22. September 2007 · Quelle: ND

In den Baumwipfeln von Lakoma

Es herrscht Hochbe­trieb in der Wüs­tung Lako­ma. Beschäftigte des Energieriesen Vat­ten­fall schrauben an den Pumpen herum, die Fis­ch­er von Peitz holen sich, was vom Wehr noch brauch­bar ist, und immer wieder schauen Neugierige vor­bei, denn auf den Bäu­men am Ham­mer­graben sitzen wieder die Umweltschützer.
Ein paar alte Her­ren ste­hen rat­los auf dem Damm, den Vat­ten­fall quer durch das Fließ geschüt­tet hat­te. Sie betra­cht­en das Trans­par­ent, auf dem ste­ht: »Als Kli­makiller top, als Umweltschützer Flop.« Und gle­ich daneben: »Stromwech­sel jet­zt!«
Der Zusam­men­hang leuchtet den altge­di­en­ten Kohlekumpeln nicht gle­ich ein. Sie wollen eigentlich nichts sagen. Nur soviel, und das muss mal gesagt sein, dass sie lange Jahre im Braunkohle­tage­bau gear­beit­et haben und auch für den Umweltschutz sind. Aber das hier geht zu weit. Und was heißt hier Umsied­lung! Mal unter uns: Haben sich die Hor­noer nicht gesund gestoßen bei ihrem Umzug? Und wer sitzt denn hier in den Bäu­men? Sind das Lausitzer?
Der Blick ist tri­um­phierend und die Beweise wiegen schw­er: Wie kön­nen junge Leute von son­st woher betrof­fen sein, wo die Lausitzer dankbar sind, dass Vat­ten­fall ihnen wenig­stens noch ein paar Arbeit­splätze gibt, selb­st wenn es viel weniger sind als früher? Und bitte, hat der schwedis­che Konz­ern nicht schon so viel Gutes getan, als er neue Teiche anlegte, einen neuen Ham­mer­graben baute, und wird das dort nicht schon in fün­fzehn Jahren bess­er ausse­hen als dieser Urwald hier?
Bald soll eine Volksini­tia­tive gegen neue Braunkohle­tage­baue starten. Das pla­nen Umweltver­bände und die Grü­nen. Sie wollen noch die LINKE mit ins Boot holen. Bish­er machen nur einzelne Sozial­is­ten mit. Am 29. Sep­tem­ber beschäftigt sich eine energiepoli­tis­che Kon­ferenz der Partei in Cot­tbus mit dem The­ma. Der Aus­gang der Sache ist offen. Fakt ist, dass es unter­schiedliche Auf­fas­sun­gen gibt.
Flus­saufwärts, nur ein paar Minuten weit, hängt oben in den Wipfeln die erste Plat­tform. Anders als die Bergleute sagen Stef­fi und Alex freimütig, wer sie sind und was sie da tun. Sie haben gut geschlafen und »es ist schon irre«, erzählt Stef­fi, »den Tage­bau zu hören und hier noch im Natur­paradies zu sitzen und zu beobacht­en, wie sich der Tage­bau auf uns zu bewegt.« Alex fügt hinzu: »Das schärft das Bewusst­sein dafür, »wo wir hier sind und warum wir hier sind.«
Es hat ihnen weh getan, dass die Umweltver­bände vor Gericht keine Chance mehr hat­ten, dass die Grüne Liga sich mit Vat­ten­fall auf einen Ver­gle­ich eini­gen musste. Umso mehr befre­it der Entschluss zum gewalt­freien Wider­stand, in die Bäume zu steigen gegen die Zer­störung eines Paradieses, dass größ­ten­teils aber schon von Vat­ten­falls Leuten zer­stört wor­den ist. Etwas tun, nicht bloß sitzen und jam­mern oder schlim­mer noch, für den Kli­makiller arbeit­en, so stellen Stef­fi und Alex ihre Sit­u­a­tion dar.
Es sind etwa ein Dutzend Leute, aus Freiburg, Ham­burg, Slowe­nien und Tschechien, die auf drei Plat­tfor­men in den Bäu­men sitzen. Und noch mal so viele sind unten und helfen. Sie sind zwis­chen 20 und 40 Jahre alt, sie sind Angestellte, Handw­erk­er, Stu­den­ten, auch ein Arzt ist dabei. Sie genießen die Natur und das Gefühl der guten Tat. Eine Gruppe aus Schwe­den hat sich angekündigt.
»Zum Früh­stück gab´s Kaf­fee mit Sojamilch und gestern Abend was ganz Beson­deres: Kartof­feln, Quark und Leinöl«, erzählt Alex »Ver­giss nicht«, ruft er zum Abschied hin­ter­her, »den Stro­man­bi­eter zu wech­seln.«

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