10. März 2002 · Quelle: Lausitzer Rundschau

Im Peitzer Aussiedlerheim bahnt sich Familiendrama an

Im Aussiedler­heim in Peitz dro­ht ein Fam­i­lien­dra­ma. 31 Kinder, Frauen und Män­ner ein­er deutsch-rus­sis­chen Groß­fam­i­lie sollen auseinan­der geris­sen wer­den. Die evan­ge­lis­che Flücht­lingsseelsorge will mit allen Mit­teln dage­gen kämpfen.

“Wir kön­nen uns nur noch aus dem Fen­ster stürzen. In Kasach­stan kön­nen wir nicht mehr leben. Wir haben nur noch unsere Sachen, son­st gar nichts mehr.” Peter Akst junior ist verzwei­felt. Anfang Feb­ru­ar waren er, seine Stief­mut­ter, seine Fam­i­lie und die Fam­i­lien von fünf sein­er Ge­schwister aus einem Dorf in Kasach­stan nach Deutsch­land gekommen.

Sechs Jahre lang hat­ten sie gemein­sam für die Einreisepa­piere und die Anerken­nung als Deutsche gekämpft. Alles schien für die ins­ge­samt 31 Mit­glieder der Fam­i­lie Akst in bester Ord­nung. Nun aber ste­ht der Fam­i­lien­ver­band, der seit Jahrzehn­ten fest miteinan­der verknüpft ist, vor ein­er schmer­zlichen Trennung.

18 Kindern, Frauen und Män­nern dro­ht die Abschiebung aus Deutsch­land, 13 Fam­i­lien­mit­glieder sollen dage­gen bleiben dürfen. 

Dop­pel­ter Schock

Der Fall ist tragisch und kom­pliziert zugle­ich. Maria Akst, eine Deutsche aus der ehe­ma­li­gen UdSSR, lebte seit 1963 mit dem Witwer Peter Akst, eben­falls deutsch­er Nation­al­ität, in ei­nem kleinen Dör­fchen in Kasach­stan zusam­men. 1980 heiratete sie ihn.

Ihr Mann, dessen Part­ner­in früh ver­stor­ben war, brachte vier Kinder mit in die neue Gemein­schaft. Bei­de beka­men noch vier gemein­same Kinder.

Auf dem Weg aus dem heimatlichen Dorf nach Deutsch­land, zwei Tage vor der geplanten Aus­reise, ver­starb Vater Peter Akst urplöt­zlich bei einem Zwi­schenstopp im rus­sis­chen Sara­tow. Am 7. Feb­ru­ar beerdigte die Fam­i­lie den Toten, am Nach­mit­tag reiste sie aus.

Längst war in der Heimat alles verkauft, das Geld in Flug- und Bustick­ets investiert, sog­ar ein Kred­it dafür auf­genommen. Ein Zurück gab es trotz des schmerzli­chen Ver­lustes für alle nicht mehr. Die Papiere für eine Ein­reise und die Anerken­nung in Deutsch­land schienen in Ordnung.

Nach der Tragödie um das Fam­i­lienober­haupt kam dann der näch­ste Schock: Nach vier Wochen Aufen­thalt im Bun­de­sauf­nah­me­lager für Aussied­ler in Fried­land wurde näm­lich festge­stellt, dass die Stiefkinder von Maria Akst und deren Fam­i­lien­ange­hörige nicht mehr die juris­tis­chen Vorausset­zungen für eine Anerken­nung als Deutsche nach dem Bun­desver­triebe­­nen- und Flüchtlings­ge­setz erfüll­ten. Mit Vater Peter war näm­lich die Bezugsper­son noch außer­halb von Deutsch­land gestor­ben. Das Bun­des­land Bran­den­burg ver­weigerte daher die Auf­nahme der gesamten Großfamilie.

Als Maria Akst mit den zwölf als Deutsche anerkan­nten Fam­i­lien­mit­gliedern im Aussiedler­heim in Peitz ankam, erfuhr Matthias Frah­now von der evan­ge­lis­chen Flüchtlingsseel­sorge von der beab­sichtigten Tren­nung der Fam­i­lie und dem dro­hen­den Drama.

Der Seel­sorg­er erre­ichte zunächst einen Auf­schub der Abschiebung und die Unter­bringung im Aussiedler­heim in Peitz. 

Hoff­nung auf men­schliche Lösung

Frah­now und Bürg­er von Drehnow haben die Ver­sorgung der Fam­i­lie über­nom­men, weil diese aus staatlichen Mit­teln nicht erfolgte.

Matthias Frah­now hat den Peti­tion­sauss­chuss des bran­den­bur­gis­chen Land­tages angerufen. “Es muss eine human­itäre Lösung im Sinne der Fami­lie geben. Deutsch­land kann sie nicht ein­fach über seine Gren­ze schick­en und 18 Men­schen, darunter auch Säug­linge, ihrem Schick­sal über­lassen. Sie haben nichts mehr”, sagt er. Stellung­nahmen des Peti­tion­sauss­chuss­es und des bran­den­bur­gis­chen Innen­min­is­teri­ums waren am gestri­gen Abend nicht mehr zu erhalten.

Heute wer­den die 13 als Deutsche anerkan­nten Mit­glieder der Fam­i­lie Akst nach Pahls­dorf gebracht. Ob sie den Rest der Fam­i­lie jemals wieder sehen wer­den, ist ungewiss. “Ich weine und bete um meine Fam­i­lie”, sagt die völ­lig verzweifelte Mut­ter Maria Akst.

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