5. Oktober 2005 · Quelle: MAZ

Junge Nazis, neue Kleider

KYRITZ Zu ein­er Infor­ma­tions- und Diskus­sionsver­anstal­tung mit dem Titel “Der Nazi neue Klei­der” am ver­gan­genen Fre­itag im Gel­ben Gewölbe des Ost­prig­nitz Jugend e. V. kamen etwa 40 über­wiegend junge Zuhör­er. Die Ver­anstal­terin, die Antifa-Gruppe Kyritz in Zusam­me­nar­beit mit der Linkspartei-PDS, hätte gerne einige Eltern und Lehrer mehr gese­hen. Denn die sicht­baren Zeichen sozialer Dif­feren­zierung­sprozesse in der neon­azis­tis­chen Jugend­kul­tur sind vielfältig. Wer wenig oder kein Insid­er­wis­sen von dieser Szene besitzt, läuft Gefahr, bes­timmte Entwick­lun­gen nicht oder eher ver­harm­losend zu erkennen.

Als Infor­mant und Mod­er­a­tor nach Kyritz gekom­men war Fal­co Schuh­mann. Der Bil­dungsref­er­ent und Pub­lizist beim Antifaschis­tis­chen Pressearchiv und Bil­dungszen­trum Berlin e. V. (apabiz e. V.) hielt einen etwa ein­stündi­gen Vor­trag. Dem schloss sich eine noch etwas län­gere Frage‑, Antwort- und Diskus­sion­szeit an. Der Vere­in von Fal­co Schuh­mann sam­melt seit Jahrzehn­ten möglichst alles, was von der Neon­aziszene und über sie pub­liziert wird. Was das offene Archiv hergibt, nutzen Besuch­er vor Ort. Bil­dungsar­beit sind deutsch­landweit Vorträge, Pro­jek­t­tage, Work­shops oder die Wahrnehmung von Lehraufträ­gen. Schuh­mann erk­lärte in Kyritz, dass der “klas­sis­che rechte Skin, mar­tialisch ausse­hend, kahlgeschoren, mit Bomber­jacke und Springer­stiefeln” eher nur noch Klis­chee­bild ist. Die bish­er typ­is­che Sym­bo­l­ik von Stahlhelm und Frak­turschrift weicht pop­pi­gen Bildern, so zum Beispiel mod­er­nen Tätowierun­gen und Flam­men­ze­ichen. In anderen Teilen der Szene über­wiegt der unüberse­hbare Trend zum “nor­malen” Out­fit junger Leute. Die let­ztlich ein­deuti­gen Sym­bole wer­den unauf­fäl­lig bis dezent getragen.

Der Ref­er­ent belegte das mit zahlre­ichen Folien und erk­lärte: “Neon­azis unter­wan­dern die anderen Jugend­kul­turen wie Punk, Rock­er, Gruftis, Hip-Hop & Co. Sie bewe­gen sich wie sie, klei­den sich so, hören ihre Musik. Und sie machen sich und ihre unverän­derten Ide­olo­gien mit mehr oder weniger Erfolg breit.”

Wer bei der Ver­anstal­tung war, weiß mehr über NS-Black Met­al und bis zu 30 Bands in Deutsch­land mit Gewalt ver­her­rlichen­den, radikalen Tex­ten. Disku­tiert wurde über die mit neuem Logo wieder erlaubten, in Berlin/Brandenburg beliebten “Thor Steinar-Klam­ot­ten” eben­so wie die Nutzung “ger­man­is­ch­er Bräuche”. Son­nen­wend­feiern, Runen­magie, geschicht­strächtige Märk­te und anderes kön­nen “Sche­unen­tore für die Naziszene” sein, lautete eine Schlussfol­gerung aus dem Abend. “Wir müssen darauf auf­passen, was Sym­bole aus­sagen, müssen acht­en auf die Über­nahme von Sym­bol­en poli­tis­ch­er Strö­mungen, auch die Beset­zung link­er Zeichen durch Neon­azis”, ori­en­tierte die Antifa-Gruppe zum Ende der Veranstaltung.

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