10. Juli 2005 · Quelle: BM

Handel mit Kampfhunden aus Polen

(Berlin­er Mor­gen­post) Bod­din — Im Dorf ist man auf die Polizei nicht gut zu sprechen. Die
Leute in Bod­din (Prig­nitz) kön­nen nicht ver­ste­hen, daß die Beamten nicht
viel früher das Grund­stück im Sarnow­er Weg 1 durch­sucht haben. “Jed­er
Polizist in Pritzwalk wußte, wom­it dort oben auf dem Berg gehandelt
wurde”, meint Dorf­be­wohn­er Andreas R. Jede Woche sei ein Streifenwagen
zu den “Recht­sradikalen” hoch gefahren. 

“Da oben” wohnen in einem Ein­fam­i­lien­haus mit großem Garten Kai P. (21),
Ute M. (30) und ihr Sohn Paul (7). Ver­gan­genen Mon­tag durch­sucht­en elf
Polizis­ten, fünf Krim­i­nal­is­ten sowie drei Frauen vom Ord­nungs- und
Vet­er­inäramt das Grund­stück. Laut Durch­suchungs­be­fehl vom Amtsgericht
Per­leberg soll es auf dem Hof gefährliche Hunde geben, die von den
bei­den Bod­din­ern ille­gal einge­führt, gehal­ten und verkauft wur­den. Die
Beamten fan­den zehn Hunde, fünf nah­men die Tier­fänger mit — einen weißen
Bull­ter­ri­er, zwei Stafford­shire-Ter­ri­er und deren Welpen. Fünf Boxer
durften bleiben. Die Beamten fan­den auch noch ein paar Gramm
Cannabis­blüten und den Jugendlichen Peter St., nach dem sie wegen eines
ver­sucht­en Tötungs­de­lik­tes fahndeten. 

Den Anstoß zu der Razz­ia lieferte ein Fernse­hteam. Über Inser­ate im
“Prig­nitzer Express” waren die Reporter auf die Hob­byzüchter gestoßen,
weil sie ihre in Bran­den­burg ver­bote­nen Hun­derassen dort anboten. “Der
Jour­nal­ist wollte einen Staff und bot uns bis zu 500 Euro. Aber ich
hat­te damals gar keinen, nur meine Box­er”, sagt Ute M. Ein Bekannter
ihres Lebens­ge­fährten, dem Sol­dat­en Kai P., besorgte ihnen schließlich
den gewün­scht­en Hund. Ein befre­un­de­ter Tier­arzt trug “Mis­chling” in den
Imp­fausweis ein. Auch gegen den Dok­tor wird jet­zt ermit­telt. Der Arzt
weiß noch nicht was ihn in der Heimat erwartet — er ist bis 17. Juli im
Urlaub. 

“Die anderen drei Staffs, die wir mal verkauft haben, kamen aus Polen”,
gibt Ute M. zu. Ein Tax­i­fahrer brachte sie über die Gren­ze. Die Welpen
wur­den ange­blich nach Meck­len­burg-Vor­pom­mern verkauft. Dort sei der
Besitz solch­er Hunde ges­tat­tet, so M. Über den Gewinn bei solchen
Geschäften redet man nicht. Unter der Hand heißt es dann, daß man einen
Welpen aus Polen für 80 Euro bekomme. Der Verkauf­spreis liegt bei 250
bis 550 Euro. Ein geschädigtes Immun­sys­tem, Aggres­siv­ität und abnormes
Ver­hal­ten oft inklu­sive. Bei anerkan­nten Züchtern zahlt man bis zu 2000
Euro für einen Pitbull. 

Kai P. und Ute M. haben jet­zt einen Monat Zeit, die in Gewahrsam
genomme­nen Hunde selb­st zu verkaufen. Aber nur in Bun­deslän­der, in denen
die Hal­tung der Rasse erlaubt ist. Der Vor­wurf der Polizei an die
Hob­byzüchter lautet “Umgang mit gefährlichen Hun­derassen, die verboten
und nicht erlaub­n­is­fähig sind.” Dafür sind bis zu zwei Jahre Gefängnis
oder eine Geld­strafe möglich. “Bei uns ist das Hun­dege­setz doch
absoluter Schwachsinn. Das fördert nur den ille­galen Han­del”, ärgert
sich Ute M. Und ver­weist auf den “Express” von dieser Woche:
“Miniatur­bull­ter­ri­er” zum Verkauf annonciert.

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