3. Februar 2004 · Quelle: LR

Hass auf Ausländer — Dönerbude abgefackelt

Ein Bild des Jam­mers in der Kreuzs­traße in Hör­litz: Wo am Fre­itag noch leckere Frit­ten und Kebab über die Theke gin­gen, ist nur ein Haufen Asche übrig. In der Nacht zu Sam­stag war die Döner­bude von Mehmet A. lichter­loh in
Flam­men aufge­gan­gen. Zwei Jugendliche aus Schip­kau hat­ten Molo­tow-Cock­tails gegen das Holzhäuschen gewor­fen. Nach ihrer Fes­t­nahme gaben sie zu Pro­tokoll: «Wir kön­nen Aus­län­der nicht lei­den.»

Leicht­es Spiel für die Polizis­ten: Die Übeltäter, 18 und 20 Jahre alt, hat­ten ganz in der Nähe des Tatorts Posi­tion bezo­gen, um sich an den Flam­men zu ergötzen. Kurz nach­dem das Feuer gelöscht war, klick­ten die Hand­schellen.
Die Vernehmung­spro­tokolle lagen der Staat­san­waltschaft in Cot­tbus schon gestern vor: Nach ein­er Fete bei einem Fre­und in Schip­kau sei ihnen die Idee gekom­men, die Döner­bude anzuzün­den. Die bei­den Azu­bis waren hier
Stammkun­den. «In der Garage des 20-Jähri­gen haben sie Ben­zin vom Moped in zwei Bier­flaschen gezapft» , so Staat­san­walt Hans-Josef Pfin­g­sten. Mit den brennbaren Geschossen im Gepäck marschierten sie Rich­tung Hör­litz.

Um 2.59 Uhr, als die Flam­men schon hoch schlu­gen, alarmierte ein Zeuge Polizei und Feuer­wehr. «Son­st wäre das noch viel schlim­mer aus­ge­gan­gen» , glaubt Albert Liesk — der Holzhändler hat die Imbiss­bude vor drei Jahren an
den Türken Mehmet A. ver­pachtet. Seine Werk­statt ste­ht nur wenige Meter daneben.

Der Hör­l­itzer ist mit einem blauen Auge davon gekom­men, Mehmet A. ver­lor alles. Sein ganzes Erspartes, 9 000 Euro, hat­te der 49-Jährige Vater zweier Kinder damals in die Ausstat­tung des Imbiss gesteckt — und nicht ver­sichert.
Eine neue Exis­tenz: uner­schwinglich. «Aber wir helfen, das ste­ht fest» , so Liesk. Spätestens Ende März soll eine neue Bude ste­hen, und Bürg­er­meis­ter Sig­urd Heinze will so schnell wie möglich finanzielle Lin­derung für die
Fam­i­lie besor­gen.

Die Brand­s­tifter haben in den näch­sten Wochen reich­lich Muße, mit ihrem schlecht­en Gewis­sen zu kämpfen: «Bis zur Ver­hand­lung sitzen sie in U‑Haft» , so Staat­san­walt Pfin­g­sten. Wegen Brand­s­tiftung und Ver­stoß gegen das
Waf­fenge­setz dro­hen bis zu zehn Jahren Gefäng­nis.

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