30. Juli 2008 · Quelle: Berliner Zeitung

Jüdischer Friedhof Cottbus geschändet

COTTBUS/FRANKFURT (ODER). Zwei anti­semi­tis­che Vor­fälle im Land Bran­den­burg meldete gestern die Polizei. In Cot­tbus wurde der jüdis­che Fried­hof geschän­det, und in Frank­furt (Oder) gin­gen bei der jüdis­chen Gemeinde und bei ein­er Zeitung Dro­hbriefe ein.

Gegen 8 Uhr ent­deck­ten Fried­hof­s­mi­tar­beit­er in Cot­tbus, dass zwölf Grab­steine auf dem jüdis­chen Fried­hof umgestoßen und dabei teil­weise beschädigt wor­den sind. Der Sach­schaden wird auf 5 000 Euro bez­if­fert. “Bis­lang haben wir noch keine Spur zu den Tätern”, sagte Polizeis­prech­er Berndt Fleis­ch­er.

Der Süd­fried­hof ist der größte Fried­hof von Cot­tbus. Ein klein­er Teil dient seit Anfang des 20. Jahrhun­derts als jüdis­ch­er Fried­hof. Seit eini­gen Jahren find­en dort wieder Beerdi­gun­gen statt. Die 1998 wiederge­grün­dete jüdis­che Gemeinde hat 350 Mit­glieder, die alle aus der ehe­ma­li­gen Sow­je­tu­nion stam­men.

Ober­bürg­er­meis­ter Frank Szy­man­s­ki (SPD) verurteilte die Tat. “Ein Angriff auf die Jüdis­che Gemeinde ist ein Angriff auf alle Cot­tbuser”, ließ er mit­teilen. Er hat­te erst vor eini­gen Tagen mit der Gemeinde über deren Förderung gesprochen. Szy­man­s­ki ver­sprach, dass die Stadt die Wieder­her­stel­lung der Gräber unbürokratisch unter­stützen werde. “Ungewöhn­lich ist, dass dies­mal keine Hak­enkreuzschmier­ereien oder ähn­lich­es im Umfeld gefun­den wor­den”, sagte Polizeis­prech­er Fleis­ch­er. Dies sei bish­er bei anti­semi­tisch motivierten Tat­en meist der Fall gewe­sen.

In Frank­furt (Oder) ermit­telt die Polizei eben­falls. “Es sind zwei Briefe mit anti­semi­tis­chem Inhalt einge­gan­gen”, sagte der Sprech­er der Staat­san­waltschaft, Michael Neff. Ein Brief ging an eine Zeitung, der andere an die jüdis­che Gemeinde. Ein Brief soll in Nürn­berg abgestem­pelt wor­den sein — so wie die vier Briefe mit Hak­enkreuzschmier­ereien und Dro­hun­gen, die in diesem Jahr bere­its in der jüdis­chen Gemeinde einge­gan­gen sind. Dort war Mitte Juli auch einge­brochen und der Com­put­er des Gemein­de­vor­sitzen­den gestohlen wor­den.

Unsere Recherche hat ergeben, dass ähn­liche Briefe mit anti­semi­tis­chem Inhalt wie in Frank­furt auch in anderen Teilen Bran­den­burgs aufge­taucht sind”, sagte Neff.

Bis­lang haben wir noch keine Spur zu den Tätern.” Berndt Fleis­ch­er, Polizeis­prech­er

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