6. März 2005 · Quelle: MOZ

Integration in Theorie und Praxis

(MOZ, 4.3.) Straus­berg (MOZ) Die Inte­gra­tion von Zuwan­der­ern ist The­ma ein­er aktuellen
Stunde in der näch­sten Stadtverord­neten­ver­samm­lung. Inof­fiziell wurde
bere­its bekan­nt, dass in Straus­berg ein Asyl­be­wer­ber­heim ein­gerichtet werden
soll. Die Bun­deswehr ist unter­dessen bemüht, mit ein­er Zusam­me­nar­beit mit
dem Sozial­park Märkisch-Oder­land die Inte­gra­tion deutschstämmiger
Spä­taussiedler zu fördern. 

“Das Luft­waf­fe­naus­bil­dungs­batail­lon ist neu am Stan­dort Straus­berg und
dieses Gefühl, in Straus­berg neu zu sein, das verbindet Sie mit uns. Deshalb
möcht­en wir uns heute Ihnen als Mit­bürg­er der Stadt Straus­berg vorstellen
und Sie ken­nen ler­nen.” Mit diesen Worten brach Leut­nant André Knappe gleich
zur Begrüßung das Eis bei der ersten Begeg­nung von Luft­waf­fen­sol­dat­en mit
Spä­taussiedlern ihrer Garnisonstadt. 

In den Sozial­park Märkisch-Oder­land sind dieser Tage sechs Sol­dat­en, vom
Gefre­it­en bis zum Leut­nant, alle aus der 18. Kom­panie des
Aus­bil­dungs­batail­lons, gekom­men. “Kreativ für Tol­er­anz” heißt das Projekt,
das im Rah­men der Teil­nahme am Vic­tor-Klem­per­er-Jugendwet­tbe­werb von André
Knappe betreut wird. Speziell für die Straus­berg­er Sol­dat­en geht es um
Inte­gra­tion und Tol­er­anz in Strausberg. 

Schon eine Woche zuvor hat­ten die teil­nehmenden Sol­dat­en in einem
zweistündi­gen Sem­i­nar in der Barn­im-Kaserne das The­ma Tol­er­anz erörtert.
Unter Leitung von Haupt­mann Detlef Buch beschäftigten sie sich mit
the­o­retis­chen Grund­la­gen und zahlre­ichen Fall­beispie­len. Die Prax­is aber
liegt fast vor ihrer Tür. Schließlich ist der Sozial­park Märkisch-Oderland
im Bürg­er­haus des Wohnge­bi­ets Hegermüh­le keine zwei Kilo­me­ter vom
Kaser­nen­tor entfernt. 

Nach einem Rundgang durch die Räume des haupt­säch­lich durch ehrenamtliches
Engage­ment betriebe­nen und unter Geschäfts­führung von Edel­gard Neukirch
ste­hen­den Vere­ins stand die Begeg­nung mit rund 15, zumeist älteren
Spä­taussiedlern auf dem Pro­gramm. Doch zunächst über­rascht­en Kinder die
Sol­dat­en mit ihrem glock­en­hellen Gesang rus­sis­ch­er und deutsch­er Lieder. Das
rührte die Sol­dat­en sehr und unter­strich die Mühen von Seit­en des
Sozial­parks. André Knappe berichtet: “Bei Kaf­fee und Kuchen erfuhren wir,
wie es den Aussiedlern in ihrer ehe­ma­li­gen Heimat Rus­s­land ergan­gen ist und
wie sich die Rück­kehr in die neue Heimat Straus­berg mit all ihren Problemen
vol­l­zog.” Dabei hät­ten sich die Worte ein­er Frau beson­ders eingeprägt: “Wir
sind zurück in unser­er eigentlichen Heimat und hof­fen, unsere endgültige
Heimat in Straus­berg gefun­den zu haben.” 

Aus dem Pro­jekt entwick­elt sich jet­zt ein andauern­des Engage­ment der
Bun­deswehr am Stan­dort. Haupt­mann Buch und Leut­nant Knappe wer­den darüber in
der näch­sten Stadtverord­neten­ver­samm­lung am 10. März bericht­en. Außerdem
sollen dort die PDS-Stadtverord­nete Tama­ra Kling, selb­st Aussiedlerin,
Elvi­ra Ziese vom Sozial­park MOL, der Leit­er des Jugend- und Sozialamtes
Märkisch-Oder­land Thomas Bödu­el und Pfar­rer Ekke­hard Kirch­n­er vom
Arbeit­skreis gegen Gewalt und Frem­den­feindlichkeit zum The­ma Inte­gra­tion von
Zuwan­der­ern sprechen. 

Auf Inter­esse dürften beson­ders die Aus­führun­gen des Amt­sleit­ers aus Seelow
stoßen, denn das Lan­drat­samt plant, schrit­tweise das Asyl­be­wer­ber­heim im
Roten Luch von Wald­siev­ers­dorf außer Betrieb zu nehmen und stattdessen ein
solch­es Durch­gang­sheim im Straus­berg­er Stadt­ge­bi­et einzuricht­en. Bis­lang gab
es dazu nur Infor­ma­tio­nen hin­ter ver­schlosse­nen Türen, weil die
ver­traglichen Voraus­set­zun­gen mit dem Eigen­tümer der vorgesehenen
Liegen­schaft noch nicht geschaf­fen seien, bestätigte Thomas Bödu­el gestern
auf Anfrage der MOZ. Hin­ter­grund der Ver­lagerung sei nicht zulet­zt die
Abgeschieden­heit des Roten Luchs, wo kaum noch von Inte­gra­tion gesprochen
wer­den könne.

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