19. März 2007 · Quelle: TAZ

Jubel, Trubel — Unverständnis

POTSDAM taz Polemik ist immer gefährlich. Polemik kann ein The­ma kaum der­art kom­mu­nizieren, dass alle Zusam­men­hänge klar wer­den. Die satirische Jubelde­mo zum Abschluss des G‑8-Umwelt­min­is­tertr­e­f­fens in Pots­dam schien das am Sam­stag zu bestätigen.

Unter dem Mot­to “Gemein­sam die Welt zer­stören — den G 8 unter die Arme greifen” hat­te das Pots­damer-Anti-G-8-Bünd­nis zur Demon­stra­tion aufgerufen. Diesem Bünd­nis gehören unter anderem Attac oder die Kam­pagne gegen Wehrpflicht an. 600 Men­schen zogen nach Angaben der Ver­anstal­ter durch die bran­den­bur­gis­chen Lan­deshaupt­stadt. Laut Polizei waren es allerd­ings nur 150 Teil­nehmer. Der Zug zum Tagung­sort der Min­is­ter — dem Cecilien­hof — war für Hol­ger Zschoge, Sprech­er des Bünd­niss­es, den­noch ein Erfolg: ” Wir sind die Punktsieger.” 

Um den satirischen Charak­ter außer­dem zu unter­stre­ichen, wur­den die Teil­nehmer um the­ma­tis­che Verklei­dung gebeten. Clowns (“Poli­tik­er”) und Frack­träger (“Man­ag­er”) befan­den sich aber in der Min­der­heit. Satirische Trans­par­ente gab es dafür ungle­ich mehr: “G 8 — I´m lovin´ it” oder “Geil, dass ihr die Welt kaputt macht”, war zu lesen. “Wir wollen, dass solche Tre­f­fen der G 8 nicht mehr stat­tfind­en”, erk­lärte Aktivist Zschoge. Diese seien reine PR-Shows, und außer­dem fehle der G 8 jegliche demokratis­che Legit­i­ma­tion. Nach dem genauen Grund ihres Protest­marsches befragt, stimmten allerd­ings nicht alle Demon­stran­ten mit den Ver­anstal­tern übere­in: “Wir sind nicht konkret gegen die G 8, aber wir sagen, ob die sich tre­f­fen oder nicht, die Umweltzer­störung wird sowieso weit­erge­hen”, sagte Michael Koschitz­ki von der Sozial­is­tis­chen Alter­na­tive (SAV). Eine Stu­dentin ist der Mei­n­ung, dass bei den Beschlüssen der Min­is­ter auch die Schwellen­län­der mitein­be­zo­gen wer­den müssten. Dass in diesem Jahr zum ersten Mal auch fünf Schwellen­län­der an dem Tre­f­fen teil­nehmen, ist noch nicht bis zu ihr vorge­drun­gen. Der 19-jährige Mar­tin weiß gar nicht genau, worum es geht. “Ich bin auf Bewährung aus dem Knast, hat­te aber Lust auf Demo.” Mar­tin immer­hin trägt ein Jack­ett. Aber das trägt er sowieso immer. 

Eine Absicht der Demon­stra­tion hat das Bünd­nis aber den­noch erre­icht. Zschoge for­mulierte es so: “Wir woll­ten den Men­schen eine Plat­tform zur kreativ­en Auseinan­der­set­zung mit der G 8 bieten.” 

Gewohnt ein­deutig ver­suchte dage­gen Green­peace gegen das G‑8-Umwelt­min­is­tertr­e­f­fen zu protestieren. Mit ihrem Schiff “Bel­u­ga” waren sie auf dem Jungfernsee vor dem Tagung­sort aufgekreuzt. Allerd­ings miss­lang das: Nach einem Platzver­weis der Polizei brach Green­peace die Aktion ab.

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