24. April 2005 · Quelle: Inforiot

Haus in Frankfurt/Oder besetzt

INFORIOT In der Wieckestraße in Frankfurt/Oder (Bran­den­burg) — keine 500 Meter von der deutsch-pol­nis­chen Gren­ze ent­fer­nt — gibt es seit Sonnabend ein beset­ztes Haus. Eine rund 40 Per­so­n­en starke Gruppe von linken Jugendlichen beset­zte am Nach­mit­tag eine Vil­la an der Ecke zur Rosa-Lux­em­burg-Straße, um ihrer Forderung nach der Schaf­fung eines sozialen Zen­trums in der Stadt Nach­druck zu ver­lei­hen. Zeit­gle­ich mit der Polizei traf auch die Frank­furter SPD-Bürg­er­meis­terin vor Ort ein. Sie ließ sich von den Beset­zerIn­nen durch das Haus führen und bekam ein fer­tig aus­gear­beit­etes Nutzungskonzept für das Haus über­re­icht. Sie sicherte zu, dass das Haus über das Woch­enende nicht geräumt wer­den würde. Dementsprechend hielt sich die Polizei auch zurück.

Das soziale Zen­trum soll ein Wohn­pro­jekt, Par­ty- und Konz­erträume, Büros, Sem­i­nar- und Kul­tur­räume bieten und auf nichtkom­merzieller Basis betrieben wer­den — “für eine Gesellschaft, in der Frei­heit, Gerechtigkeit und Sol­i­dar­ität das Zusam­men­leben prä­gen. Poli­tisch und kul­turell gegen jede Form von Diskri­m­inierung”. Eine solche Ein­rich­tung existiert nicht in der Stadt, argu­men­tierten die Beset­zerIn­nen, doch der Bedarf sei enorm. Die alter­na­tive Jugend­szene sei groß und habe keine Räume, wo sie sich tre­f­fen und ver­wirk­lichen könne. Das Haus, das sich im Besitz des Lan­des befind­et, wollen die Beset­zerIn­nen miet­frei über­lassen bekom­men und dann selb­st ver­wal­ten. Die anfal­l­en­den Kosten sollen selb­st gedeckt wer­den.

Am Abend wurde im Haus ein Konz­ert mit der Punkband “Joeys Ami­gos” ver­anstal­tet, dass von etwa 100 Men­schen besucht wurde. Dazu gab es Essen und wer wollte, bekam eine Führung durch das Haus. Das große Gebäude hat drei Eta­gen, ist unterkell­tert und in recht gutem Zus­tand — dreiein­halb Jahren lang stand es leer. Für Mon­tag sind Gespräche zwis­chen den Beset­zerIn­nen, der Stadt und dem Land ange­set­zt, in denen über die Zukun­ft des Haus­es ver­han­delt wer­den soll. Eine Ein­schätzung, wie gut die Chan­cen ste­hen, das Haus tatschlich über­lassen zu bekom­men, wollte am Sonnabend kein­er der Beset­zerIn­nen abgeben. “Wir hof­fen, uns durch­set­zen zu kön­nen”, meinte ein Aktivist, “man merkt jet­zt schon, wie enthu­si­astisch alle sind, das hier viel Poten­tial drin steckt. Hof­fen wir das Beste.”

Am Mit­tag vor der Beset­zung hat­te eine kleine Antifa-Demo stattge­fun­den. Am Rande eines Autoren­nens in der Innen­stadt erin­nerten die Antifas an die Befreiung Frankfurt/Oders durch die Rote Armee, die sich an diesem Tag zum 60. Mal jährte. Auch die Beset­zerIn­nen haben einen antifaschis­tis­chen Anspruch: Auch ein Sig­nal gegen die rechte Szene in der Stadt solle von dem sozialen Zen­trum aus­ge­hen.

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