3. Juli 2005 · Quelle: MOZ

Kampf um Türsteherszene eskaliert

Eisen­hüt­ten­stadt (MOZ) Der bru­tale Über­fall auf die Diskothek am Trock­endock Fre­itag ver­gan­gener Woche ist aufgek­lärt. Gegen 17 Beteiligte wird nach Aus­sagen der Polizei ermit­telt, sechs Haft­be­fehle sind bere­its voll­streckt. Haupt­täter und Ans­tifter soll der 19-jährige Veit A. aus Eisen­hüt­ten­stadt sein, der trotz mehrfachen Vorstrafen eine Kar­riere bei der Bun­deswehr vor sich hat­te. Er hat ein volles Geständ­nis abgelegt. Das Motiv ist nach derzeit­igem Ken­nt­nis­stand ein Rache-Akt.

Wolf­gang Schu­mann ist mit seinen Ermit­tlern zufrieden. Der 1. Krim­i­nal­haup­tkom­mis­sar, zugle­ich Leit­er der Eisen­hüt­ten­städter Polizei­wache, kon­nte bere­its weniger als 48 Stun­den nach dem bru­tal­en Über­fall von 15 bis 20 Mask­ierten auf “Flocki‘s Mega-Diskothek” im Trock­endock erste Namen von Verdächti­gen notieren. Der Kreis der Tatverdächti­gen, die am Fre­itag ver­gan­gener Woche gegen 22.30 Uhr in die Disko ein­marschierten, auf die bei­den Türste­her und den DJ ein­prügel­ten, wurde schnell größer. Inzwis­chen ist er auf 17 junge Leute im Alter von 19 bis 27 Jahren angewach­sen, gegen sechs von ihnen sind bere­its Haft­be­fehle durch das Eisen­hüt­ten­städter Amts­gericht erlassen.

Beze­ich­nen­der­weise han­delt es sich beim Ans­tifter und mut­maßlichen Haupt­täter um den Jüng­sten aus der Gruppe: Veit A. ist 19 Jahre alt und Beruf­s­sol­dat in Kas­sel — gewe­sen. Vorbe­straft ist er bere­its zwei Mal wegen gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung und zwei weit­ere Male wegen Sachbeschädi­gung, was ein­er Kar­riere bei der Bun­deswehr schein­bar nicht im Wege stand. Veit A. gehört wie die anderen Tatverdächti­gen auch zu ein­er Grup­pierung, die sich selb­st “Haed Core” nen­nt. Auf etwa 50 Per­so­n­en schätzt Schu­mann diese Truppe, die der Polizei nicht ganz unbekan­nt ist, weil sie schon im “Beat-Club”, der ehe­ma­li­gen Gast­stätte “Oder­w­erft”, in der Guben­er Straße und in der benach­barten Tankstelle für Unruhe gesorgt hat. Auch bei Lan­desklasse-Spie­len des SV Vogel­sang. Darunter etliche Her­anwach­sende mit mehrfachen Vorstrafen sowie einige mit deut­lich rechter Orientierung.

Beim Über­fall auf das Trock­endock jedoch nen­nt die Polizei einen Racheakt als Aus­lös­er. Veit A. war bere­its zwei Tage vor dem Über­fall im Trock­endock aufge­taucht, um mit dem Betreiber der Diskothek darüber zu ver­han­deln, ob die “Haed Core”-Leute nicht for­t­an den Türste­herposten übernehmen kön­nten. Im “Beat Club” bekam die Truppe ange­blich keinen Fuß in die Türste­herszene und ver­suchte es nun im Trock­endock, wo Türste­her aus Frank­furt den Ein­lass regel­ten. Die Ver­hand­lung endete damit, dass Veit A. vor die Tür geset­zt wurde. Er schwor Rache, und nach Ansicht der Polizei hat­te dieser Racheschwur bis zum Fre­itag in der jugendlichen Szene Eisen­hüt­ten­stadts seine Runde gemacht, denn nur so erk­lären sich Polizei und Disko­be­treiber Falk Angrick gle­icher­maßen, dass aus­gerech­net an jen­em Fre­itag so gut wie keine Gäste in der Diskothek waren.

Der harte Kern der “Haed Core”-Truppe feierte — wie auch schon Tage zuvor — am Fre­itagabend an den Kies­gruben bei Vogel­sang. Aus der Party­laune her­aus, so sagt es Wolf­gang Schu­mann, kön­nte die Entschei­dung gefall­en sein, dass der Zeit­punkt der Abrech­nung gekom­men ist. Die Tatverdächti­gen fuhren in Bomber­jack­en und teil­weise mit Springer­stiefeln mit mehreren Autos vor, zogen sich Mützen und Kapuzen ins Gesicht und prügel­ten drauf los. Ein­er der Türste­her liegt nach wie vor mit schw­eren Ver­let­zun­gen im Frank­furter Kranken­haus. Den ent­stande­nen Schaden bez­if­fert die Polizei mit­tler­weile doch höher als zunächst angenom­men. “Mehrere tausend Euro kön­nen es schon sein”, sagt Schumann.

Bei all dem ist Schu­mann froh, diese Grup­pierung mit den Fes­t­nah­men zeit­ig zer­schla­gen zu haben. “Wir haben die Sicher­heit voll im Griff und arbeit­en auch gut mit der Staat­san­waltschaft zusam­men”, betont Schu­mann. Allerd­ings wün­scht sich der Wachen­leit­er der Polizei ein stärk­eres Engage­ment von Jugen­damt und Gewer­beauf­sicht in Jugen­dein­rich­tun­gen und Diskotheken. Die Betreiber, so Schu­mann, müssten spüren, dass es Kon­trollen gibt.

Durch die Auswer­tung aller Zeu­ge­naus­sagen und Details von Beschuldigten führt nun die Staat­san­waltschaft Frank­furt (Oder) gegen 17 Beteiligte Strafver­fahren wegen schw­eren Haus­friedens­bruch, Land­friedens­bruch, Kör­per­ver­let­zung, gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung und Sachbeschädi­gung. Einige von ihnen sitzen bere­its in Haft wegen Flucht- oder Verdunkelungsgefahr.

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