7. September 2005 · Quelle: MAZ

Keine Gespräche “mit denen”


Wie sollte mit der NPD umge­gan­gen wer­den? Louise-Schüler fordern inhaltliche Diskussion

ORANIENBURG Es ist Wahlkampf. Jede Partei präsen­tiert sich, ihre Ideen und
Visio­nen. Auch ist es selb­stver­ständlich, sich mit dem poli­tis­chen Gegner
inhaltlich auseinan­der zu setzen.

In Sachen NPD ist das jedoch anders. Die Schüler des Kurs­es Politische
Bil­dung in der 13. Klasse des Louise-Hen­ri­ette-Gym­na­si­ums hat­ten zum 15.
Sep­tem­ber alle Parteien zu einem Gespräch über Bil­dung und Wirtschaft
ein­ge­laden. Alle angeschriebe­nen Parteien sagten zu. Das jedoch nur unter
der Bedin­gung, dass die NPD nicht ein­ge­laden wird.

Der SPD-Kreistagsab­ge­ord­nete Karsten Peter Schröder will sich “mit denen
nicht an einen Tisch set­zen. Für mich und die SPD ste­ht diese Partei
außer­halb des demokratis­chen Spek­trums”, ergänzt er. Ähn­lich wie Schröder
argu­men­tiert Bär­bel Lange (Linkspartei-PDS): “Wir bieten jenen, die eine
aus­län­der­feindliche Posi­tion vertreten, keine Plattform.”

Die Absage der im Bun­destag vertrete­nen Parteien an die NPD ist deutlich.
Vielle­icht auch wegen solch­er Szenen: Hol­ger Apfel, Spitzenkan­di­dat der
säch­sis­chen NPD, musste von ZDF-Redak­teuren am Tag der Land­tagswahl im
Sep­tem­ber 2004 mit den Worten “Seien Sie still, seien Sie bitte still” das
Mikro­fon regel­recht entris­sen werden.

Einige der ein­laden­den Schüler find­en es jedoch wichtig, sich ger­ade mit der
NPD auseinan­der zu set­zen. Thomas Ney (18), Schüler im PB-Kurs 13, kann
nicht ver­ste­hen, wieso diese Diskus­sion nicht geführt wird: “Das ist genau
das, worauf die NPD set­zt: Eine inhaltliche Diskus­sion wird ihnen erspart.”
Richard Voigt (18), auch Schüler am Hen­ri­ette-Gym­na­si­um, sieht das ähnlich:
“Jed­er müsste sich das Wahl­pro­gramm der NPD durch­le­sen, um zu bemerken, was
für eine Scheiße da geschrieben ste­ht.” “Totschweigen hil­ft nicht!”, fügt
Franziska Risse (18) hinzu.

Dem gegenüber ste­hen jedoch die Erfahrun­gen beson­ders mit der sächsischen
NPD, die immer wieder ver­suchte, Diskus­sionsver­anstal­tun­gen als ein Forum
für ihre rechts-extreme Poli­tik zu instru­men­tal­isieren. Bei der Diskussion
im PB-Kurs sollte allerd­ings auch dies kri­tisch ange­merkt werden.

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