31. Mai 2012 · Quelle: ARPU

Gewaltromantik trifft auf Neonazidenken

Potsdam: “Crimark” – Neonazi-Hools in Rot-Weiß

Durch den sportlichen Erfolg des Fußball­clubs Union Berlin haben sich auch in Bran­den­burg, speziell im Raum Pots­dam, ver­schiedene Fan­grup­pierun­gen gebildet. Der Fanzusam­men­schluss “Crimark” fällt allerd­ings weniger durch Engage­ment für ihren Fußbal­lvere­in, son­dern vielmehr durch Ein­schüchterungsver­suche geg­ner­isch­er Fußball­fans und durch Nähe zum neon­azis­tis­chen Milieu auf.

Immer wieder wer­den so genan­nte “Matchange­bote” gemacht, um mut­maßliche Gegner_innen so zu einem abge­sproch­enen Hooli­gan-Kampf einzu­laden. Tex­tilien, Aufnäher und But­tons ander­er Vere­ine wer­den den entsprechen­den Anhänger_innen oft sofort an Ort und Stelle, unter Anwen­dung von Gewalt, entwen­det. “Crimark” ist in der Lage in kurz­er Zeit mehrere Mit­glieder, zu denen augen­schein­lich keine Frauen gehören, an zen­tralen Orten in Pots­dam zu ver­sam­meln und so mas­siv­en Druck auf einzelne Per­so­n­en auszuüben, die nicht “in ihre Stadt” und ihr beschränk­tes Welt­bild gehören.

Auf Kuschelkurs mit Neon­azis

Eine Nähe der Gruppe zu neon­azis­tis­chem Gedankengut lässt sich nicht leug­nen. So existiert beispiel­sweise ein YouTube-Kanal unter der Beze­ich­nung “Crimark88? [1 und 2], welch­er augen­schein­lich von Per­so­n­en aus dem Umfeld von “Crimark” genutzt wird. Dort wer­den diverse Videos der Recht­sRock-Bands “Sleip­nir”, “Kat­e­gorie C” und des Neon­azi-Video­pro­jek­ts “Volks­front Medi­en” pos­i­tiv bew­ertet und kom­men­tiert. Das Lied “Wir Rock­en das Sys­tem” der Band “Sleip­nir” wurde beispiel­sweise mit “criMARK Union Berlin! Die Mark bleibt Deutsch!” kom­men­tiert.

Des weit­eren pfle­gen sie enge Kon­tak­te zu “Eis­erne Kam­er­aden” [3], ein­er weit­eren Hooli­gan Grup­pierung des 1. FC Union, die keine Berührungsäng­ste zum neon­azis­tis­chen Mil­lieu hat. Mit diesem Per­so­nen­zusam­men­schluss warteten sie unter anderem vor dem Waschhaus Pots­dam auf Fans des SV Babels­berg 03, um sie einzuschüchtern. Viele Fans um den Fußbal­lvere­in SV Babels­berg 03 zählen sich zur anti­ras­sis­tis­chen und antifaschis­tis­chen Fankul­tur, und sind somit ein klares Feind­bild für “Crimark”.

Was dahin­ter steckt

Der Name “Crimark” set­zt sich laut eigen­er Aus­sage aus “Crime” (engl. Ver­brechen), da die meis­ten Mit­glieder schon polizeilich in Erschei­n­ung getreten sein sollen, und “Mark”, für ihre Herkun­ft aus dem Land Bran­den­burg, zusam­men. Die führen­den und “kreativ­en” Köpfe sind haupt­säch­lich in und um Pots­dam aktiv. Zu diesen gehören Paul Udo Kulze, Paul Elm, Nico H., Max S. auch genan­nt Kalle, Fabi­an K. und Max C.. Wichtiger Dreh- und Angelpunkt ist die Sports­chule Pots­dam, welche Paul Udo Kulze, Paul Elm, Max S. und Max C. besuchen, beziehungsweise besucht­en.

Wer dahin­ter steckt

Paul Udo Kulze wohnte zeitweise in Cot­tbus, wo er möglicher­weise auch Kon­tak­te zum neon­azis­tis­chen Net­zw­erk “Spreelichter” [4] knüpfte. Auf seinem Face­book-Pro­fil “AlterFritz88? [5 und 6] ver­link­te er deren “Kampf­s­port­turnier 2011? und kom­men­tierte es mit den Worten “Wer noch Inter­esse hat, anmelden!!!! 😉 “. Eben­so betont er in dem sozialen Net­zw­erk seine ide­ol­o­gis­che Aus­rich­tung mit Zitat­en aus indizierten Tex­ten der Neon­azi-Band “Has­s­ge­sang” [7] aus Tel­tow.

Früher war Kulze Mit­glied der Jugen­dul­tra­gruppe „Teen Spir­it Köpenick“, welche in einem Inter­view im Fanzine des 1. FC Union anmerk­ten, dass sie „Schwan­zlos­es­gesin­del“ ungern in der Fankurve sehen und als störend empfinden.[8] Diese Ein­stel­lung gegenüber Frauen beim Fußball ist auch bei einem Großteil von “Crimark” vertreten. Eben­so sind homo­phobe Belei­di­gun­gen gegenüber ver­meintlichen SV Babels­berg-Fans wie “Ihr scheiß Schwuchteln” keine sel­te­nen Äußerun­gen der “Crimark”-Mitglieder.

Paul Udo Kulze ist auch seit Jahren für Schmier­ereien und Aufk­le­ber mit Sprüchen wie “Juden SVB” und “NS Jet­zt” ver­ant­wortlich. “FC Union” Tags, gestal­tet er oft mit Kel­tenkreuzen. Diese taucht­en anfänglich haupt­säch­lich in Pots­dam-West, Wohnort Paul Udo Ks., später auch in anderen Stadt­teilen wie Babels­berg auf.[9]

Des öfteren lauert er mit anderen Mit­gliedern von “Crimark” den als links gel­tenden Fans des SV Babels­berg 03 auf, wenn diese von Heim- oder Auswärtsspie­len zurück­kehren. Ziel ist das Ein­schüchtern der meist jun­gen Babels­berg-Fans.

In aus­gewiese­nen Inter­net Hooli­gan Foren macht er sich über Kampf­s­port kundig und prahlt von “Fights” bei Bun­des- oder Län­der­spie­len. So fuhr er beispiel­sweise mit 60 anderen Union-Hooli­gans zu einem “Fre­und­schaftsspiel” nach Wolfs­burg um sich dort mit den Heim­fans zu prügeln. Min­destens ein Union-Fan zeigte dabei den Hit­ler­gruß, weit­ere tru­gen Kennze­ich­nun­gen ver­fas­sungswidriger Gruppierungen.[10] Im let­zten Som­mer besuchte Paul Udo Kulze das EM-Qual­i­fika­tion­sspiel der deutschen Nationalelf der Män­ner gegen Öster­re­ich in Wien. Auch hier beteiligte er sich an Auss­chre­itun­gen zusam­men mit anderen deutschen Hools. Aus dieser Gruppe her­aus wur­den auch recht­sradikale Parolen gebrüllt und der Hit­ler­gruß gezeigt.[11]

Die Polizei erteilt Paul Udo Kulze im Vor­feld von brisan­ten Auswärtsspie­len regelmäßig Stadtver­bote für die jew­eilige Stadt. Im Jahr 2009 stand er vor Gericht, da er einen Hit­ler­gruß zeigte und danach eine Per­son angriff. Auch in der veröf­fentlicht­en Kun­den­daten­bank der bei Neon­azis beliebten Bek­lei­dungs­marke “Thor Steinar” find­et sich Kulze, mit sein­er E-Mailadresse “grizzly1989@web.de”, wieder. [12]

Paul Elm ist Judo­ka beim UJKC Pots­dam und in seinem Sport in let­zter Zeit recht erfol­gre­ich. Erst Ende März 2012 holte er bei einem inter­na­tionalen Judo-Turnier die Silbermedaille.[13] Jedoch ist er auch außer­halb des Rings in kämpferisch­er Stim­mung und set­zt seine Kampfkun­st auch gerne gegen geg­ner­ische Fans und andere unlieb­same Per­so­n­en ein. Er fiel eben­so wie andere Mit­glieder von “Crimark” mit neon­azis­tis­chen Äußerun­gen auf. Einen alter­na­tiv­en Jugendlichen pöbelte er mit “Scheiß Antifas” an.

Ein New­com­er in den Rei­hen von “Crimark” ist Fabi­an K. aus Fahrland. Der 17-jährige beteiligte sich eben­falls an Ein­schüchterungsver­suchen und fiel bere­its durch das Tra­gen von „Nationale Sozialisten“-T-Shirts auf. Er verkehrt regelmäßig im Jugend­club Fahrland und spielt im Vere­in “SG Born­im” Fußball.

Nico H. ste­ht, wie auch Paul Udo Kulze, dem neon­azis­tis­chen Milieu nahe. Er war mit zwei weit­eren Per­so­n­en an einem Über­griff auf ein alter­na­tives Wohn­pro­jekt in der Her­mann-Elflein-Straße beteiligt, bei dem die Bewohner_innen zuerst homo­phob belei­digt wur­den und darauf hin ein Fen­ster eingeschla­gen wurde. Auch auf Face­book wet­tert er gegen die “STUPID ANTIFA BASTARDS !!!” und schickt einen “HaSS gruSS nach Babelsberg”.[14]

Neon­azis als selb­ster­nan­nte Hools

Crimark” ist eine men­schen­ver­ach­t­ende Grup­pierung mit selb­ster­nan­nten Hooli­gansta­tus, die keine Berührungsäng­ste mit neon­azis­tis­chen Gedankengut haben und diese in Form von Pro­pa­gan­da und Ein­schüchterungs­man­övern gegenüber “Ander­s­denk­enden” in der Fußbal­lkul­tur ausleben – vor allem äußern sie sich anti­semi­tisch und sex­is­tisch.

Fußball ist, wie schon bekan­nt, kein unpoli­tis­ches Feld – daher heißt es sich ein­deutig gegen Grup­pen wie “Crimark” auszus­prechen.

[1] http://www.youtube.com/user/Crimark88
[2] http://www.dasversteckspiel.de/index.php?id=28&stufe=28&finder=1&artikel=33
[3] http://aak.antifa.de/WhatsUp2.pdf (Seite 29)
[4] https://inforiot.de/artikel/spreelichter-auf-seziertisch
[5] http://www.facebook.com/AlterFritz88
[6] wie [2]
[7] http://www.netz-gegen-nazis.de/category/lexikon/hassgesang
[8] http://wuhlesyndikat.de/download/waldseiten/10–11/waldseite-aue.pdf (Seite 9)
[9] http://apap.blogsport.eu/2011/07/chronik-neonazistischer-aktivitaten-in-potsdam-und-umgebung-fur-den-zeitraum-januar-bis-juni-2011/ – siehe 7.05.2011
[10] http://www.wolfsburger-nachrichten.de/lokales/berliner-fans-randalieren-in-wolfsburg-id298223.html
[11] http://www.spiegel.de/sport/fussball/ueber-200-festnahmen-hooligan-randale-in-wien-beschaemt-deutschen-fussball-a-766575.html
[12] http://nazileaks.org/files/steinar.rar
[13] http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12301923/60719/Paul-Elm-holt-in-Bremen-Silber-judo.html
[14] http://www.dasversteckspiel.de/index.php?id=28&stufe=28&finder=1&artikel=14

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