9. September 2013 · Quelle: Recherchegruppe Frankfurt (Oder)

Immer Ärger mit der “Bierbar”

FFO: Bereits mehrmals musste die Recherchegruppe von neonazistischen Vorfällen berichten, die sich im Umfeld der Frankfurter Kneipe "Die Bierbar" ereigneten.

Ein bierseliger Abend mit einem Nazi-Lie­der­ma­ch­er vor eini­gen Wochen in besagtem Lokal ist nun Anlass genug, sich ein wenig inten­siv­er mit der Kneipe zu befassen:

“Die Bier­bar”

Die Bier­bar” ist in der Bergstraße 189, auf der Ecke eines Frank­furter Wohn­haus­es ange­siedelt, in dem­sel­ben Haus, in dem auch der anti­ras­sis­tis­che und antifaschis­tis­che Vere­in Utopia seit Jahren seinen Sitz hat. Dieser Vere­in war den Gästen schon des öfteren ein Dorn im Auge, sodass es zu mehreren Über­grif­f­en und Sachbeschädi­gun­gen im und am besagtem Wohn­haus kam.

Im Som­mer 2006, als die Kneipe noch “Mocki’s Bier­bar” hieß und der Inhab­er ein ander­er als der heutige war, grif­f­en dor­tige Gäste nach einem Fuss­ball-WM-Spiel ein Hoffest des Utopia e.V. an, Im Dezem­ber des­sel­ben Jahres ver­sucht­en sich einige stadt­bekan­nte Neon­azi-Hooli­gans, nach­dem sie den Abend in der Kneipe ver­bracht hat­ten, gewalt­sam Zutritt zum Wohn­haus zu ver­schaf­fen, in dem sich auch der Utopia e.V. befindet.[1]

Im Novem­ber 2008 grif­f­en mehrere rechte “FCV”-Hooligans eine Gruppe von Antifaschist_innen vor der Kneipe an und ver­let­zten sie. Dies geschah, nach­dem die Hooli­gans bere­its vorher eine Sachbeschädi­gung am Vere­in­seigen­tum des Utopia e.V. im dor­ti­gen Wohn­haus began­gen hat­ten. Die Täter wur­den daraufhin zu Bewährungsstrafen verurteilt. [2]

Im Mai dieses Jahres wur­den ins­ge­samt zwei Hak­enkreuze an der Ein­gangstür des Wohn­haus­es ange­bracht. Beim zweit­en Mal hat­te sich an besagtem Abend eine Gruppe junger Män­ner zunächst in der “Bier­bar” aufge­hal­ten, um dann gegen die Tür des Wohn­haus­es zu treten und Parolen wie „Kom­mu­nis­ten­schweine“ zu rufen. [3]

Am 9. August 2013 schließlich fand in der Kneipe eine Feier mit dem Frank­furter Lie­der­ma­ch­er Björn Brusak statt, der neon­azis­tis­ches Liedgut, darunter Landser und Frank Ren­nicke, zum Besten gab. Die alarmierte Polizei erstat­tete gegen die anwe­senden Gäste und den Lie­der­ma­ch­er Anzeige wegen Volksver­het­zung sowie wegen Ver­wen­dung von Kennze­ichen ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen.

Wer ist eigentlich Björn Brusak?

Der 28-jährige Frank­furter Björn Brusak ist, wenn er nicht ger­ade deutsche Sol­dat­en besingt, Unternehmens­ber­ater für den pri­vat­en Haushalt bei der Telis Finanz AG, ein­er Finanz- und Unternehmens­ber­atungs­ge­sellschaft, in Frank­furt (Oder). Laut seinem “Facebook”-Profil hat er am Otto-Bren­ner-Gym­na­si­um sein Abitur abgelegt. Zudem erfährt man, dass Brusak offen­sichtlich Fan des Aparthei­d­sregimes in Südafri­ka ist, welch­es bis 1994 eine ras­sis­tisch legit­imierte Vorherrschaft der weißen Südafrikan­er über die schwarzen darstellte. Brusak posiert dementsprechend auch mit Gitarre vor der ehe­ma­li­gen Nation­alflagge Südafrikas oder gibt ras­sis­tis­che und gewaltver­her­rlichende Mel­dun­gen über die ange­bliche Unter­drück­ung der weißen Bevölkerung weit­er. Auch inter­es­sant ist seine Fre­un­desliste, in der unter anderem der offen­bar ehe­ma­lige Frank­furter Neon­azi Ste­fan Schulz vertreten ist.

Und was sagt Inhab­er Gui­do Tiet­gen dazu?

Gui­do Tiet­gen ist seit eini­gen Jahren Inhab­er der “Bier­bar”. Der gel­ernte Klemp­n­er besitzt noch zwei weit­ere Lokale in der Region: das “Diebels Live” in Frank­furt sowie das “Café Oscar” in Eisen­hüt­ten­stadt. Im Juni 2004 stellte er als Wirt des mit­tler­weile geschlosse­nen “Preusse­necks” der NPD Räum­lichkeit­en für eine Saalver­anstal­tung mit zwei Lie­der­ma­ch­ern zur Ver­fü­gung. [4] In der Frank­furter “Bier­bar” hat­te Tiet­gen den inzwis­chen ver­stor­be­nen, mehrmals verurteil­ten Neon­azi Chris­t­ian Steinicke als Barkraft angestellt. Und auch son­st besuchen die “Bier­bar” eher Gäste, die sich dem poli­tisch recht­en Spek­trum zuord­nen oder zumin­d­est mit diesem kein Prob­lem haben. Kon­se­quen­zen aus seinem Neon­azi-Stammk­lien­tel zog Tiet­gen nur ein­mal kurzzeit­ig nach dem Über­fall sein­er Gäste auf eine Gruppe Antifaschist_innen 2008 — er erteilte ihnen Hausver­bot. Das ist jedoch längst wieder aufge­hoben. Und so tum­meln sich in sein­er Kneipe weit­er­hin Gäste mit Thor-Steinar-Klam­ot­ten oder Neon­azi-Lie­der­ma­ch­er.

Quellen:

[1] Vgl. http://apap.blogsport.eu/files/2013/02/rechercheoutput_ffo_2.pdf
[2] Vgl. http://recherchegruppe.wordpress.com/2011/03/15/prozess-gegen-fcv-hooligans-beginnt/
[3] Vgl. http://recherchegruppe.wordpress.com/chronologie/
[4] Vgl. http://apap.blogsport.eu/files/2013/02/rechercheoutput_ffo_2.pdf

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