10. Juli 2007 · Quelle: Inforiot

Kein substanzieller Wandel

Auch Jahre später ist das Gefühl von Pot­zlow weit­er­hin in der Uck­er­mark präsent. Das Schick­sal von Mar­i­nus löste in der recht­sex­tremen Szene nicht etwa einen selb­stkri­tis­chen
Reflek­tion­sprozess aus. Im Gegen­teil — Pot­zlow taugt für sie als Meta­pher für die selb­st zugeschriebene Über­legen­heit, als Dro­hungsszenario, zur Unter­mauerung des eige­nen Vor­ma­cht­sanspruchs. 2006 etwa wurde ein
junger Punk von Recht­en ter­ror­isiert
. Er wurde beschimpft als “Punk-Fotze” und als “dreck­iger Jude”. Und ihm wurde ent­ge­gen gerufen: “Wenn du noch mal in War­nitz auf­tauchst, machen wir das­selbe wie mit Mar­i­nus!”

Dabei ist der organ­isierte Recht­sex­trem­is­mus in der Uck­er­mark an der Ober­fläche erstaunlicher­weise rel­a­tiv schwach. Am Auf­fäl­lig­sten ist eine Kle­in­gruppe namens “Nationale Aktivis­ten Uckermark/Prenzlau”, die sich recht rege auf Neon­azi-Demon­stra­tio­nen präsen­tiert und im Inter­net von ihren Akiv­itäten berichtet. Auch die NPD bemüht sich um den Auf­bau von Struk­turen. Im sub­kul­turellen Bere­ich gibt es unter anderem eine neon­azis­tis­che Black Met­al Band. Doch das Prob­lem ist — wie damals — weniger die Stärke recht­sex­tremer Agi­ta­tion son­dern es liegt in den Ein­stel­lungsmustern bei Teilen der Bevölkerung. Das reicht von der
Zus­tim­mung zu recht­en Parolen zur Bere­itschaft, bei recht­en Parteien an Wahlt­a­gen das Kreuzchen zu set­zen; bis hin zur Befür­wor­tung von dif­fus völkischen und faschis­tis­chen Ideen. Darin eingeschlossen ist das Pote­nial, diese Ide­olo­gie gewalt­tätig in die Tat umzuset­zen oder auch eigene Gewalt mit recht­sex­tremer Ide­olo­gie vor sich selb­st zu
legit­imieren. Es ist das weit­er wahrnehm­bare Macht­ge­bahren rechter Jugend­cliquen in der Uck­er­mark, das an Pot­zlow erin­nert. Nach dem Trinkge­lage auf dem
Dorffest kommt es zu Gewalt und wie selb­stver­ständlich ruft der Aggres­sor “Sieg Heil, ihr Idioten” und zeigt den Hit­ler­gruß.

Ein Aus­län­der­beauf­tragter in Schwedt, der ger­ade mal ein Viertel­jahrhun­dert in Deutsch­land lebt? Selb­st nach Pot­zlow — so resistent ist auch und ger­ade der dumpfeste Recht­sex­trem­is­mus — gibt es für so jeman­den
Anfein­dun­gen und Schläge zu befürcht­en
.

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