15. November 2018 · Quelle: Inforiot

Inforiot’s Geburtstags-Rückblick

Diesen Sam­stag, den 17.11., find­et endlich Inforiot’s Geburt­stags-Zeck­en­tr­e­ff statt. Um 20:00 geht es im Spar­ta­cus los. Euch erwarten eine Lesung, Konz­erte, im Anschluss Par­ty und natür­lich alles, was son­st noch zu ein­er guten Geburt­stags­feier dazuge­hört.
Als Ein­stim­mung wer­den diese Woche Redak­tion­s­mit­glieder erzählen, wie sie eigentlich zu Infori­ot gekom­men sind und was das Pro­jekt für sie bedeutet.
 
Den Anfang macht Sum­mer.
„Ich komme aus ein­er Kle­in­stadt im Speck­gür­tel von Berlin. Geboren bin ich in einem ganz anderen Land. Wie es zu der Zeit nicht ganz unüblich war, ist der Nach­barsjunge irgend­wann ein Nazi gewor­den. Er fing an meine Fam­i­lie, die einen ein­deutig aus­ländisch klin­gen­den Namen hat, zu ter­ror­isieren, indem er nächtliche Saufge­lage bei sich ver­anstal­tete. So eine Plat­ten­bau-Wand ist dünn. Und so kam es, dass ich regelmäßig unter „Sieg Heil“ und „Aus­län­der Raus“-Rufen sowie dem Trällern von Landser-Songs mit­ten in der Nacht geweckt wurde. Die Polizei kam hin und wieder an, nach­dem meine Eltern dort ganz ent­nervt anriefen. Aber sobald die Polente weg war, ging der Psy­cho-Ter­ror von vorne los. Irgend­wann reichte es mir und ich beschloss, selb­st dage­gen vor zu gehen. Während ich vor­gab Hausauf­gaben zu machen, suchte ich nach Kon­takt zu  Gle­ich­gesin­nten im Inter­net, denn meine Mitschüler_innen haben sich einen Dreck für Poli­tik inter­essiert. Ich stieß dabei auf die Seite „antifa.de“. Die schrieb ich dann an. In ihrer Antwort ver­wiesen sie mich an die Opfer­per­spek­tive, die lokale Antifa-Gruppe und eben an Infori­ot. Das war der Tag, an dem Infori­ot meine Verbindung zu einem gewalti­gen Micro-Kos­mos wurde, in dem ich mich nicht mehr alleine gefühlt habe. Noch bevor ich die Leute aus der lokale Antifa-Gruppe ken­nen­ler­nen kon­nte, macht­en diese Abitur und ver­pis­sten sich nach Berlin. Aber Infori­ot blieb und wurde zu meinem täglichen Begleit­er. Fünf Jahre nach diesem Erleb­nis wurde ich dann gefragt, ob ich Teil der Redak­tion wer­den möchte. Mit­tler­weile bin ich nun fast sieben Jahre dabei und hoffe all denen, die sich in den Kle­in­städten und Dör­fern auch so ohn­mächtig und allein fühlen, wie ich es einst war, Mut und Hoff­nung zu geben.“
 
Heute erzählt Jess seine Geschichte.
„Als Jugendlich­er, in ein­er kleinen Stadt in Bran­den­burg, ohne Smart­phones, gutes Inter­net oder einen Raum, in dem man sich hätte tre­f­fen kön­nen, war es manch­mal gar nicht so ein­fach aufzuwach­sen und sich poli­tisch außer­halb von Parteien einzubrin­gen. Die Bedro­hung durch Neon­azis war regelmäßig gegeben und es war auch keine Sel­tenheit, dass 20 Neon­azis vor der Schule warteten, um links ausse­hende Jugendliche abz­u­fan­gen und einzuschüchtern. Oft stand man damit allein da oder hat­te das Gefühl, nichts machen zu kön­nen, da es an eige­nen Erfahrun­gen man­gelte und der Aus­tausch mit älteren Gen­er­a­tio­nen von linken Men­schen nicht möglich war.
Da fühlt man sich als link­er Jugendlich­er schnell sehr allein. Mit dem Fach­abitur, welch­es ich in der nächst größeren Stadt machte, lernte ich zum ersten Mal ein Haus­pro­jekt ken­nen und weit­ere Men­schen, die den Wun­sch nach Räu­men ohne Neon­azis mit mir teil­ten. Dort hörte ich auch das erste Mal von Infori­ot.
Mit dem Umzug in eine größere Stadt in Bran­den­burg, ergab sich auch die Möglichkeit, sich mit vie­len ver­schiede­nen The­men zu beschäfti­gen. Zen­tral dabei war immer die Präven­tion der extremen Recht­en, woraus natür­lich auch poli­tis­che Arbeit resul­tierte, für die IR nicht wegzu­denken war. Ein­er­seits war es sehr bestärk­end zu sehen, dass so viel in Bran­den­burg passiert und nicht nur in Berlin. Wie viele linke Häuser es gibt, wie viele Grup­pen, Ver­anstal­tun­gen oder Bil­dungswoch­enen­den. Das zu sehen gab auf jeden Fall Kraft.
Nach Jahren der poli­tis­chen Arbeit in Bran­den­burg blieb IR immer ein fes­ter und wichtiger Bestandteil für mich und somit war es eine große Freude, dann auch gefragt zu wer­den und selb­st dieses, für mich so wichtige, Pro­jekt unter­stützen zu kön­nen.“
 
Kalle:
„Nach­dem mir Infori­ot von einem guten Fre­und nahe gelegt wurde, fing ich inner­halb kurz­er Zeit an, dort genau­so oft nach Neuigkeit­en zu suchen wie auf linksunten.indymedia. Für mich, als jugendlichen Antifa, war Infori­ot nicht nur ein Anschluss an die “Szene”, die es in der eige­nen Stadt nicht gab. Infori­ot war auch eine Art riesiger virtueller Bib­lio­thek. Ich habe damals auch oder vor allem tage­lang ungeduldig auf den näch­sten Recherc­heartikel gewartet. Egal ob aus Nord‑, Süd, Ost- oder West­bran­den­burg, ich habe alles ver­schlun­gen.
Ich finde, dass Infori­ot eine extrem wichtige Struk­tur, auch in social media dominierten Zeit­en, ist. Obwohl jün­gere Men­schen mit­tler­weile oft gar nicht mehr auf Web­seit­en gehen, weil Face­book alles bis in den Feed liefert, sind und bleiben Pro­jek­te wie Infori­ot struk­turell wichtig.“
 
Zum Abschluss erzählt Rachel ihre Geschichte zu Infori­ot:
„Als ich nach Bran­den­burg gezo­gen bin (Ja, bei IR gibt es Leute aus dem kap­i­tal­is­tis­chen West­en!), war Infori­ot meine erste Adresse, um zu schauen, was in mein­er neuen (Provinz-)Heimatstadt so geht. Die Über­sicht über Grup­pen und Pro­jek­te war ein guter Ein­stieg.
Um so cool­er, dass ich jet­zt Teil des Redak­tion­skollek­tives sein kann! Ger­ade wenn men­sch noch nicht so einge­bun­den ist, sei es, weil men­sch neu in der Region oder frisch poli­tisiert ist, ist eine lan­desweite Plat­tform enorm hil­fre­ich, um sich zu ori­en­tieren.“
 
Feiert mor­gen, 17.11.2018, mit uns zusam­men im Spar­ta­cus den Infori­ot-Geburt­stag. Wir freuen uns!
 

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