28. Juli 2003 · Quelle: LR

Im Milieu unterwegs: «Belladonna»

Sie wer­den gekauft, geleast, getestet und aus­ge­beutet: Frauen aus Ost€pa
im hor­i­zon­tal­en Gewerbe. 

In den Augen von Zuhäl­tern und Freiern sind sie eine Ware, für die einzige
Beratungsstelle ihrer Art in Bran­den­burg, den Frank­furter Frauenverein
«Bel­ladon­na» , hinge­gen Opfer von Men­schen­han­del und Gewalt. 

Seit Mitte der 90er-Jahre sind die Street­work­er nicht nur auf der deutschen
Oder­seite unter­wegs, um ihre Hil­fe zum Ausstieg anzu­bi­eten, son­dern auch auf
den pol­nis­chen Straßen­strichs und in den zahlre­ichen Nobel­bor­dellen in der
Gren­zre­gion. Seit einem hal­ben Jahr funk­tion­iert diese Hil­fe in enger
Koop­er­a­tion und Abstim­mung mit den Strafver­fol­gungs­be­hör­den. Sind doch die
Pros­ti­tu­ierten auch wichtige Zeug­in­nen bei der Aufk­lärung des organisierten
Menschenhandels. 

Die Frauen kom­men selb­st zu «Bel­ladon­na» , wer­den bei Razz­ien oder bei der
Ein­reise nach Deutsch­land an der Gren­ze aufge­grif­f­en, von Polizei und BGS
auf­grund ihres ille­galen Aufen­thaltes jedoch nicht mehr sofort abgeschoben.
Ansprech­part­ner für «Bel­ladon­na» ist nun­mehr eine Koordinierungsgruppe
«Zeu­gen­schutz» im Lan­deskrim­i­nalamt. Nach ein­er Neuregelung des
Aus­län­derge­set­zes erhal­ten die poten­ziellen Zeug­in­nen eine Dul­dung von vier
Wochen. 

«Bei uns in Schutz­woh­nun­gen unterge­bracht, kön­nen sie sich dann in Ruhe
über­legen, ob sie gegen ihre Peiniger aus dem Rotlicht­m­i­lieu aussagen
wollen» , erk­lärt «Bel­ladon­na» ‑Chefin Uta Lud­wig. Außer­dem erhal­ten sie
ana­log den Asyl­be­wer­bern Sozialleis­tun­gen. «Damit wird unter anderem eine
ärztliche Unter­suchung und Betreu­ung finanziert» , erk­lärt die Helferin. 

Derzeit ermit­telt die Frank­furter Schw­er­punk­t­staat­san­waltschaft für
organ­isierte Krim­i­nal­ität in fünf Men­schen­han­dels-Ver­fahren. Im Extremfall
organ­isiere die Polizei auf Anre­gung der Staat­san­waltschaft ein
Zeu­gen­schutzpro­gramm inklu­sive ein­er neuen Identität. 

Bei den Gewalt- und Miss­brauchs-Opfern aus dem Rotlicht­m­i­lieu han­delt es
sich nach Angaben von «Bel­ladon­na» stets um Frauen aus Ost€pa. Sie
entschei­den sich bewusst und aus sozialer Not dafür — einen Tages­lohn von
zehn Euro kön­nten sie in ihren Heimatlän­dern nie ver­di­enen. Schätzungsweise
1300 von ihnen arbeit­en in der Gren­zre­gion östlich der Oder im horizontalen
Gewerbe. Auch die in Bran­den­burg arbei­t­en­den 1000 Pros­ti­tu­ierten stammen
über­wiegend aus Ost€pa. Auf dieser Seite der Oder fän­den sich jedoch
keine offiziellen Bor­delle. Die ver­steck­te Pros­ti­tu­tion flo­ri­ert über Haus-
und Hotelser­vice, pri­vate Swinger- und Früh­stück­par­tys. Mit der
EU-Oster­weiterung befürchtet Uta Lud­wig eine Ver­schär­fung des
Menschenhandels-Problems.

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