3. Dezember 2005 · Quelle: ND

Julias Prozess frühestens im nächsten Jahr

Die let­zte Durch­sage, die Julia S. in der Jus­tizvol­lzugsanstalt Luck­au-Duben hörte, war die Auf­forderung, die Klin­gel zu drück­en, wenn man zum Sport wolle. Julia drück­te die Klin­gel. Das Wach­per­son­al ließ sie nicht zum Sport, weil es einen tele­fonis­chen Hin­weis gab, dass an diesem Tag noch »jemand« ent­lassen wird. »Jemand« war Julia. Nach vier Monat­en kam sie aus der Unter­suchung­shaft frei. 

Das war vor ein­er Woche. Gestern berichtete sie im stu­den­tis­chen Zen­trum in Pots­dam auf ein­er Pressekon­ferenz von der Haft. Der 22-Jähri­gen wirft die Pots­damer Staat­san­waltschaft vor, am 18. Juni gemein­sam mit vier weit­eren Per­so­n­en aus der linken Szene einen 17-jähri­gen rechts­gerichteten Jugendlichen mit einem Teleskop­schlag­stock am Kopf schw­er ver­let­zt zu haben. 

Julias Mut­ter erfuhr während ihres Urlaubs in Thai­land, dass ihre Tochter frei ist. Die Mut­ter ver­ste­ht nicht, warum es so lange dauerte. Die von der Staat­san­waltschaft angenommene Flucht­ge­fahr hält sie für nicht gerecht­fer­tigt. Ihre Tochter habe ein soziales Umfeld und eine Familie. 

Die Staat­san­waltschaft ermit­telt weit­er gegen Julia S. und die vier Mitbeschuldigten wegen ver­sucht­en Mordes aus niederem Beweg­grund. Nach Aus­sagen von Julias Recht­san­walt wird es früh­estens im näch­sten Jahr zum Prozess kom­men. Zu den Vor­wür­fen der Staat­san­waltschaft will sich Julia S. nicht äußern. Dafür berichtet sie von der Unter­suchung­shaft, von Willkür und Gän­geleien. So fehlte eines Tages ein Jäger­schnitzel. Schließerin­nen sucht­en nach Fettspuren, die sie auf die Spur des Schnitzeldiebes hät­ten brin­gen kön­nen. Schließlich wurde die Gefäng­nisküche zwei Tage abgeschlossen.

Die Unter­stützer von Julia S., die schon eine kleine Demon­stra­tion bis vor die Tore der Jus­tizvol­lzugsanstalt organ­isiert hat­ten, wollen weit­er Spenden sam­meln und Druck machen. Ihr Ziel ist es, dass alle fünf Verdächti­gen freige­sprochen werden. 


Spenden an die Rote Hil­fe Pots­dam, Post­bank Stuttgart, BLZ: 60 010 070, Kto.: 151 907 703, Ver­wen­dungszweck: Knastsoli 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Die Bürg­erini­tia­tive für ein Pots­dam ohne Gar­nisonkirche, die Mar­tin-Niemöller-Stiftung und der Vere­in zur Förderung anti­mil­i­taris­tis­ch­er Tra­di­tio­nen in der Stadt Pots­dam kri­tisieren die Krim­i­nal­isierung des legit­i­men Protests
Duben — Wider­stand und Organ­isierung im Keim erstick­en? Nicht mit Chris­tine, nicht mit uns! Ihr Bericht aus der JVA Luck­au-Duben zeigt auf, wie wider­ständi­ge Gefan­gene unter­drückt und eine Organ­isierung von Gefan­genen ver­hin­dert werden
Weil die Ver­hält­nisse immer noch so sind, wie sie sind, bleibt uns
nichts anderes übrig…
Wir — einige Aktivist*innen aus Pots­dam — haben eine neue linke,
antikap­i­tal­is­tis­che Gruppe namens “polar” gegründet

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot