3. Oktober 2018 · Quelle: TAZ

Jugendliche in Ostdeutschland: Wir waren wie Brüder

Unser Autor ist vor Neonazis weggelaufen und er war mit Rechten befreundet. In den Neunzigern in Ostdeutschland ging das zusammen. Und heute?

Unser Autor ist vor Neon­azis wegge­laufen und er war mit Recht­en befre­un­det. In den Neun­zigern in Ost­deutsch­land ging das zusam­men. Und heute?
Die eigene Hässlichkeit kann ein Rausch sein. Wenn man sie umarmt und das Grauen in den Gesichtern der­er sieht, die einen beobacht­en und ver­acht­en, aber sich nicht an einen her­antrauen, dann strömt Macht durch die Adern wie elek­trisch­er Strom.
Als ich bei über hun­dert Kilo­me­tern pro Stunde einem BMW hin­ter uns auf die Motorhaube pisse, spüre ich diese Macht. Als ich da im Dachfen­ster ste­he, die Hose bis zu den Ober­schenkeln herun­terge­lassen, sehe ich das große weiße Gesicht des Fahrers: Die Augen geweit­et, vor Schreck, Entset­zen, Empörung, bläht es sich auf wie ein Bal­lon, ich würde gern mit ein­er Nadel hineinstechen.
Ich bin neun­zehn, ich bin zehn Meter groß und acht Meter bre­it, ich bin unverwundbar.
Als am 27. August 2018 Män­ner mein­er Gen­er­a­tion, so um die vierzig, in Chem­nitz einen „Trauer­marsch“ ver­anstal­ten und einige ihre nack­ten Hin­tern in die Kam­eras hal­ten, wie man es bei YouTube sehen kann, denke ich an meine Auto­bah­n­fahrt. Als schwere Män­ner Hit­ler­grüße zeigen und Men­schen angreifen, deren Haut­farbe ihnen nicht passt, als die Polizis­ten nicht ein­schre­it­en, bin ich paralysiert, als würde etwas Dun­kles hochkom­men, von dem ich dachte, ich hätte es hin­ter mir gelassen. Aber ich erin­nere mich auch an diesen Mach­trausch, den Kick, wenn du jeman­dem klar­ma­chst: Regeln? Und was, wenn ich auf deine Regeln scheiße, mein Fre­und? Was dann?
Ich sehe Chem­nitz und frage mich: Was habt ihr mit mir zu tun? Was ich mit euch?
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