24. April 2005 · Quelle: OGA

Heftige Kritik von Antifa-Gruppe

(Oranien­burg­er Gen­er­alanzeiger, 23.4.05) ORANIENBURG. Ein dick­es Lob bekam die Stiftung Brandenburgische
Gedenkstät­ten jet­zt vom Vor­sitzen­den des Vere­ins “Gegen Vergessen — Für
Demokratie”, Joachim Gauck. 

Der frühere Chef der Stasi-Unter­la­gen-Behörde besuchte dieser Tage die
Gedenkstätte Sach­sen­hausen, um sich über den Fort­gang der Sanierung und
die päd­a­gogis­che Arbeit dort zu informieren. Für die eindrucksvollen
Ver­anstal­tun­gen zum 60. Jahrestag der Befreiung der KZ Ravens­brück und
Sach­sen­hausen am vorigen Woch­enende dank­te Gauck ausdrücklich
Stiftungs­di­rek­tor Prof. Dr. Gün­ter Morsch und seinen Mitar­bei­t­erin­nen und
Mitar­beit­ern. Alle Ver­anstal­tun­gen seien von ein­er Atmo­sphäre der
Begeg­nung und des Gesprächs zwis­chen den Gen­er­a­tio­nen geprägt gewe­sen, so
Gauck.Auch über die ver­schiede­nen Museen und Ausstel­lun­gen in der
Gedenkstätte informierte sich Joachim Gauck bei einem mehrstündigen
Rundgang. “Mit der Neukonzep­tion ist eine schlüs­sige Darstel­lung der
zweifachen Geschichte von Sach­sen­hausen als nationalsozialistisches
Konzen­tra­tionslager und als sow­jetis­ches Spezial­lager gelun­gen”, sagte
Gauck. Nicht zulet­zt das Muse­um zur Geschichte des Spezial­lagers sei –
auch architek­tonisch – ein ein­drucksvoller Ort, an dem die komplexe
Geschichte sen­si­bel und dif­feren­ziert dargestellte werde. Durch die
Ein­beziehung zahlre­ich­er Einzelschick­sale eröffnet die Ausstel­lung den
Besuch­ern zugle­ich einen emo­tionalen Zugang, sagte Gauck.Das sieht die
Antifaschis­tis­che Gruppe (Antifa) Oranien­burg freilich völ­lig anders, die
deshalb heute zu ein­er eige­nen Gedenkver­anstal­tung in der Gedenkstätte (12
Uhr, Lager­mauer an der „Sta­tion Z“) aufruft, weil sie an den
Ver­anstal­tun­gen vom Woch­enende bewusst nicht habe teil­nehmen können.Sie
wirft der Gedenkstät­ten­leitung unter anderem vor, dass es der nicht um
eine inhaltliche Abgren­zung von revi­sion­is­tis­chen Posi­tio­nen, son­dern nur
um die medi­en­wirk­same Abgren­zung zu ein­er recht­spop­ulis­tis­chen Partei
gehe. So sei ein Kranz der DVU dieses Jahr aus der Gedenkstätte entfernt
wor­den, ein­er der Union der Opfer Kom­mu­nis­tis­ch­er Gewaltherrschaft voriges
Jahr aber nicht. In bei­den Fällen soll­ten NS-Ver­brechen durch
Gle­ich­set­zung der Konzen­tra­tionslager mit den Spezial­lagern der Roten
Armee rel­a­tiviert wer­den, schreibt Judith Schäfer für die Antifa.Ein
Vor­wurf geht an Bürg­er­meis­ter Hans-Joachim Laesicke (SPD), der zum 60.
Jahrestag der Bom­bardierung Oranien­burgs einen Kranz niedergelegt und eine
entschärfte Bombe als Denkmal gegen “schreck­liche Kriege” eingewei­ht habe.
Auch dadurch wür­den Täter zu Opfern gemacht und der II. Weltkrieg als
Krieg wie jed­er andere betrachtet.

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