10. Januar 2011 · Quelle: Antifa Gruppe Oranienburg

Gewöhnlich – ungewöhnlich ?!

Seit ge­ra­de ein­mal 2004 ist Lore Lier­se in der neo­na­zis­ti­schen NPD Mit­glied, ist aber umso ak­ti­ver und un­ver­zicht­ba­rer als an­de­re Mit­glie­der. Grund hier­für ist, dass sie in vie­len so­zia­len Netz­wer­ken ist und dabei eine Mi­schung von Po­li­tik und „nor­ma­ler“ Welt. Doch be­gin­nen wir die Vor­stel­lung Chro­no­lo­gisch.

Die am 09.?12.?1955 ge­bo­re­ne Müh­len­be­cke­rin (wohnt in der Berg­stra­ße 2) ist drei­fa­che Mut­ter und en­ga­gier­te sich auch vor ihrem NPD-?Ein­tritt po­li­tisch in der Re­gi­on. In der DDR en­ga­gier­te sie sich in di­ver­sen Ge­werk­schaf­ten und bekam so ein Ar­beits­ver­bot. Sie ar­bei­te­te als Zahn­tech­ni­ke­rin in Ber­lin-?Wei­ßen­see. Spä­ter ließ sie sich von der „AG Müh­len­beck“ in den Ge­mein­de­rat von Müh­len­beck wäh­len, in wel­chem sie seit 2003 sitzt. Pri­vat muss­te sie ihren Beruf auf­ge­ben und er­öff­ne­te mit ihrer Toch­ter Me­la­nie eine Zoo­hand­lung in Müh­len­beck (Haupt­stra­ße 6, „Tier­stüb­chen Müh­len­beck), und er­wei­te­re ihr Ge­schäft um einen Hun­de­fri­sör­la­den in Ber­nau (Frie­denstha­ler Platz 36, „Tier­stüb­chen und Hun­de­freund“). Mit ihrer Toch­ter Me­la­nie fing sie nun an Hunde zu züch­ten (Schnaut­zer). Dies ist die Ak­ti­vi­tät die ihr Pri­vat­le­ben be­stimmt. So ist sie Orts-?Vor­sit­zen­de des „Pin­scher-?Schnau­zer-?Klub 1985 e.V.“ und hat damit einen fes­ten Stand in der Hun­de­züch­ter­sze­ne. Auf eine An­fra­ge be­züg­lich des Vor­sit­zes durch ein NPD-?Vor­stands­mit­glied re­agier­te der Ver­ein nicht. Sie be­treut bis zu drei Beep­world­sei­ten und nimmt an meh­re­ren Mes­sen im Jahr teil (zu­letzt am 8.?12. bei der Hip­po­lo­gi­ca in Ber­lin). Auch re­gio­nal ist sie auf die­sem Ge­biet be­son­ders aktiv. In meh­re­ren Foren be­schreibt sie, wann sie wo mit Freun­den Hunde aus­führt. Dabei be­wirbt sie auch den „Tier- und Frei­zeit­park Ger­men­dorf“. In einem Forum schreibt hier­zu ein User: „an sich ein schö­ner Park, aber die vie­len an Thor Stei­nar Kla­mot­ten er­kenn­ba­ren Nazis im Diens­te der Fress­bu­den lässt mich nur kot­zen.“(QYPE.?de)

In vie­len so­zia­len Netz­wer­ken agiert sie unter dem Namen „Zoo­frau“ wel­cher auch auf eine Web­sei­te ver­weist. 2003/2004 kam sie in fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten durch fal­sche Steu­er­be­ra­tung. Mit 60000 Euro Schul­den ver­lor sei Haus, Ge­schäft und bekam Ge­wer­be­ver­bot. Sie woll­te durch Brie­fe an Kom­mu­ne und Par­tei­en Hil­fe er­hal­ten – die ein­zi­gen (laut ihrer Aus­sa­ge) war die NPD, die re­agier­te. Aus die­sem Grund trat sie 2004 in die NPD ein und er­klär­te ihr neues Ziel „Egal, wo – erst­mal die Deut­schen“.

Sie ist eine Per­son, wel­che ver­sucht der NPD ein bür­ger­li­ches Ant­litz zu geben, wes­halb sie sich über Det­lef Appel echauf­fier­te, nach­dem er eine Hetz­re­de gegen Aus­län­der in Ora­ni­en­burg hielt (Fe­bru­ar 2010). In den sechs Jah­ren hat sich Lore Lier­se in den Vor­stand der NPD Ober­ha­vel rein­ge­ar­bei­tet und ist die Lei­te­rin des kom­mu­nal­po­li­ti­schen Ar­beits­krei­ses in­ner­halb des Lan­des­vor­stan­des der NPD.

Nach außen ist sie nicht die ak­tivs­te, so nahm sie in den letz­ten Jah­ren nur an zwei Kund­ge­bun­gen teil und be­ob­ach­tet de­mons­tra­tiv die tra­di­tio­nel­le An­ti­ra­de­mo in Ora­ni­en­burg (2007). Die eine Kund­ge­bung fand in Müh­len­beck statt und wurde von ihr an­ge­mel­det (27.?01.?2009), die an­de­re fand im ha­vel­län­di­schen Nauen statt (20.?04.?2010). Auch einen Info­stand in den Ora­ni­en­bur­ger Ha­vel­pas­sa­gen führ­te sie durch (30.?07.?2009). An der in­ter­nen Ar­beit nimmt sie eben­falls sehr en­ga­giert teil. Sie nahm an der Grün­dungs­ver­an­stal­tung des KV Bar­nim-?Ucker­mark teil und hielt eine Rede (28.?12.?2006), sie mie­te­te ein Lokal in Krem­men für eine par­tei­in­ter­ne Ver­an­stal­tung an(05.?10.?2007), des wei­te­re nahm sie an ein­er Schu­lungs­ver­an­stal­tung in Bir­ken­wer­der teil (25.?07.?2008).

Durch ihre Ak­ti­vi­tä­ten, ihrem all­ge­mei­nen Stan­ding und ihrer Bür­ger­lich­keit war auch klar, dass die NPD sie bei der Kom­mu­nal­wahl im Sep­tem­ber 2008 auf ihre Liste schrei­ben wird. Dabei wurde sie nicht in den Kreis­tag, aber in die Ge­mein­de­ver­tre­tung von Müh­len­beck ge­wählt (347 Stim­men). Bei der Land­­tags-? und Bun­des­tags­wahl 2009 stand sie eben­falls auf der Liste und war sog­ar die Di­rekt­kan­di­da­tin für Ober­ha­vel für den Bun­des­tag.

Po­li­tisch wich­tig ist Lore Lier­se neben der na­tio­na­len „Auf­ga­be“ auch die Auf­ga­be, die NPD ge­ra­de für Frau­en at­trak­tiv zu ma­chen. Als Stel­la Häh­nel (Pres­se­spre­che­rin LV Ber­lin, Ring Na­tio­na­ler Frau­en, Mit­glied im BV) ein Haus­ver­bot im Fa­mi­li­en­zen­trum Hohen Neu­en­dorf er­hielt(vor­her ar­bei­te­te sie dort eh­ren­amt­lich), ver­teil­te Lore Lier­se Fly­er und ver­öf­fent­lich­te Le­ser­brie­fe in den lo­ka­len Zei­tun­gen um ihrer Ka­me­ra­din den Rü­cken zu stär­ken. Sie ver­band schon früh eine Freund­schaft zu Häh­nel, sowie zur Lich­ten­ber­ger NPD-?Ab­ge­ord­ne­ten Ma­nue­la Tön­hardt. Dies war dann der Grund im Früh­jahr 2008 den Ring na­tio­na­ler Frau­en zu grün­den. An­we­send waren, laut Selbst­aus­kunft, bis zu 30 Frau­en und als Lan­des­vor­sit­zen­de wurde die Hen­nigs­dor­fe­rin Chris­tel Laske ge­wählt.

Auch in Zu­kunft ver­sucht Lore Lier­se mit ihrer Hun­de­zucht „nor­mal“ zu ar­bei­ten. Dass ein Vor­stands­mit­glied der NPD dabei ein Hob­by hat, wo es um „reine Ras­sen“ geht ist dabei nur die Spit­ze des Eis­ber­ges. In­zwi­schen kün­digt sie an, einen Stand für ihren Laden auf der Bran­den­bur­ger Land­wirt­schafts­mes­se 2011 auf­zu­stel­len. Eine sol­che Ak­zep­tanz von Neo­na­zis in der Ge­sell­schaft darf nicht ein­fach so hin­ge­nom­men wer­den.

An­ti­fa Grup­pe Ora­ni­en­burg – Ja­nu­ar – 2011

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Bernau – Das Net­zw­erk für Weltof­fen­heit lädt zum Erzählcafé am 01.11.2019 um 19.00 Uhr in der Galerie Bernau. Der Abend dient zum Aus­tausch von erlebten Geschichte(n) zu 1989 aus unter­schiedlichen per­sön­lichen Per­spek­tiv­en.
Biesen­thal – Am 20.10.2019 find­et um 16:00 Uhr im Kul­tur­bahn­hof Biesen­thal eine Lesung von Man­ja Präkels Debütro­man “Als ich mit Hitler Schnap­skirschen aß” mit anschließen­der Diskus­sion statt.
Der Flüchtlingsrat Bran­den­burg, Jugendliche ohne Gren­zen und die Flüchtlings­ber­atung des Ev. Kirchenkreis­es Oberes Havel­land kri­tisieren die Unter­bringungspoli­tik im Land­kreis Ober­hav­el.

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot