30. Mai 2012 · Quelle: Antifa Westhavelland

NPD Propagandashow am Himmelfahrtstag in Rathenow

Wie die neonazistische Partei versucht, sich jenseits von Anspruch und Realität zu profilieren

Wird ein­er Pressemit­teilung des Rathenow­er NPD Stadtver­ban­des vom 26. Mai 2012 glauben geschenkt, in der über die Pro­pa­gan­daak­tiv­itäten am Him­melfahrt­stag berichtet wird, ent­fal­tet sich im Kopf der Leser_innen ein Bild ein­er auf­streben­den Bewe­gung. Eine ver­mut­lich männlich geprägte Bewe­gung, die „auch am Vatertag“, statt sich zu betrinken, ver­sucht Men­schen für ihre ‚Ide­ale’ zu begeis­tern und ‚mutig’ gegen ver­meintliche Missver­hält­nisse in Staat und Ökonomie „zu Felde“ zieht. Klingt mys­tisch und hero­isch, hat aber mit der Real­ität, nichts zu tun.

Wie an jedem Him­melfahrt­stag, seit Jahren, bes­timmte auch in diesem Jahr haupt­säch­lich der Alko­hol die Ereignisse an jen­em Tag in Rathenow. Vor allem Män­ner von jung bis alt hat­ten sich, wie es der regionale Brauch am so genan­nten „Her­rentag“ ver­langt, zusam­menge­tan und waren in kleineren und größeren Grup­pen, zumeist per Fahrrad, in der Region unter­wegs, um sich in diversen Gast­stät­ten und an son­sti­gen Getränkeauss­chänken mit Bier und Schnaps zu berauschen.

Auch die Kampftrinker des regionalen (neo)nazistischen Milieus, Mit­glieder und Sympathisant_innen der NPD sowie Anhänger der ver­bote­nen Kam­er­ad­schaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“, durften zur  Feier des ihrer­seits so beze­ich­neten „Vatertages“ natür­lich nicht fehlen. Unge­fähr 30 Per­so­n­en dieses Klien­tels aus Rathenow und Prem­nitz wur­den so an den neu­ral­gis­chen Punk­ten, am Seeufer in Rathenow OT Sem­lin und vor dem Rathenow­er Kino gezählt. Allerd­ings schienen diese weniger die Mis­sion gehabt zu haben, sich gegen den Euro zu erheben, son­dern vielmehr im Alko­holdun­st Pöbeleien und Rangeleien zu ent­fachen. Mehrere Men­schen wur­den in diesem Zusam­men­hang belästigt und belei­digt. Glück­licher­weise hat ein großer Teil der Rathenow­er inzwis­chen gel­ernt diese Pro­voka­tio­nen sou­verän zu begeg­nen und ste­ht dem lokalen Naz­im­i­lieu ablehnend gegenüber. „Zus­pruch“, den die NPD laut Pressemit­teilung bei „vie­len Gesprächen“ erfahren haben will, kann auch deshalb so nicht bestätigt wer­den.

Gelinde gesagt „über­trieben“ hat der lokale Partei­press­esprech­er auch bei der Schön­malerei der einzi­gen tat­säch­lichen Pro­pa­gan­daak­tion an jen­em Tag. Ange­blich habe „eine kleine Del­e­ga­tion des Stadtver­ban­des Rathenow von 11 Uhr bis 17 Uhr mit­tels Info­mo­bil seine Run­den“ gedreht und „die Bürg­er mit Info­ma­te­ri­alien“ ver­sorgt. Tat­säch­lich fuhr aber einzig allein die Rathenow­er NPD Stadtver­bandsvor­sitzende Sab­ri­na Bur­chardt mit einem Autoan­hänger, an dem zwei NPD Ban­ner ange­bracht waren, die Het­ze gegen die EU bein­hal­teten, herum. Von Möchte­gern-Vätern die sich „auch am Vatertag“ poli­tisch betäti­gen oder Infor­ma­tio­nen verteilen war hinge­gen weit und bre­it nichts zu sehen.

Pein­lich mit anzuse­hen war stattdessen wieder das selb­s­ther­rliche Auftreten des NPD Kreisver­bandsvor­sitzen­den Michel Müller. Dieser sieht sich offen­bar beson­ders gerne in der Rolle des Land­lord, wirkt aber tat­säch­lich, im visuellen Erschei­n­ungs­bild  und in sein­er Artiku­la­tion, wie eine plumpe Kartof­fel.  Selb­st der stets wort­ge­wandte Magde­burg­er NPD Bun­desvor­stand­skad­er Andy Knape, der am Him­melfahrt­stag wieder beim Rathenow­er Stadtver­band zu Gast war, stand angesichts der Eska­paden des lokalen Milieus nur stumm in der Ecke herum. Für seine Partei gab es an diesem Tag nichts zu gewin­nen.

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