15. März 2013 · Quelle: Antifaschistische Recherche_Potsdam//Umland

Jens Knöchel — Potsdamer Neonazi als Bundesfreiwilligendienstler

Lokale Presse befragt Neonazi als Beispiel für einen “optimalen” Bundesfreiwilligendienstler

Am 8. März 2013 berichteten die “Märkische All­ge­meine Zeitung” und die “Pots­damer Neueste Nachricht­en” über den Bun­des­frei­willi­gen­di­enst (BFD) in Pots­dam. [1] Als Beispiel für einen “opti­malen” Bun­des­frei­willi­gen­di­en­stler wird der 36-jährige Pots­damer Jens Knöchel befragt. Er gibt an, “gern draußen in der Natur” zu sein und möchte sich beru­flich neu ori­en­tieren. Zuvor war er im Baugewerbe tätig.
Was MAZ und PNN möglicher­weise nicht wis­sen, ist, dass sie dadurch mal wieder einen Neon­azi als Sauber­mann präsen­tieren.
Jens Knöchel ist seit spätestens 2005 in der Pots­damer Neon­aziszene unter­wegs.
Er besuchte zusam­men mit Berlin­er und Pots­damer Neon­azis die “Chamäleon-Prozesse” am Amts­gericht Pots­dam im Früh­som­mer 2005. Damals ver­sucht­en die Neon­azis durch mas­sive Präsenz, antifaschis­tis­che Prozessbeobachter_innen sowie Zeug_innen einzuschüchtern. Im Zuge dessen kam es auch zu gewalt­täti­gen Über­grif­f­en. Jens Knöchel war an diesen Aktio­nen direkt beteiligt.
Knöchel nahm an mehreren Neon­azi­aufmärschen teil. Zu sehen war er unter anderem am 03.03.2003 in Halbe, am 16.06.2006 in Rathenow, am 21.10.2006 in Berlin, am 06.10.07 in Königs Wuster­hausen, am 01.12.2007 in Berlin-Rudow sowie am 29.12.2007 in Sten­dal. Auch wenn er seit­dem weniger an neon­azis­tis­chen Demon­stra­tio­nen teil­nahm, zog er sich nicht aus der Pots­damer Neon­aziszene zurück. Im April 2011 etwa bepö­belte er einen antifaschis­tis­chen Jugendlichen in der Nähe des Haupt­bahn­hofes.

Zum wieder­holten Male berichteten die lokalen Medi­en also über Per­so­n­en, die ein­deutig der neon­azis­tis­chen Szene zuzurech­nen sind. Bere­its im let­zten Früh­jahr wiesen wir auf den Neon­azi und Cheer­leader Mario Schober sowie den Neon­azikad­er und Ama­teur-Fußballer Thomas Pecht hin, über die die Pots­damer Presse unre­flek­tiert berichtete. [2]
Auch dies­mal wäre es möglich gewe­sen, durch das Nutzen ein­er Inter­net­such­mas­chine Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen über Jens Knöchel zu erlan­gen und somit die Berichter­stat­tung anzu­passen. Beispiel­sweise wird in der drit­ten Aus­gabe der Antifaschstis­chen Recherche-Broschüre “Fight Back” über Knöchel und sein neon­azis­tis­ches Umfeld (“Anti-Antifa Pots­dam”) berichtet. [3]

Das ist mein Ding”

Das Inter­esse von Knöchel am BFD beim “Team Gar­tendenkmale” lässt sich im Kon­text der Aktiv­itäten der Pots­damer Neon­aziszene dur­chaus ernst nehmen und in einem entsprechen­den ide­ol­o­gis­chen Rah­men betra­cht­en. So gehören Putza­k­tio­nen von Kriegs­denkmälern seit Jahren zum Aktion­sreper­toire der hiesi­gen Szene. Diese wer­den dann entsprechend pro­pa­gan­dis­tisch im Inter­net auf­bere­it­et; zum Beispiel bezüglich der Bom­bardierung Pots­dams am 14.04.1945. Hierzu schrieben die “Freie Kräfte Pots­dam” am 14.04.2011: “Deshalb war es uns wichtig, vor der Bomben­nacht die auf den Neuen Fried­hof ste­hen­den Mah­n­male zu reini­gen. Um unseren Toten am 14.April würdig zu gedenken […] Wir reinigten mit Wass­er und Bürste das Denkmal und schnit­ten die über­ra­gen­den Äste ab. […] Bei den seitlich ste­hen­den Gran­itkreuzen sam­melten wir wild umher­liegende Äste auf, und entsorgten sie fachgerecht.
Das zweite Bombenopfer­ehren­feld liegt nicht weit ent­fer­nt […] Wir reinigten auch dieses Denkmal von oben bis unten, denn nie­mand son­st macht sich die Arbeit. […] Es kann kein Denkmal oder Grab­stein die wahrhafti­gen Leis­tun­gen unser­er Ahnen wider­spiegeln. Denkmäler sind nicht nur Mah­n­er son­dern auch Danksa­gun­gen an unsere Toten.” [4]
Knöchels Äußerung – “Das ist mein Ding”[5] – dürfte ver­mut­lich nicht nur auf seine Tätigkeit­en beim BFD, son­dern auch auf die Aktions­form sowie inhaltliche Aus­rich­tung der “FKP”, zutr­e­f­fen.
Das Antifaschis­tis­che Pressearchiv Pots­dam zählt in seinen Chroniken in den ver­gan­genen drei Jahren min­destens 40 Aktio­nen, die einen Bezug zu Gedenkver­anstal­tun­gen haben. Darunter Putza­k­tio­nen, Pro­pa­gan­daak­tio­nen, Demon­stra­tionsteil­nah­men und interne Kundge­bun­gen. [6]

[1] http://www.pnn.de/potsdam/731549/ und http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12482568/60709/Landeshauptstadt-vergibt-erneut-Gaertner-Stellen-fuer-den-Bundesfreiwilligendienst.html
[2] http://arpu.blogsport.eu/2012/02/20/cheer-for-ns-potsdamer-neonazi-mario-schober/; http://arpu.blogsport.eu/2012/02/22/neonazi-mario-schober-mehr-als-unglaubwurdig-verein-verharmlosend/; http://arpu.blogsport.eu/2012/03/27/thomas-pecht-volkssport-fur-die-volksgemeinschaft/; http://arpu.blogsport.eu/2012/06/04/schober-und-pecht-noch-immer-etabliert-vereine-hofieren-neonazis/
[3] http://apap.blogsport.eu/files/2013/02/fight_back_03.pdf
[4] http://infoportal-potsdam.net/ab11.html
[5] http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12482568/60709/Landeshauptstadt-vergibt-erneut-Gaertner-Stellen-fuer-den-Bundesfreiwilligendienst.html
[6] http://apap.blogsport.eu/

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