20. Juni 2005 · Quelle: MAZ

Horde fiel über Stadtfest her

(FRITZ HERMANN KÖSER, MAZ) ORANIENBURG Als die let­zten Buden schlossen, ging die Par­ty erst richtig los. Auf dem friedlichen Fest im idyl­lis­chen Schloss­park herrschte plöt­zlich Ran­dale. Heike Hentze, die auf dem Stadt­fest Crepes verkauft, bemerk­te, wie am Sonnabend gegen zwei Uhr mor­gens eine Horde junger Leute auf­tauchte. Etwa 30 bis 50 Mann. Von ihrem Wohn­wa­gen kon­nte sie sie her­vor­ra­gend beobacht­en. Um nicht auf sich aufmerk­sam zu machen, hat­te sie das Licht aus­gemacht. Ihr stark erkäl­teter Mann schlief bere­its, ihre vier Kinder auch. 

“Zunächst zer­schnit­ten sie die Seile der Sprun­gan­lage”, berichtet sie. Zwei der vier Tram­po­line, die nach dem Betrieb an Schnüren hochge­zo­gen wer­den, plump­sten herunter. Wolf­gang Kobus, Inhab­er der Anlage, bez­if­fert den Schaden auf etwa 1000 Euro. “Es waren 40 Meter lange teure Spezial­seile, zwei Kara­bin­er wur­den mir zudem gestohlen.” Eines der vier Tram­po­line ist nun nicht mehr funk­tions­fähig. Kobus sieht bei dem von Ver­anstal­ter Alex Kop­ke organ­isierten Fest gravierende Sicher­heitsmän­gel: “Bei der Turm-City dage­gen war viel Polizei anwesend.” 

Nach dem Van­dal­is­mus sei es, so Hentze, zum Stre­it gekom­men. Die Jugendlichen, viele tätowiert, prügel­ten sich. So stark, dass ein­er wohl einen Kranken­wa­gen her­beirief, wie sie ver­mutet. Denn der sei einige Zeit später aufge­taucht und habe einen “der Typen” mitgenom­men. Gegen 2.30 Uhr habe sie den Notruf 110 gewählt. Sie sei in Pots­dam gelandet, von wo aus man sie weit­er verbinden wollte. Dies sei aber nicht passiert. Eine halbe Stunde später habe sie sich über die Auskun­ft mit der Polizei­wache Oranien­burg verbinden lassen. Man komme zu Fuß, da man einen plat­ten Reifen habe, hieß es. Doch kein Beamter sei aufge­taucht. Nach einem drit­ten Anruf habe der Beamte gesagt, dass man nicht befugt sei, die Grup­pierung aufzulösen. Hentze: “Der war ziem­lich unfreundlich.” 

Dafür ver­suchte gegen fünf Uhr mor­gens ein Fis­chbu­denbe­sitzer, die Pöbler zur Ver­nun­ft zu brin­gen. Er hat­te zusam­men mit sein­er Frau den Hund aus­ge­führt. Der kräftige Mann sah, wie die Ran­dalier­er die Plane eines Würstchen­stands zer­schnei­den woll­ten sowie Bänke umkippten. “Er wollte sie zur Rede stellen”, sagt sein Kol­lege, der mit ihm zusam­me­nar­beit­et. “Nor­maler­weise kann der fünf bis sechs Leute verk­lop­pen, die anderen hauen dann ab”, erk­lärt er. Dies­mal nicht. Er sei zu Boden gegan­gen. Rund 20 Leute hät­ten sich auf ihn gestürzt. Seine Frau habe ver­sucht, Hil­fe zu holen. Ihr Mann musste sich am näch­sten Tag zu einem Arzt begeben. Wenig später, etwa gegen 5.30 Uhr, sei dann doch endlich die Polizei gekom­men. Mit zwei Streifenwagen. 

Michael Wor­gall, Dien­st­grup­pen­leit­er der Polizei­wache Oranien­burg, spricht dage­gen von “ein­er kleinen Auseinan­der­set­zung”. Die Vor­würfe der Schausteller lässt er nicht gel­ten. Die Polizei sei gegen drei Uhr eingetrof­fen. Mehr wollte er wegen laufend­er Ermit­tlun­gen nicht sagen. Kobus jeden­falls hat genug: “Näch­stes Jahr komme ich nicht mehr.”

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