30. März 2008 · Quelle: Antifaschistische Gruppen im Westhavelland

Grün oder doch nur gefährlich braun?

Heimatschutz ist Umweltschutz“ stand auf A4 – großen Zetteln geschrieben, die Mit­glieder des „Märkischen Heimat­bun­des“ (MHB) vornehm­lich an Müll­ton­nen und Abfall­be­häl­tern in Prem­nitz ange­bracht hat­ten. „Wer seine Heimat liebt, der schützt sie auch. Laßt eure Heimat nicht im Müll unterge­hen (…)“, so kon­nte der poten­tielle Abfal­l­entsorg­er dort weit­er lesen. Der „Märkische Heimat­bund“ eine regionale Umwel­tini­tia­tive?

Ein erster Blick in das Selb­stver­ständ­nis der Vere­ini­gung auf deren Inter­net­do­main lässt jedoch erste Bedenken aufkom­men. „Wir sind heimatliebende und volk­streue Märk­er die sich gegen den heuti­gen Zeit­geist stellen“ heißt es schon im ersten Satz und gibt einen kleinen Wink, wo die Reise tat­säch­lich hinge­hen soll. Auch die fol­gende eher kon­ser­v­a­tiv aus­gerichtete Pro­gram­matik kann dies nicht gän­zlich überdeck­en. Der „Aufk­lärung des Volkes“ haben sich die Mit­glieder des MHB ver­schrieben, um zu zeigen das „Heimat mehr als (…) nur ein Wort (ist)“. „Natur, Kul­tur, Geschichte, Sprache, Tra­di­tio­nen und Brauch­tum“ will man sich so vornehm­lich wid­men.

Ein­er dieser „Bräuche“ ist offen­bar die Wahrung des Andenkens an den SA Führer Horst Wes­sel, dem der Märkische Heimat­bund mit einem selb­stange­fer­tigten Ban­ner in ein­er Pro­pa­gan­daak­tion auf dem Milow­er Berg in ein­er Nach­barge­meinde von Prem­nitz ehrte, andere die Teil­nahme an den (Neo)naziaufmärschen in Magde­burg und Dres­den.

Auf der Inter­net­seite wird über all dies berichtet und die Tat­en mit Bildern, auf denen vor­sicht­shal­ber die Gesichter wegre­tuschiert wur­den, belegt. Nur dumm das der Domainad­min­is­tra­tor des „Märkischen Heimat­bun­des“, der sich stolz „Brave­heart“ nen­nt, diesel­ben Bilder auf seinem inzwis­chen ges­per­rten Pro­fil beim Flirt­fo­rum „jappy.de“ eben­falls zeigte, und zwar unre­tuschiert.

Jet­zt war es offen­sichtlich das sich hin­ter dem „Märkischen Heimat­bund“ u.a. die Prem­nitzer (Neo)nazis Andreas Dem­b­s­ki (Domainad­min­is­tra­tor) und Franz Pop­pen­dieck ver­ber­gen. Bei­de sind in in ihrer Heimat­stadt keine Unbekan­nten. Dem­b­s­ki war u.a. im Jahr 2005 an einem ver­sucht­en Bran­dan­schlag auf einen von alter­na­tiv­en Gästen besucht­en Jugend­club in Prem­nitz beteiligt, Pop­pen­dieck im Jahr 2006 an mehreren Über­grif­f­en auf eine von alter­na­tiv­en Jugendlichen besuchte Diskothek in Rathenow. Bei­de gehören zum Umfeld der so genan­nten „Nationalen Sozial­is­ten Prem­nitz“, die in der regionalen (Neo)nazivernetzung „Freie Kräfte West­havel­land“ inte­gri­ert sind.

Insofern erfährt das ein­gangs erwäh­nte Flug­blatt mit dem Titel „Heimatschutz ist Umweltschutz“ eine ganz neue Bedeu­tung, näm­lich eine weltan­schauliche. Der gesamte Text, der nahezu voll­ständig dem zwölften Punkt des NPD — Parteipro­gramms („Die Natur ist die all­ge­meine Lebens­grund­lage“) ent­nom­men wurde, ist hier also auch als sym­bol­haftes Beispiel gedacht, “da Umweltschutz”, laut Flug­blatt, “grund­sät­zlich nicht getren­nt von der kul­turellen Entwick­lung betra­chtet” wer­den kann und so auch als Recht­fer­ti­gung für auf Ethno­plu­ral­is­mus beruhen­den Ras­sis­mus dient. Zitat: „Die ein­seit­ige Aus­rich­tung an materiellen Werten und ökonomis­chen Zwän­gen“, gemeint sind die auf den Lib­er­al­is­mus gegrün­de­ten Wirtschafts – und Gesellschaftssys­teme, in der “der Men­sch von sein­er Umwelt ent­fremdet und entwurzelt” wird, also beispiel­sweise als Aus­län­der in die Bun­desre­pub­lik immi­gri­ert, „führt zwangsläu­fig“, in Anspielung auf den dafür ver­ant­wortlich gemacht­en Prozess der Glob­al­isierung, „zur Ver­nich­tung der tra­di­tionellen Bindung und Kul­tur“, und damit in den Augen der (Neo)nazis, zur Zer­störung der auss­chließlich auf Abstam­mung basieren­den “völkischen Schick­sals­ge­mein­schaft”.

Insofern dürfte recht klar sein, welchen „Müll“ der „Märkische Heimat­bund“ tat­säch­lich aus einem „sauberen“ und „sicheren“ Bran­den­burg „und natür­lich auch Deutsch­land“ entsor­gen will.

Bild 1: Flug­blatt des MHB an ein­er Müll­tonne in der Straße der Fre­und­schaft (Prem­nitz)

Bild 2: Pro­pa­gan­daak­tion des MHB auf dem Milow­er Berg zum Andenken an Horst Wes­sel (Foto­quelle: MHB)

Bild 3: Der Märkische Heimat­bund: Andreas Dem­b­s­ki (1.v.l.) und Franz Pop­pen­dieck (1.v.r.) (Foto­quelle: jappy.de/user/braveheart1488)

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