28. Februar 2008 · Quelle: Initiative für Begegnung

Integration wird machbarer!

Ver­schiedene Flüchtlingsini­tia­tiv­en der Stadt Pots­dam, darunter die Ini­tia­tive für
Begeg­nung, die stu­den­tis­che Hausauf­gaben­hil­fe und die Kinder­freizeit­gruppe
begrüßen die Bere­itschaft der Arbeit­er­wohlfahrt (AWO), eine zunächst ein­jährige
Ver­tragsver­längerung für den Stan­dort Lerchen­steig zu akzep­tieren. „Damit wird die
Grund­lage für inte­gra­tionspoli­tis­che Verbesserun­gen gelegt. Nun kommt es darauf
an, die gewonnene Zeit zu nutzen, um die best­mögliche Unter­bringung der bish­er
weit außer­halb des Stadtzen­trums unterge­bracht­en Asyl­be­wer­berIn­nen zu find­en.“,
heißt es in ein­er Erk­lärung der Ini­tia­tiv­en.

Die Ini­tia­tiv­en weisen Vor­würfe ver­ant­wor­tungslos­er Forderun­gen von der
Sozial­beige­ord­neten Frau Elona Müller entsch­ieden zurück. „Seit Monat­en ver­suchen
wir, eine Verbesserung für die Wohn­si­t­u­a­tion der Flüchtlinge mit dem aus­laufend­en
Ver­trag anzure­gen, stießen aber auf wenig Gehör. Als in der
Stadtverord­neten­ver­samm­lung die jet­zt anvisierte Lösung mit Stim­men­gle­ich­heit
scheit­erte, sahen wir uns gezwun­gen, eine öffentliche Diskus­sion anzus­toßen. Wir
haben nie gefordert, das Heim ersat­z­los und sofort zu schließen. Wir haben
angemah­nt, das anste­hende Ver­tragsende zu nutzen, um eine Verbesserung der
Wohn­si­t­u­a­tion zu erre­ichen.“, erk­lären die Ini­tia­tiv­en der Postkarte­nak­tion.

Ein Sprech­er kom­men­tiert: „Dass Men­schen über Jahre an solch einem Stan­dort
zwang­sun­terge­bracht wer­den ist die eigentliche Ver­ant­wor­tungslosigkeit.
Anscheinend hat die Stadt rechtzeit­ig erkan­nt, dass eine kurzfristig über das Knie
gebroch­ene €paweite Auss­chrei­bung keine ele­gante Lösung sein kann.“

Auch AWO-Chefin Frau Basekow beze­ich­nete die Protes­tak­tion als „hart an der
Gren­ze“. Wir sind einiger­maßen ver­wun­dert, dass Frau Basekow aus der
Postkarte­nak­tion Unter­stel­lun­gen gegen die AWO und ihre Mitar­bei­t­erIn­nen ableit­et.

Die AWO ist mit keinem Wort erwäh­nt, die Kri­tik richtet sich auss­chließlich gegen
den Heim­stan­dort Lerchen­steig.
„Die Inter­essen des Betreibers zie­len natür­lich auf langfristige Sicherung der
Ein­nah­men ab. Das darf aber nicht auf Kosten der Bewohner­In­nen gehen, die nicht
für jahre­lange Warteschleife ihrer Asylver­fahren ver­ant­wortlich sind.“, so der
Sprech­er weit­er.

Die Ini­tia­tiv­en arbeit­en ehre­namtlich und ohne finanzielle Inter­essen an
irgendwelchen Unter­bringungs­for­men. „Es ist uns aus zeitlichen und finanziellen
Mit­teln nur eingeschränkt möglich, uns neben der eigentlichen ehre­namtlichen
Arbeit auch noch mit der Stadt auf der poli­tis­chen Ebene auseinan­derzuset­zen.
Diese Möglichkeit haben wir genutzt, wir hat­ten aber nicht wirk­lich das Gefühl,
dort ernst genom­men zu wer­den. Für ehre­namtliche Ini­tia­tiv­en ist dann die let­zte
Möglichkeit, den Weg über die Öffentlichkeit zu suchen.“, heißt es in der
Erk­lärung der Ini­tia­tiv­en. Und weit­er: „Es wäre schön­er, wenn das aus­geprägte
sozial-ver­ant­wor­tungsvolle Han­deln der beteiligten Ini­tia­tiv­en auch mal öffentlich
gewürdigt würde.“

Kon­takt: Ini­tia­tive für Begeg­nung

Erk­lärung zu den Ini­tia­tiv­en:

Die Ini­tia­tive für Begeg­nung organ­isiert seit Jahren regelmäßige Din­ner im
Lerchen­steig, um Pots­damerIn­nen und Heim­be­wohner­In­nen eine Kom­mu­nika­tion­splat­tform
zu bieten, die Aus­gangspunkt für zahlre­iche soziale Kon­tak­te sind. Somit wird das
Erler­nen von Sprache unter­stützt und es haben sich vielfältige Möglichkeit­en
indi­vidu­eller Unter­stützung entwick­elt. Damit soll die Iso­la­tion der weit
außer­halb des städtis­chen Lebens unterge­bracht­en Men­schen aufge­brochen wer­den.
Außer­dem betreibt die Gruppe immer wieder Öffentlichkeits- und Infor­ma­tion­sar­beit
zu The­men rund um Migra­tion, Asyl und Anti­ras­sis­mus.

Die Kinder­freizeit hält eben­falls seit Jahren eine ehre­namtliche Kinder­be­treu­ung
im Lerchen­steig offen. Ziel ist es, die Kinder ihre äußerst schwierige soziale
Sit­u­a­tion vergessen zu lassen. Die Ent­fer­nung zur Innen­stadt macht außer­schulis­che
Aktiv­itäten qua­si unmöglich. Die Kinder­freizeit organ­isiert Aktiv­itäten im Heim
und Aus­flüge zu Ein­rich­tun­gen für Kinder.

Die Hausauf­gaben­hil­fe füllt eben­falls ehre­namtlich Lück­en in der Förderung von
Kindern aus Flüchtlings­fam­i­lien. Auf­grund der rechtlichen und sozialen Stel­lung
dieser Fam­i­lien ist es wichtig, kosten­lose und wohnort­na­he Ange­bote zu
unter­bre­it­en. An ver­schiede­nen Orten im Stadt­ge­bi­et haben Kinder aus
Flüchtlings­fam­i­lien die Möglichkeit, Unter­stützung bei Hausauf­gaben und der Nach-
und Vor­bere­itung des Unter­richts zu erhal­ten.

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