31. August 2007 · Quelle: TAZ

IHK-Veranstaltung

Eigentlich soll es bei den “Ost­bran­den­burg­er Verkehrs­ge­sprächen” in der Berlin­er IHK nur um den Bau eines Oder-Donau-Kanals gehen. Doch der Ein­ladung für die Tagung am 6. Novem­ber ist eine Karte von 1938 beige­fügt, die es in sich hat. VON UWE RADA

Ein Kanal, der die Oder mit der Donau, und damit die Ost­see mit dem Schwarzen Meer verbindet, das ist ein alter Traum. Kaiser Karl IV. hat ihn im 14. Jahhrun­dert geträumt und auch Adolf Hitler. Nun wird er erneut aus der Schublade gezo­gen. Und die alte Nazi-Pro­pa­gan­da gle­ich mit dazu.

Bei den 30. “Ost­bran­den­burg­er Verkehrs­ge­sprächen”, die am 6. Novem­ber im Lud­wig-Erhard-Haus in den Räu­men der Indus­trie- und Han­del­skam­mer (IHK) Berlin stat­tfind­en, sollen Deutsche, Polen und Tschechen sowie Teil­nehmer aus anderen Län­dern über eine Mach­barkeitsstudie für den Bau des Oder-Donau-Kanals disku­tieren. So wün­scht es sich Karl-Heinz Boßan vom Frank­furter Insti­tut für umwel­to­ri­en­tierte Logis­tik (FIL), der sich seit Jahren um die Verbesserung der Verkehr­swege zwis­chen Deutsch­land und Polen bemüht.

Doch ganz so har­monisch dürfte die Diskus­sion dies­mal nicht ver­laufen. Zur Ein­stim­mung auf die Tagung hat Boßan in sein­er Ein­ladung eine Karte der “Wasser­straßen des Oderge­bi­ets” aus dem Jahre 1938 als pdf-Anhang beige­fügt. Darin ist der Oder-Donau Kanal bere­its als “im Bau oder geplant” eingeze­ich­net. Er reicht von Cosel (heute Kedzierzyn-Kozle), wo der dama­lige “Adolf-Hitler-Kanal” in die Oder mün­det, über Rat­i­bor und Hultschin nach Wien. Ent­nom­men ist die Karte dem “Vere­in zur Wahrung der Oder­schiff­fahrtsin­ter­essen zu Bres­lau”, der sie 1938 auf dem Odertag in Frank­furt (Oder) vorgestellt hat.

Um Schiff­fahrtsin­ter­essen aber ging es damals in Frank­furt nur in zweit­er Lin­ie. Ganz vorne stand die Pro­pa­gan­da der Oder als “Haupt­strom des Deutschen Reich­es”, wie der Ost€pahistoriker Karl Schlögel von der Europau­ni­ver­sität Viad­ri­na in Frank­furt recher­chiert hat. Vor dem Hin­ter­grund des Anschlusses Öster­re­ichs an Nazi-Deutsch­land, so Schlögel, “war der Oder­weg frei bis nach Wien.” Alles, was vorher harm­lose Zivil­i­sa­tion­sar­beit gewe­sen sei — das Verkehrssys­tem, der Städte­bau, die Erziehung -, habe nun einen zusät­zlichen Auf­trag bekom­men: “den ein­er mil­i­tan­ten Mis­sion, den deutschen Geist nach Osten zu tra­gen.”

Aber auch schon in der Weimar­er Repub­lick sahen sich Städte wie Frank­furt (Oder), Glo­gau und Bres­lau als “Boll­w­erke” und “Aus­fall­tore” gegen den neuen pol­nis­chen Staat im Osten. Schon 1925 bere­it­ete Frank­furts Ober­bürg­er­meis­ter Kinne den Boden für die späteren Odertage der Nazis, in dem er sagte: “Wir als größte Stadt in der Ost­mark betra­cht­en es als heilige Pflicht, den Wall zu bilden gegen das andrin­gende Slawen­tum.”

Zwar ste­ht der Verkehrslob­by­ist Boßan vom FIL bis­lang für das genaue Gegen­teil — das Brück­en­bauen. “Mit ein­er solchen Ein­ladung um pol­nis­che und tschechis­che Teil­nehmer zu wer­ben, ist aber den­noch ein starkes Stück”, ärg­ert sich BUND-Gewässer­spezial­ist Man­fred Krauß, der eben­falls eine Ein­ladung bekom­men hat. In einem Brief an die IHK will Krauß nun um Aufk­lärung bit­ten.

Christi­na Müller-York, die stel­lvertre­tende Sprecherin der IHK, betonte gestern, dass die Ost­bran­den­burg­er Verkehrs­ge­spräche keine IHK-Ver­anstal­tung sei. “Wir ver­mi­eten unsere Kon­feren­zräume im Lud­wig-Erhard-Haus in der Fasa­nen­straße wie ein Hotel”, sagte sie.

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