16. November 2020 · Quelle: Antifa Strausberg

III. Weg inszeniert “Heldengedenken” in Strausberg

Neonazis vom III. Weg kamen am Vorabend des sogenannten "Volkstrauertags" auf dem Soldatenfriedhof in Strausberg zusammen und inszenierten dort ihr "Heldengedenken". Mit Fakeln marschierten die Nazis zur Kranzniederlegung auf.

Am Vor­abend des soge­nan­nten “Volk­strauertag” besucht­en Neon­azis den Sol­daten­fried­hof  auf dem Fried­hof in der Fontanes­traße in Straus­berg. Am „Sol­daten­fried­hof“, auf dem gefal­l­ene Wehrma­chtssol­dat­en liegen, legten Neon­azis ein in schwarz-weiß-rot gehaltenes Blu­mengesteck nieder, an dem eine Schleife mit der Auf­schrift „Eure Helden­tat­en bleiben Unvergessen“ ange­bracht war. Außer­dem fan­den sich neben dem Blu­mengesteck Grabkerzen mit Stick­ern der neon­azis­tis­chen Kle­in­st­partei der III. Weg sowie eine aus Holz selb­st­ge­baute, gestürzte Leben­srune, die den Tod sym­bol­isiert. Sie posierten mit einem Fack­el­marsch für Fotos zur Veröf­fentlichung auf der Web­site des III. Weges.

Diese Aktion kann als Ersatz gese­hen wer­den für das von Neon­azis seit Jahren vol­l­zo­ge­nen Aufmärsche in Wun­siedel in Ober­franken. Das offen­sive Auftreten der Neon­azis mit Fack­eln und klar­er Bezug­nahme auf den NS in dieser Größenord­nung ist bedrohlich und besorgnis­er­re­gend. Sie verken­nen die Ver­brechen der Wehrma­cht und glo­ri­fizieren die Morde und Ver­brechen gegen die Men­schheit, die auch die Wehrma­cht began­gen hat. Dass Neon­azis mit öffentlichen Aktio­nen und Blu­men­sträußen am heuti­gen Tag ihre Ide­olo­gie ver­bre­it­en, geschieht bun­desweit und ist auch nicht das erste Mal in Straus­berg erfol­gt. Immer wieder waren ähn­liche Gebinde und Aktio­nen auf dem „Sol­daten­fried­hof“ zu find­en. So haben in der Ver­gan­gen­heit die “Kam­er­ad­schaft Märkisch-Oder Barn­im (KMOB)”, als auch Straus­berg­er Nazis zusam­men mit Nazis aus umliegen­den Land­kreisen Kränze und Ähn­lich­es niedergelegt. Die ca. 20 anwe­senden Per­so­n­en lassen ver­muten, dass auch hier Neon­azis aus ganz Märkisch-Oder­land und darüber hin­aus zusam­mengekom­men sind. Zwar war der III. Weg bish­er in der Region wenig präsent, wenn von Aus

Exzess-Ver­sand bietet das Aktivis­ten Hand­buch vom III. Weg an.

flü­gen in die Märkisch-Schweiz durch Aktivis­ten aus anderen Regio­nen wie im Okto­ber 2017 abge­se­hen wird. Es tauchen immer mal wieder Stick­er der Partei in Straus­berg und Umge­bung auf, aber die geringe Quan­tität lässt nicht auf eine aktive Zelle des III. Weges in der Region schließen — aber immer­hin zu Verbindun­gen, über die das Mate­r­i­al verteilt wird.

Den­noch: Straus­berg blickt auf eine lange und aktive Kam­er­ad­schaftsszene zurück. Auch wenn es nach dem Ver­bot der „ANSDAPO“ 2005 ruhiger um die Nazis gewor­den ist, so sind sie immer noch unter dem Label der Brud­er­schaft „AO Straus­berg“ aktiv und gut ver­net­zt. Ihr Hang zur NS-Sym­bo­l­ik und Gewaltaffinität verbindet sie zumin­d­est the­o­retisch mit dem III. Weg. Darüber hin­aus gibt es auch mit der bun­des- und europaweit bekan­nten Straus­berg­er Recht­srock Band “Exzess” weit­ere Akteure vor Ort, die auch Kon­tak­te in das mil­i­tante Neon­azi-Spek­trum haben, zu dem auch der III. Weg gezählt wer­den kann. So verkauft Exzess über ihr eigenes Label auch das Hand­buch für die Aktivis­ten des III. Weges “Nation­al, Rev­o­lu­tionär, Sozial­is­tisch”. Der Front­mann von Exzess Tobias Vogt wird auch dem Organ­isatorenkreis des neon­azis­tis­chen Kampf­s­portevent “Kampf der Nibelun­gen” zugerech­net. Da hier auch regelmäßig Aktivis­ten des III. Weges antreten und involviert sind, kön­nte hierüber ein Kon­takt nach Straus­berg ent­standen sein.

Andrew R. Stel­ter (hell­blaues Hemd, mit schwarz­er Maske) auf dem Auf­marsch vom III. Weg in Berlin Hohen­schön­hausen am 3. Okto­ber 2020

Ähn­lich ver­hält es sich mit Andrew Stel­ter. Der schon in den 90er Jahren aktive Neon­azi war lange Jahre NPD-Kad­er und rund um die ver­botene Heimat­treue Deutsche Jugend aktiv. Stel­ter, der auch am 3.Oktober 2020 bei dem bun­desweit mobil­isierten Auf­marsch des III. Weg in Berlin-Hohen­schön­hausen anwe­send war, war in Straus­berg bis vor kurzem als Box­train­er im „Box­club Straus­berg e.V.“ vom KSC Straus­berg aktiv. Es lässt sich ver­muten, dass dieser auch an der Aktion zum “Volk­strauertag” beteiligt war. Es ist davon jeden­falls davon auszuge­hen, dass die Aktion aus einem ähn­lichen Per­so­n­en­spek­trum kommt bzw. über die Kon­tak­te der Straus­berg­er Kam­er­ad­schaftsszene und Exzess organ­isiert wurde.

 

 

Wir haben das einzig sin­nvolle mit dem Naz­izeug gemacht: die Rune wurde zu Feuer­holz und die Blu­men wer­den kompostiert.

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