30. Juni 2003 · Quelle: MAZ

Hoffen auf Protest-Potenzial

(MAZ, 26.6., Bar­bara Horn) FALKENSEE Nur zehn Mit­glieder hat die Partei Rechtsstaatlich­er Offensive
(Schill-Partei) bish­er im Havel­land. Und so bedurfte es in dieser Woche
bei ein­er Sitzung in Falkensee einiger Überzeu­gungskraft seit­ens des
Lan­desvor­sitzen­den in Bran­den­burg, Dirk Weßlau, um für die fünf
Wahlkreise zehn Kreistagskan­di­dat­en nominieren zu kön­nen. Er hatte
Erfolg: Sog­ar ein “Neul­ing” und Nicht­mit­glied ließ sich auf­stellen. Für
den 28. Juli plant die Schill-Partei die Grün­dung eines Kreisverbandes
Havelland. 

Erst im August sollen die Kan­di­dat­en für die
Stadtverord­neten­ver­samm­lun­gen benan­nt wer­den, wie Weßlau mit­teilte. Der
Lan­desvor­sitzende zieht opti­mistisch in den Wahlkampf. “Wir denken, dass
wir im Land Bran­den­burg auf sieben Prozent kom­men”, verkün­dete er
selb­st­be­wusst. Großes Fernziel, auf das die Schill-Partei hinarbeite,
seien die Wahlen im Herb­st 2004: “Wir wollen in den Land­tag rein.” 

Für die Arbeit im Havel­land haben sich bish­er Mit­stre­it­er aus Falkensee,
Nauen, Schön­walde und dem Einzugs­bere­ich von Rathenow gefunden.
Gemein­sam sei allen die Unzufrieden­heit mit dem beste­hen­den Sys­tem und
der Parteien­land­schaft, wie sie bei der Ver­samm­lung in Falkensee zum
Aus­druck brachten. 

“Das Protest-Poten­zial und die weni­gen Per­sön­lichkeit­en, die wir haben,
helfen uns”, glaubt Weßlau. Er räumte aber ein, dass es schw­er sei, “die
Leute hin­ter dem Ofen hervorzulocken”. 

Für ihren Kreis haben die Kan­di­dat­en bere­its einige The­men, unter
anderem die Aus­rüs­tung der frei­willi­gen Feuer­wehren. Wie der ehemalige
stel­lvertre­tende Kreiskom­man­dant Horst Kahlfeld dar­legte, gebe es immer
mehr Verkehrsun­fälle im Kreis, doch nicht alle Wehren seien zum Beispiel
mit Scheren oder Spreiz­ern aus­gerüstet. Eine ein­heitliche Lin­ie will die
Schill-Partei laut Weßlau in allen Kreisen beim The­ma Finanzaustattung
der Kom­munen ver­fol­gen: “Das funk­tion­iert nur durch
Ent­bürokratisierung.” So sei unter anderem die Vere­in­fachung bei
Bau­genehmi­gungsver­fahren nötig. Bau­genehmi­gun­gen müssten inner­halb von
sechs Wochen erteilt werden. 

Seit dem ver­gan­genen Jahr ist Brit­ta Carl-Gerth bei der Sache. Die
39-Jährige, die in Berlin einen Friseurbe­trieb führt und in Falkensee
wohnt, ist Schrift­führerin im Lan­desver­band, will in den Kreistag und
lässt sich außer­dem für die Stadtverord­neten­ver­samm­lung in Falkensee
aufstellen. 

Mit anderen habe sie im Havel­land bere­its Struk­turen für die
Schill-Partei geschaf­fen, berichtete sie. In Sem­i­naren hat sich die
39-Jährige auf die Kom­mu­nal­wahl vor­bere­it­et. Da sie seit neun Jahren in
Falkensee lebe, wolle sie etwas für die Stadt bewe­gen, so Britta
Carl-Gerth. Als Poli­tikneul­ing zeigte sie sich überzeugt: “Bess­er ich
lerne das jet­zt von der Basis her, dann weiß ich auch, worüber ich
spreche.”

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