutzt wor­den waren. Nach unserem Wis­sens­stand erfüllt der Besitz von Bau­ma­te­ri­alien wed­er nach Lan­des- noch nach Bun­desrecht einen Straftatbe­stand. Zu keinem Zeit­punkt erwogen die Beset­zerin­nen die Vertei­di­gung der Vil­la mit gewaltäti­gen Mit­teln. Bis zum Beginn der Polizeiak­tion stand außer­dem jedem inter­re­sierten Men­schen die Tür zu dem von uns angestrebten sozialen Zen­trum offen, da wäre Raum für Fra­gen und Disku­sio­nen gewe­sen, der seit­ens der Stadt und des Lan­des jedoch weites­ge­hend ungenutzt blieb. Einige Kom­mu­nal- und Lan­despoli­tik­er, darunter Kat­ja Wolle und Frank Ham­mer, sahen sich im Haus um und überzeugten sich von den gemein­nützi­gen und friedlichen Absicht­en der Beset­zerin­nen. Nach Beendi­gung der Räu­mung wur­den dann alle Aktivistin­nen in Gewahrsam genom­men und ins Polizeiprä­sid­i­um in der Nuh­nen­straße über­führt. Dort wur­den sie gegen ihren Willen erken­nungs­di­en­stlich behan­delt und Leibesvis­i­ta­tio­nen unter­zo­gen. Infolge dessen wurde ihnen eröffnet, dass sie Anzeigen wegen Haus­friedens­bruch, Sachbeschädi­gung und ille­galem Abzapfen von Wass­er und Strom erhal­ten wer­den. Die let­zten Gefan­genen wur­den dann gegen 20 Uhr aus dem Gewahrsam ent­lassen.

Während dessen hiel­ten Unter­stützerin­nen der krim­i­nal­isierten Beset­zerin­nen
eine Sol­i­dar­ität­skundge­bung ab. Diese zog anschließend geschlossen zum Rathaus. Dabei wur­den in erster Lin­ie zwei For­drun­gen gestellt: Freilas­sung der Inhaftierten und Räume zum Auf­bau eines selb­st­bes­timmten sozialen Zen­trums. Am Rathaus angekom­men ver­langten die Teil­nehmerin­nen des Demon­stra­tionszuges ein Gespräch mit den poli­tisch Ver­ant­wortlichen der Stadt. Der Zutritt zu dem öffentlichen Gebäude wurde ihnen allerd­ings, auf Anweisung von Ober­bürg­er­meis­ter Mar­tin Patzelt, durch Beamte der lokalen Polizei ver­wehrt. Die Beamten der Polizei drängten die Protestieren­den daraufhin mit kör­per­lich­er Gewalt vom Ein­gang weg. Erst auf Ein­lenken von Kat­ja Wolle und der PDS-Abge­ord­neten San­dra Seifert ließen die Polizis­ten die Menge in das Rathaus wo es dann auch zu ein­er offe­nen Disku­sion zwis­chen Bürg­er­meis­terin Kat­ja Wolle und den Demon­stran­tinnen kam.

Nun wollen wir noch mit eini­gen Worten auf die Ver­hand­lun­gen zwis­chen Haus­be­set­zerin­nen und dem Bau- und Liegen­schaft­samt des Lan­des Bran­den­burg einge­hen. Zunächst wurde den Aktivistin­nen am ersten Tag der Beset­zung die vorüberge­hende Dul­dung in der Vil­la bis zum ver­gan­gen Mon­tag, den 25.04.05, durch die Bürg­er­meis­terin zuge­sagt. An diesem Mon­tag kamen wir nun im Rathaus zu Gesprächen mit BM′in Kat­ja Wolle, Vertretern der Polizei und des Lan­des­bau- und Liegen­schaft­samtes zusammen.Die jun­gen Leute nutzten diese Gele­gen­heit um ihr Nutzungskonzept für die seit 3 Jahren leer­ste­hende Vil­la darzustellen. Weit­er­hin boten sie die Besei­t­i­gung des sich im Keller aus­bre­i­t­en­den Schim­mels, die Unter­hal­tung der anfal­l­en­den Betrieb­skosten sowie die Instand­hal­tung des Hauskom­plex­es an. Konkrete Ver­hand­lun­gen mit dem Bau- und Liegen­schaft­samt wur­den den Bewohner­in­nen daraufhin für 11 Uhr des Fol­ge­tages zugesichert. Bei dieser “Ver­hand­lung” wur­den den Bestzerin­nen nun aber keine, wie in der Presse ver­laut­bar, konkreten Ange­bote zur Nutzung ander­er Objek­te vorgelegt. Dies war für die jun­gen Leute ver­ständlich­er Weise keine vertret­bare Ver­hand­lungsebene. Ihre Posi­tion war Fol­gende: “Wir bleiben in der Vil­la bis uns konkrete Vorschläge zur Nutzung ander­er Immo­bilien vorgelegt wer­den”. Dies beze­ich­nete der Amt­sleit­er des Bau- und Liegen­schaft­samtes, Michael Tschaud­er, als Erpres­sung. In Folge wur­den die Gespräche seit­ens der Behörde für been­det erk­lärt. Die Vertreter des Amtes ver­ließen den Saal mit der Ankündi­gung, die nöti­gen Schritte einzuleit­en. Eine Stunde später begann die Polizei Straßensper­ren rund um das Gebäude zu erricht­en.
Das Beset­zerin­nenkollek­tiv hat den Umgang mit den staatlichen Behör­den als repres­siv und schikanös erlebt. Es bestand offen­bar kein wirk­lich­es Inter­esse sich mit unseren Ideen und Plä­nen zum Auf­bau eines unkom­merziellen sozialen Zen­trums auseinan­der zu set­zen, geschweige denn dies zu unter­stützen. Die jun­gen Leute wer­den Ihren Kampf um ein Bil­dungs-und Kul­turzen­trum in dieser ster­ben­den Stadt nicht aufgeben und weit­er­hin ver­suchen antifaschis­tis­che und basis­demokratis­che Grund­sätze zu etablieren. Ein erster Schritt dor­thin ist die Schaf­fung eines selb­stver­wal­teten, sozialen Freiraums. Die Aktion­istin­nen haben ver­sucht mit ihrer Aktion einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben in Frank­furt (Oder) zu leis­ten. Dabei war eine große Sol­i­dar­ität von seit­ens der Bevölkerung zu spüren. Von staatlich­er Seite wur­den die Beset­zerin­nen augen­schein­lich als gefährliche Krim­inelle und Schw­erver­brech­er eingestuft.Anders kann man auch den völ­lig über­zo­ge­nen Polizeiein­satz, inklu­sive Antiter­ror­ein­heit, nicht erk­lären. Das Beset­zerin­nenkollek­tiv ist über diese Vorge­hensweise schock­iert und empört. Ein Unter­suchung im Land­tag zu dem SEK-Ein­satz wird seit­ens der Aktion­istin­nen bere­its angestrebt.

Gegen die Unter­drück­ung sozialer Bewe­gung in Frankfurt(Oder) und ander­swo.
Für die Mei­n­ungs­frei­heit!
Helfen sie unkom­merzielle Bil­dungs- und Kul­turzen­tren aufzubauen!

Die Bewohner­In­nen

Das Haus der Träume – Der Traum vom Haus

(Blog­beitrag von Math­ias Richel bei Zeit Online) Ich war 19 Jahre alt, als ich meine Heimat­stadt ver­ließ. So wie es schon viele Jugendliche meines Alters vor mir tat­en. Von mein­er Abiturk­lasse wohnen nur noch zwei Mitschüler in der Gren­zs­tadt – meinem Frank­furt (Oder).

Es ist die Mis­chung aus Per­spek­tivlosigkeit, Ent­täuschung und Res­ig­na­tion, die so viele in die Flucht schlägt, denn vor allem drei Schlag­worte verbindet man mit der Stadt: Arbeit­slosigkeit, Chip-Fab­rik und Neon­azis. Nicht ger­ade Attribute, mit denen man sich gern schmückt. Dass Frank­furt mehr zu bieten hat, bemerkt dann der Besuch­er auch recht schnell. Die Innen­stadt hat eine Grund­sanierung erfahren und braucht sich mit diesem neuem Out­fit nun wirk­lich nicht zu ver­steck­en. Ganz zu schweigen von der Europa-Uni­ver­sität, die sich zu Recht einen her­vor­ra­gen­den Ruf erkämpft hat. Ein riesiges Poten­zial, doch der Auf­schwung Ost ist immer noch der meist zitie
rte Traum in der Region.

Lehrstel­len­man­gel und Frus­tra­tion treiben nicht nur viele in die Flucht, son­dern auch unerträgliche Blüten. Der Neo-Nazi-Dress­code gilt immer noch als chic und Über­griffe auf Men­schen ander­er Herkun­ft, mit anderem Ausse­hen oder eben mit ein­er anderen Mei­n­ung, als die der selb­ster­nan­nten Ret­ter ein­er pseu­do­deutschen Leitkul­tur, gehören nach wie vor zum All­t­ag der Stadt. Doch es gibt jene Mäd­chen und Jun­gens, die diese beste­hen­den Zustände nicht akzep­tieren und ver­suchen, diese ganz prak­tisch zu bekämpfen oder zumin­d­est in das Bewusst­sein der Bevölkerung der Stadt zu brin­gen. Das passiert im Kleinen, durch Jugen­dar­beit oder auch im Großen, wenn eben eine Neon­azi-Kundge­bung durch Sitzblock­aden zum Ste­hen gebracht wird, während der so genan­nte Auf­s­tand der Anständi­gen das Aus­sitzen vor dem Fernse­her probt und sich damit selb­st block­iert. Doch es ist schw­er, gegen die örtliche Hege­monie der stillen Akzep­tanz anzuge­hen. Wenn Zuhause die eige­nen Prob­leme das Leben schw­er machen, Arbeit­slosigkeit die Fam­i­lien belastet und die Leute in dem ver­meintlichen Bewusst­sein leben, sowieso nichts an den beste­hen­den Zustän­den ändern zu kön­nen, dann kom­men die adret­ten Kam­er­aden doch ganz recht, wenn sie “Arbeit zuerst für Deutsche” fordern, mit ihrem anständi­gen Haarschnitt und den mit Runen bedruck­ten Marken­pullovern, die schon lange Aus­druck ein­er unerträglichen Jugend­kul­tur gewor­den sind. NPD und Kam­er­ad­schaften akquiri­eren munter drauf los und geben leichte Antworten. Entset­zt reagieren die Ver­ant­wortlichen an höch­ster Stelle und antworten mit Ver­botsver­fahren, um dann zu scheit­ern, anstatt an die Wurzel des Prob­lems zu gehen. Teil der recht­en Kul­tur zu sein, ver­mit­telt für die Mitläufer vor allem ein Gefühl der Stärke. Die Stärke des Wir, die Kraft der Gemein­schaft und es ist ein Fam­i­liener­satz, denn oft genug zer­brechen beste­hende, intak­te Bindun­gen an den Prob­le­men des All­t­ags. Die rechte Jugend­kul­tur hat die Straßen der Stadt längst für sich ein­genom­men. Die meis­ten Jugend­clubs sind fest in den Hän­den dieser Grup­pen. Wo kein Raum für alter­na­tive Ange­bote jen­seits des recht­en Main­streams ist, so dacht­en sich linke Jugendliche am ver­gan­genen Woch­enende, da muss man sich Raum nehmen und so kam es seit vie­len Jahren zur ersten Haus­be­set­zung in der Stadt.

Das “Haus des Lehrers”, eine grau ver­putzte Stadtvil­la im Zen­trum, stand drei Jahre lang leer, wurde aber mit ein paar Hand­grif­f­en wieder an die Infra­struk­tur der Stadt angeschlossen. Strom und Wass­er. Ide­ale Aus­gangslage für das ambi­tion­ierte Pro­jekt eines sozialen Zen­trums: Eine WG sollte geschaf­fen, Sem­i­nar- und Büroräume ein­gerichtet und Par­ty- und Konz­erträume zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Dass es Bedarf an ein­er solchen Ein­rich­tung gibt, haben wohl auch die Stad­to­beren erkan­nt. Schw­er lässt sich die vorüberge­hende Dul­dung durch die amtierende SPD-Bürg­er­meis­terin Kat­ja Wolle anders deuten, mit der sie gegen die von Bran­den­burgs Innen­min­is­ter Schön­bohm aus­gegerufene Null-Tol­er­anz-Strate­gie, die eine Räu­mung von beset­zten Häusern inner­halb von 24 Stun­den vor­sieht, ver­stiess. Am Dien­stag wurde nun doch geräumt, keine vier Tage nach der Beset­zung. Friedlich, aber mit viel Polizei und zahlre­ichen Zaungästen auf der gegenüber­liegen­den Straßen­seite. Volkes Wille wurde endlich ein­mal Genüge getan – die Ord­nung ist wieder hergestellt und alle kön­nen sich wieder beruhigt durch die Fernsehland­schaft zap­pen. Eine Frage müssen sich aber alle Entschei­dungsträger dieser Stadt stellen lassen: Was passiert, wenn solche engagierten Men­schen wie diese Jugendlichen auch die Stadt ver­lassen – ent­mutigt und ohne Per­spek­tiv­en?

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