2. Februar 2004 · Quelle: MOZ

Immer wieder Tote bei illegalem Grenzübertritt

(MOZ) Pots­dam (dpa) Beim ille­galen Gren­züber­tritt an Oder und Neiße kom­men nach Angaben des bran­den­bur­gis­chen Innen­min­is­teri­ums immer wieder Flüchtlinge zu
Tode. Die Zahl der Todes­fälle habe sich in den ver­gan­genen Jahren aber deut­lich ver­ringert. 2002 etwa seien zwei Tote am Ufer der Neiße bei Guben und Forst (Spree-Neiße) gefun­den wor­den, antwortete Innen­min­is­ter Jörg
Schön­bohm (CDU) auf eine par­la­men­tarische PDS-Anfrage. Mit ihnen habe sich die Zahl der aus­ländis­chen Toten an den bei­den Flüssen seit 1993 auf 63
erhöht.

Weniger Ein­wan­der­er sor­gen für Delle in Polizeis­ta­tis­tik

Krim­i­nal­ität im Schutzbere­ich Cot­tbus/Spree-Neiße geht zurück

(LR) Auf ein «aus unser­er Sicht sehr ereignis­re­ich­es und erfol­gre­ich­es Jahr»
blick­te der Leit­er des Polizeis­chutzbere­ich­es Cot­tbus / Spree-Neiße, Olaf
Fis­ch­er, bei der Vorstel­lung der polizeilichen Krim­i­nal­sta­tis­tik für 2003
zurück. Zwis­chen Wel­zow und Guben wur­den weniger Straftat­en erfasst und mehr
aufgek­lärt. Allerd­ings spielt bei der Erfol­gs­bi­lanz auch die Sta­tis­tik mit.

Für den Schutzbere­ich zeich­nete Fis­ch­er ein pos­i­tives Bild: Die Krim­i­nal­ität
ging von 29 231 Fällen in 2002 auf 28374 im Vor­jahr zurück, die
Aufk­lärungsquote stieg auf 54,7 Prozent. Olaf Fis­ch­er lobte aus­drück­lich die
gute Zusam­me­nar­beit mit dem Bun­des­gren­zschutz und der pol­nis­chen Seite. Nur
so hät­ten Dieb­stahlse­rien wie der Cot­tbuser Airbag-Klau aufgek­lärt wer­den
kön­nen.

Wenig aus­sagekräftige Dat­en

In Forst stürzte die Zahl der Straftat­en von 5478 im Jahr 2002 auf 4653 im
Vor­jahr ab. Allerd­ings sind diese sta­tis­tis­chen Zahlen in Hin­blick auf die
Gefährdung der Forster mit Vor­sicht zu genießen, denn eine Haup­tur­sache des
Rück­gangs der Straftat­en liegt darin, dass der Bun­des­gren­zschutz vornehm­lich
bei Forst weniger ille­gal Ein­gereiste aufge­grif­f­en und an die Polizei
übergeben hat, weil viele Schleuser inzwis­chen bei ihren Touren nach
Deutsch­land offen­bar den Weg über die Neiße mei­den. So gin­gen die gemelde­ten
Straftat­en im Bere­ich Aus­län­der- und Asylver­fahrens­ge­setz allein im
Kom­mis­sari­at Forst bin­nen Jahres­frist um 467 Fälle auf 1270 zurück.
Neben­ef­fekt: Da der Gren­zschutz bei ille­galen Gren­züber­trit­ten mit der
Straftat meist gle­ich auch den Täter mitliefert, hat­te die Polizei in Forst
2002 die Traum-Aufk­lärungsquote von 67,2 Prozent. Sie sank auf 66,1
Prozent — der Bun­des­durch­schnitt liegt bei 52,9 Prozent.

Die Aus­län­derkrim­i­nal­ität legt sich wie ein Schleier über die Forster
Zahlen. Beispiel: Da die Ein­wan­dern­den meist Erwach­sene sind, ist die
Jugend­krim­i­nal­ität mit 20,8 Prozent extrem niedrig, dafür liegt der Anteil
nicht­deutsch­er Tatverdächtiger bei 56,3 Prozent. Zum Ver­gle­ich: In Sprem­berg
betrug die Jugend­krim­i­nal­ität 37,8 Prozent, der Anteil nicht­deutsch­er
Tatverdächtiger lag bei 6,3 Prozent. Wie sich die krim­i­nal­is­tis­che Lage in
der Gren­zre­gion nach dem EU-Beitritt Polens entwick­eln wird, darüber wollte
Schutzbere­ichs-Chef Olaf Fis­ch­er gestern keine Prog­nose wagen. Allerd­ings
gebe es bere­its enge Abstim­mungen mit Zoll und BGS, erk­lärte er.

Auch andere Zahlen sagen nach Ansicht des Forster Kripochefs Peter Kaiser
nicht das aus, was es auf den ersten Blick scheint: So liegt Forst mit 196
Fällen von Rauschgiftkrim­i­nal­ität nur leicht hin­ter der Großs­tadt Cot­tbus.
Die hohe Zahl resul­tiere allerd­ings aus dem Ermit­tlungs­druck, mit dem die
Forster Polizei die Szene klein hal­ten will. Ob die Stadt im Ver­gle­ich zu
den Nach­barn Dro­gen­hochburg ist, kann er nicht sagen. Allerd­ings sei der
Anteil der harten Droge Hero­in bei den sich­er gestell­ten Dro­gen in Forst
höher als beispiel­sweise in Sprem­berg. Als Erfolg beze­ich­nete Kaiser die
Dro­genkon­trollen bei Technopar­tys auf dem Flug­platz Preschen im Früh­jahr
2003.

Große Sor­gen macht der Polizei im Schutzbere­ich das ver­stärk­te Zün­deln,
offen­bar ein lan­desweit­er Trend. Die Zahl der Brand­s­tiftun­gen in Cot­tbus und
Spree-Neiße ver­dop­pelte sich im ver­gan­genen Jahr beina­he von 118 auf 203
Fälle, allein in Forst zählte die Polizei 33 Brand­s­tiftun­gen. Kripo-Chef
Andreas Kaiser kündigte die Ein­rich­tung ein­er fes­ten Brand­kom­mis­sion an.

Beque­mer Betrug per Inter­net blüht

Auch in Sachen Betrug blüht die Krim­inel­len­phan­tasie, beson­ders in der
«Zukun­fts­branche» Inter­ne­tauk­tio­nen ver­suchen Betrüger erfol­gre­ich vom
heimis­chen Com­put­er aus ihr Glück. Olaf Fis­ch­er: «Wir haben hier einen
erhe­blichen Zuwachs zu verze­ich­nen. Beque­mer geht es ja auch für den Täter
kaum.» Allein das Kom­mis­sari­at Forst nahm 201 Betrugsanzeigen auf — 26 mehr
als im Vor­jahr. Auch die Ein­bruchsse­rien in Fir­men bere­it­en den Beamten
Sor­gen, im Forster Bere­ich stieg die Zahl von 109 auf 126 Fälle: Die Täter
haben es derzeit offen­bar vor allem auf das Bargeld abge­se­hen. Volle
Geld­kas­set­ten soll­ten nicht übers Woch­enende in leeren Büros bleiben, riet
Fis­ch­er ein­dringlich.

Gute Nachricht­en kann Forst in Sachen Fahrrad­klau, Ladendieb­stahl,
Kellere­in­brüchen, Straßenkrim­i­nal­ität und, trotz neuer Serien bei
gestohle­nen Autora­dios, bei Ein­brüchen in Pkw ver­melden. In allen Bere­ichen
waren die Langfin­ger weniger fleißig als 2002. Trotz dieser Trends wird
Forst nicht an die lupen­reine Krim­i­nal­sta­tis­tik des Örtchens Staakow an der
Straße zwis­chen Lieberose und Guben her­an­re­ichen: Die Polizei reg­istri­erte
dort nicht eine einzige Anzeige.

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