22. August 2017 · Quelle: JanzWeitDraussen Camp (JWD-Camp)

[JWD-Camp] Warum zur Hölle ein Camp in Cottbus?

LogVon 24. bis 27. August wollen wir gemein­sam eine gute Zeit beim JWD-Camp im Strom­bad in Cot­tbus ver­brin­gen. Cot­tbus liegt im Süden Bran­den­burgs und ist wahrschein­lich für viele Antifaschist*innen im Bun­des­land als Naz­i­hochburg bekan­nt. Aber auch das Bünd­nis Cot­tbus Naz­ifrei! dürfte eini­gen ein Begriff sein. Es gibt also Leute, die sich küm­mern und auch wenn Ras­sis­mus in Cot­tbus alltäglich ist, gibt es hier viel Schönes zu ent­deck­en.
Kurz notiert…
Cot­tbus ist, seit­dem in den let­zten Jahren ver­mehrt Geflüchtete die Stadt als Wohnort wählten, wieder eine Großs­tadt. Es leben dort ca. 100 000 Einwohner*innen. Bes­tim­mend für die Region ist der Kohleab­bau. Diese Großin­dus­trie wird im Zuge des Struk­tur­wan­dels hin zu umwelt­fre­undlicheren Energien weg­brechen, was für die Stadt eine große Her­aus­forderung darstellen wird. Schon jet­zt gibt es für junge Men­schen kaum Per­spek­tive. Obwohl es eine Uni­ver­sität und andere Bil­dung­sein­rich­tun­gen gibt, ziehen sie weg, um woan­ders zu studieren oder zu arbeit­en, weil die Bedin­gun­gen ander­norts bess­er sind. Ein recht typ­is­ches Phänomen für den Osten Deutsch­lands nach der Wiedervere­ini­gung.
Viele Nazis, aber…
Schon vor der Wende began­nen sich Neon­azis hier zu organ­isieren. Die Partei Deutsche Alter­na­tive stellte eine führende Kraft dar. Sie war maßge­blich für die pogro­mar­ti­gen Auss­chre­itun­gen im Stadt­teil Sach­sendorf, einem Plat­ten­bau­vier­tel im Süden der Stadt, wo auch das Geflüchteten­heim war, ver­ant­wortlich. Aber es ent­standen auch linke und alter­na­tive Struk­turen, wie z.B. das Haus­pro­jekt Zelle 79 mit dem Vere­in für ein mul­ti­kul­turelles Europa e.V., welch­es bis heute beste­ht.
So wie es immer eine recht große und mil­i­tante Nazis­szene in Cot­tbus gab, organ­isierten sich auch Men­schen, um ihnen etwas ent­ge­gen zu set­zen. Zudem tru­gen sie ihre Vorstel­lun­gen von einem schö­nen Leben abseits von Leis­tungszwang und Selb­stop­ti­mierung in die Gesellschaft, so dass in Cot­tbus einige sub­kul­turelle Ange­bote zu find­en sind. Da gibt es den alter­na­tiv­en Club Chekov, der an das Campgelände angren­zt und in dem wir auch feiern wer­den. Im Nord­kiez find­et ihr die Galerie Fan­go, wo junge Men­schen ehre­namtlich Ausstel­lun­gen organ­isieren und eine Bar betreiben, und den Kost-Nix-Laden, der auch mit einem Stand auf dem Camp vertreten sein wird.
Alter Scheiß weicht neuem Scheiß
Auf den Straßen mussten sich Antifaschist*innen vor Ort jährlich mit den „Trauer­märschen“ der NPD am 15. Feb­ru­ar, dem Tag der Bom­bardierung von Cot­tbus 1945, herum­schla­gen. Durch ein bre­ites Bünd­nis kon­nten diese Aufmärsche ver­hin­dert wer­den und in diesem Jahr ver­anstal­tete die Partei gar keine Demon­stra­tion mehr. Dafür marschiert seit Mai diesen Jahres der asylfeindliche Vere­in Zukun­ft Heimat alle zwei Wochen durch die Cot­tbuser Innen­stadt. Auch hier gab es seit­ens des Bünd­nis Cot­tbus Naz­ifrei! Gegen­proteste.
All­t­ag von Ras­sis­mus vergiftet
Mit dem Zuzug von Geflüchteten seit 2015 ist die Stim­mung in Cot­tbus zunehmend von Ras­sis­mus bes­timmt, welche sich auch in gewalt­täti­gen Über­grif­f­en zeigt. Laut dem Vere­in Opfer­per­spek­tive ist Cot­tbus bzw. Süd­bran­den­burg ein Hotspot für rechte Gewalt. Maßge­blich trägt zu dieser Sit­u­a­tion die mil­i­tante, neon­azis­tis­che Hooli­gan­szene bei. Infer­no Cot­tbus war, bis zu ihrer Selb­stau­flö­sung im Mai 2017, die größte rechte Ultra­gruppe des FC Energie Cot­tbus. Das Sta­dion, indem Infer­no zu Hause war, liegt übri­gens direkt gegenüber dem Campgelände. Diese Gewalt­täter tum­meln sich jet­zt unter bürg­er­lichem Anstrich bei Zukun­ft Heimat, neben Mit­gliedern der Iden­titären Bewe­gung, welche vor kurzem eine Orts­gruppe Cot­tbus grün­dete sowie AfDlern, die ihren Wahlkampf hier führen, alle­samt unter­stützt durch Pegi­da Dres­den.
Antifaschis­tis­ches Camp in Cot­tbus – yeah!
Ger­ade weil Neon­azis in Cot­tbus so präsent sind, ist es cool, dass das erste JWD-Camp in Süd­bran­den­burg statt find­et. Wir wollen damit ein Zeichen für ein sol­i­darisches Miteinan­der set­zen und Antifaschis­mus für junge Men­schen attrak­tiv machen. Vor allem möcht­en wir aber eine entspan­nte Zeit miteinan­der ver­brin­gen und es uns gut gehen lassen – dafür ist das an der Spree gele­gene Strom­bad ein sehr geeigneter Ort!
Also, kommt zum JWD-Camp vom 24.–27. August im Strom­bad Cot­tbus!
Bil­dung: http://www.jwd-camp.org/programm/bildung/
Kul­tur: http://www.jwd-camp.org/programm/kultur/
FAQs: http://www.jwd-camp.org/faq/
JWD-Camp 2017
www.jwd-camp.org
facebook.com/jwdcampbb

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