30. September 2005 · Quelle: MAZ

Irritationen um Schönbohm

POTSDAM Im Som­mer stürzte Jörg Schön­bohm mit sein­er Sicht auf den Osten seine Partei ins Umfragetief. Dann ging die Wahl am 18. Sep­tem­ber für die bran­den­bur­gis­che CDU deut­lich ver­loren. Die nur 20,6 Prozent sind bun­desweit die “rote CDU-Lat­er­ne” und lösten in der märkischen Partei Kopfzer­brechen darüber aus, wie lange “der Alte” noch an ihrer Spitze ste­hen sollte. 

Bis zur Neuwahl der Parteiführung 2007? Oder muss er nach der verko­rk­sten Bun­destagswahl schon eher gehen? Der 68-Jährige wies jede Schuld am Wahlergeb­nis zurück, bemühte sich um Schadens­be­gren­zung und kon­terte mit einem Satz, den er offen­bar so gut fand, dass er ihn gle­ich mehrfach wieder­holte: “Über Rück­tritt spricht man nicht, man vol­lzieht ihn.” 

So ganz allerd­ings hält sich der Lan­desvor­sitzende nicht an dieses Ver­sprechen. Denn hin und wieder plaud­ert er ganz gern über seine poli­tis­che Zukun­ft und löst damit regelmäßig Irri­ta­tio­nen aus — in der Öffentlichkeit, aber vor allem in sein­er Partei. Er hätte bere­its einen Nach­fol­ger als Parte­ichef im Blick — nur den Namen wolle er nicht sagen, über­raschte Schön­bohm, als ging es um ein Rate-Quiz beim Kinderge­burt­stag. Später lässt er seinen Parteis­prech­er demen­tieren: Er bere­ite seinen Rück­zug nicht vor; er sei bis 2007 gewählt; er sei falsch ver­standen worden. 

Schön­bohms stille Hoff­nung war es immer, den Stab­wech­sel an einen Jün­geren zu übergeben — in ähn­lich­er Manier wie 2002 Man­fred Stolpe. Doch die Chan­cen ste­hen denkbar schlecht. Weil der Ex-Gen­er­al selb­st Anlass für Speku­la­tio­nen bietet und keinen durch­dacht­en Abmarsch­plan hat. Vor der Wahl sagte er, er wolle erst 2009 zur Land­tagswahl abtreten. Dann hieß es wieder, er sei zunächst bis 2007 gewählt — alles weit­ere sei offen. Dass sein “Kro­n­prinz” Ulrich Jung­hanns heißt, der im Kabi­nett Wirtschaftsmin­is­ter ist und ein­er sein­er vier Stel­lvertreter in der Partei, pfeifen die Spatzen längst von den Däch­ern. Bish­er hieß es, Schön­bohm “denke” über seine Nach­fol­ger nach, es gebe mehrere. Jet­zt gibt es offen­bar für Schön­bohm nur noch einen: Junghanns. 

Nur wann präsen­tiert er ihn? Jung­hanns, der als Mann des Aus­gle­ichs gilt, war von der Diskus­sion über­rascht wor­den und ist darüber nicht glück­lich. Er befürchtet, im Stre­it um die Nach­folge zer­rieben und beschädigt zu wer­den. “Wenn andere spekulieren, dann kann ich das nicht ver­hin­dern — beteili­gen werde ich mich daran nicht”, sagte er nur. CDU-Gen­er­alsekretär Sven Petke meinte zu den Chan­cen von Jung­hanns: “Klar ist: Jung­hanns ist DER Vertreter Schönbohms.” 

Viele Fra­gen bleiben offen und erweck­en den Ein­druck eines unge­ord­neten Ver­fahrens. Über allem schwebt auch noch Schön­bohms Traum, von Angela Merkel als Bun­desvertei­di­gungsmin­is­ter gerufen zu wer­den. Jung­hanns wäre zunächst nur ein Dauer-Kro­n­prinz in Wartestel­lung — der näch­ste Parteitag ist erst 2007. Sollte er davor Parte­ichef wer­den, müsste Schön­bohm den Weg frei machen. Doch einen Son­der­parteitag lehnte er erst vor weni­gen Tagen ab. Zur Aufar­beitung der Wahlschlappe find­en zwei Region­alkon­feren­zen statt. Unklar ist auch, ob Schön­bohm nur als Parte­ichef gin­ge. Bleibt er als Min­is­ter im Kabi­nett, dro­ht dort ein Gerangel, wer für die CDU das Sagen hat: Parte­ichef Jung­hanns oder Schönbohm.

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