11. August 2005 · Quelle: LR

Gewalt und Alkohol typische Kennzeichen der rechten Szene

Klaus Farin: Gewalt und Alko­hol typ­is­che Kennze­ichen der recht­en Szene

Fin­ster­walde. “Es liegt mir nichts fern­er, als Neon­azis zu vertei­di­gen, doch
man muss sich authen­tisch informieren”, erk­lärt Klaus Farin vom Archiv der
Jugend­kul­turen e.V. seine Recherchen auf Nazikonz­erten und in Inter­views mit
Recht­sradikalen. In der Jugen­dein­rich­tung “Nordtr­e­ff” in Fin­ster­walde
stellte er die Ergeb­nisse des Archivs vor.

Zwei typ­is­che Kennze­ichen der recht­en Szene kann Klaus Farin sofort nen­nen:
Gewalt und Alko­hol. “Ich habe noch nie ein Nazikonz­ert ohne Prügelei erlebt.
Und wenn keine Geg­n­er ander­er Jugend­kul­turen erscheinen, dann prügeln sie
sich halt untere­inan­der. Dro­gen sind offiziell ver­pönt, doch Bier ist
Grund­nahrungsmit­tel, denn “ein ordentlich­er Deutsch­er muss auch ordentlich
Bier ver­tra­gen kön­nen.”

Hass auf alles Undeutsche

Anhänger der recht­en Szene sind gegen alles Frem­dar­tige, doch sollte man sie
nicht unbe­d­ingt als poli­tis­che Szene betra­cht­en, so Farin. “Es gibt schon
poli­tisch aktive Rechte, aber die meis­ten treten nicht bei, um Poli­tik zu
machen, son­dern es genügt ihnen zu wis­sen, wie sie selb­st denken und damit
irgend­wo rumzuste­hen.”

Rechte hät­ten einen Hass auf alles Undeutsche, so Farin. Sie dür­fen nicht
chi­ne­sisch essen, nicht zu Mc Don­alds gehen, keine HipHop-Musik hören, keine
Hol­ly­wood-Filme schauen, nur bes­timmte Klei­dung tra­gen… und immer
auf­passen, was geht und was nicht. “Der All­t­ag als aufrechter Recke ist ganz
schön schw­er”, stellt Klaus Farin fest. Zum Beispiel inter­viewte er ein­mal
in Berlin bis in die Nacht ein paar Rechte und ging dann noch schnell ein
paar Bier holen. Seine Gäste waren ganz erstaunt: “Wo kriegstn du jet­zt
noch Bier her?” Als Farin erwiderte, dass der Türke die ganze Nacht auf
hätte, ließ ein­er das Bier fall­en und rührte es nicht mehr an, obwohl es
deutsches Schulthe­is war.

Klaus Farin sieht in der recht­en Szene als Kern­prob­lem die eigene
Per­sön­lichkeit. “Obwohl die Welt so kom­pliziert ist, kann man in der recht­en
Szene ein geord­netes Leben führen, denn es gibt klare Regeln, was man darf
und was nicht. Außer­dem ist man nie selb­st schuld und immer andere
ver­ant­wortlich. Aus­län­der sind ganz ein­fach eine Per­son­ifizierung für
Opfer.” Farin arbeit­et manch­mal auch mit inhaftierten Recht­en und muss sich
dort im Knast tat­säch­lich Dinge anhören wie: “Der Aus­län­der hat mich
provoziert, da musste ich halt zustechen.” Oder: “Die Aus­län­der nehmen uns
die Arbeit­splätze weg, also muss ich ja mit Dro­gen dealen, wo soll ich denn
son­st Geld herkriegen?” “Immer han­delt es sich um einen Jus­tizir­rtum und das
Schlimme ist, die glauben das auch noch selb­st.”

Regeln der Szene sind sehr streng

Die stren­gen Regeln und viele Ver­bote sind oft­mals Grund für einen Ausstieg,
da man in anderen Jugend­kul­turen auf ein­mal wieder alles darf und deren
Musik eine große Konkur­renz darstellt. Denn “manche Naz­ibands wis­sen nicht
ein­mal, wie man eine Gitarre stimmt, aber haben schon fünf CDs aufgenom­men”,
so Farin. Die meis­ten Anhänger der recht­en Szene sind Män­ner, sodass auch
die Liebe zu ein­er Frau oder einem Mann Grund für den Ausstieg ist.

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