25. September 2012 · Quelle: Antifa United Potsdam

Grauer Star vernebelt Lindenpark die Sicht

Potsdam - Am 30. Oktober spielt die Grauzonen-Combo "Krawallbrüder" im Lindenpark

Nach­dem im April 2012 bere­its ein zuvor kri­tisiertes Konz­ert mit “Kärb­holz” und “9mm” im Waschhaus stat­tfand, bewirbt sich nun offen­bar der Lin­den­park um recht­sof­fene Besucher_innen und ein neg­a­tives Image.

Im Vor­feld des Konz­erts vor 5 Monat­en macht­en Antifaschist_innen auf die Sit­u­a­tion rund um die Bands aufmerk­sam und warn­ten vor recht­slastigem Pub­likum. Die bei­den Bands wiesen alle Vor­würfe vehe­ment zurück und auch das Waschhaus ließ jegliche Kri­tik an sich abprallen. Alle Ver­anstal­tun­gen fän­den unter dem Mot­to “kein Bass für Nazis” statt, ließ das Waschhaus ver­laut­en. Nazis ließen sich jedoch vom “fehlen­den Bass” nicht davon abhal­ten, das Konz­ert zu besuchen. So wurde schon während den Vor­bands der Hit­ler­gruß gezeigt, wieder­holt “Scheiß Antifa” skandiert und auch ein­schlägige Nazi-Codes ließen sich an der Klei­dung und den Fahrzeu­gen der Besucher_innen erken­nen.

Im Lin­den­park treten nun drei Bands der sel­ben Liga auf. “Krawall­brüder” haben sog­ar noch eine größere Fange­meinde als die dama­li­gen Bands im Waschhaus und ver­suchen, das Erbe der “Böh­sen Onkelz” anzutreten. In diesem Kampf mit diversen anderen unsym­pa­this­chen Grau­zo­nen­bands ist es sehr wichtig sich als “harte Ker­le” zu pro­fil­ieren, die vor nichts zurückschreck­en und wed­er Emo­tio­nen noch Ein­sicht zeigen. Poli­tis­ches Engage­ment ist eben­falls ver­pönt, da es der Kom­merzial­isierung hin­der­lich ist. So wird ver­sucht aus allem Prof­it zu schla­gen und im eige­nen Online-Shop von “Con­demned 84” über “Frei­wild” bis zu “Martens Army” alles verkauft was Patri­ot_in­nen-Herzen höher schla­gen und die Kasse der “Krawall­brüdern” klin­geln lässt.

Auch an den zurück­liegen­den Auftrit­ten lässt sich leicht erken­nen, dass es “Krawall­brüder” mit der “unpoli­tis­chen Hal­tung” nicht ganz so eng sehen. So spiel­ten sie in der Ver­gan­gen­heit schon mit der RAC-Band “Glo­ry Boys” aus Valen­cia, den recht­slasti­gen “Ger­benok”, den recht­sof­fe­nen “Supery­ob” aus Lon­don und der Recht­srock­band “Bak­ers Dozen” zusam­men. Das let­zt­ge­nan­nte Konz­ert im Feb­ru­ar 2010 ver­sucht­en engagierte Antifaschist_innen zu ver­hin­dern und ern­teten danach ein wutent­bran­ntes State­ment. Der “Krawall­brüder” Sänger behauptet, dass “Bak­ers Dozen” keine Nazi-Band sei, weil deren Sänger Sozialpäd­a­goge sei, deren Drum­mer vorher in zwei ange­blich linken Bands und deren Gitar­rist in Punkbands spiel­ten. Berichte wonach “Bak­ers Dozen” in den Neon­azi-Kneipen “De Kastelein” in Brügge und im thüringis­chen “Skin­house Men­fis” auf­trat­en, auf einem Fest des “Adler-Ver­sandes” spie­len woll­ten und in Neon­az­i­heften Inter­views geben, kann er nicht entkräften (PDF-Link).

Die Koop­er­a­tion und das Vertei­di­gen der Band “Bak­ers Dozen” durch “Krawall­brüder” ist beispiel­haft für Bands der soge­nan­nten Grau­zone. Sie ver­mei­den eine ein­deutige poli­tis­che Posi­tion­ierung um ihr Pub­likum, welch­es wild aus Punks, Skin­heads, Hooli­gans und auch Nazis zusam­mengewür­felt ist, nicht zu ver­lieren. So fan­den sich auch am 31. März 2012 in Leipzig beim Konz­ert der “Krawall­brüder” Neon­azis aus Nord­sach­sen ein, um in der Pause laut­stark vor dem Ver­anstal­tung­sort Lieder der Naz­ibands “End­stufe” und “Sleip­nir” zu grölen.

Musik sagt bekan­ntlich mehr als 1000 Worte, deswe­gen wollen wir an dieser Stelle ein­mal ein paar Song­texte der “Krawall­brüder” auseinan­der nehmen. Im Lied “Gott mit uns” heißt es unter anderem “Ihr habt den Brun­nen längst vergiftet / aus dem ihr das Wass­er schöpft” wom­it Bezug genom­men wird auf die anti­semi­tisch geprägte Wah­n­vorstel­lung der jüdis­chen Brunnenvergifter_innen während des Mit­te­lal­ters. Auch der Titel kann als Anspielung auf sol­datis­che Werte ver­standen wer­den. Die Parole “Gott mit uns” prangte zum Beispiel während des zweit­en Weltkriegs auf den Kop­pelschlössern der Wehrma­cht. In ihrem Lied “Saar­land” geben sie ihren Reimeskün­sten keine Blöße und dicht­en patri­o­tisch “zu unser‘m Saar­land stehn / Saar­land — Oi! Oi! Oi! / Wir saufen uns die Hucke voll”.

Was sagt die Band selb­st zu den Vor­wür­fen? “Krawall­brüder” beze­ich­net sich als “unpoli­tisch” und find­et “eine 
Äußerung gegen Link­sex­trem­is­mus […] genau­so OK wie eine Äußerung gegen Rechts”. Das sich bei­de Aus­sagen miteinan­der vere­in­baren lassen beweist “Krawall­brüder” par ex­cel­lence seit Jahren immer wieder auf ein Neues. Offene Vor­würfe bezüglich der Auftritte mit frag­würdi­gen Bands wer­den klein­gere­det und stattdessen lieber der Feind “links” gesucht. So sind es die “Wichtigtuer und Selb­st­darsteller unter dem Deck­man­tel der Antifa”, welche “Bands und Per­so­n­en [denun­zieren]” und laut der Band “ein­fach an die Wand [stellen]”. Die Aus­sage “der poli­tis­che Fak­tor ist bei uns Neben­sache, solange er nicht in das Extrem geht” bet­telt förm­lich danach auch Ras­sis­ten und Anti­semiten bespie­len zu dür­fen, solange diese eben nicht zu “extrem” sind, was immer da auch die Gren­ze ist. Dazu kommt, dass ein Teil ihrer Ein­nah­men an “Laut gegen Nazis e.V.” fließt und sich so ein poli­tisch kor­rek­tes Image ver­schafft wird um jegliche Kri­tik abprallen zu lassen. Dabei soll keineswegs in Frage gestellt wer­den, dass Krawall­brüder Nazis “wirk­lich doof find­en”, jedoch geschieht hier eine Gle­ich­set­zung von “rechts” und “links” in Form der Extrem­is­mus-The­o­rie, welche förm­lich neon­azis­tis­chen Kräfte ein­lädt in der Oi!-Skinhead Szene Fuß zu fassen und dabei gle­ichzeit­ig antifaschis­tis­che Inter­ven­tio­nen mas­siv erschw­ert. Umso trau­riger ist es, dass sich die Plat­tform “Laut gegen Nazis e.V.” für solch ein “Poli­tik ist scheiße”-Statement hergibt und damit den Kampf gegen Ras­sis­mus ad absur­dum führt.

Zusam­men mit den Krawall­brüdern treten auch keine unbekan­nten Bands auf. “Die Bonkers” veröf­fentlichen ihre Plat­ten auf dem Label der “Krawall­brüder”, treten immer wieder mit anderen Bands aus der Grau­zone auf und spie­len mit dem Klis­chee der Grau­zone in dem sie sich selb­st als “Blau­zone” betiteln.

Die dritte Band “Saints & Sin­ners” aus Prag gab erst im Jan­u­ar ein Konz­ert zusam­men mit der britisch/polnischen RAC-Band “Booze & Glo­ry”, welche selb­st Konz­erte mit weit­eren RAC Bands in dubiosen Läden gibt. So wur­den Konz­erte in Lokalitäten gespielt, in denen auch Nazi- und “Blood&Honour”-Bands auftreten.

Das Prob­lem um die Grau­zone müsste den Pots­damer Ver­anstal­tung­sorten spätestens seit dem Auftritt von “Kärb­holz” und “9mm” im April bekan­nt sein. So wird auch am 30. Okto­ber 2012 mit Sicher­heit wieder zwiespältiges Pub­likum vor Ort sein, welch­es ihrem vorau­seilen­den Ruf gerecht wird. Oft­mals kön­nen sich Bands nach außen noch so sehr von Neon­azis abgren­zen und auf “unpoli­tisch” tun, Nazis wer­den fast magisch von dieser Szene ange­zo­gen, weil sich ein­er ein­deuti­gen Tren­nung zwis­chen Recht­srock­bands und Grau­zo­nen­com­bos enthal­ten wird.
Erst durch Konz­erte mit Bands wie “Bak­ers Dozen” oder “Booze & Glo­ry” und der zeit­gle­ichen Abgren­zung nach “links” machen sich Bands der Grau­zone beson­ders inter­es­sant für Neon­azis, welche sie ange­blich nicht auf ihren Konz­erten sehen wollen.

Unpoli­tisch macht hirn­tot! Keine Bühne für die Grau­zone — “Krawall­brüder” Konz­ert absagen!

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