8. Oktober 2004 · Quelle: LR

Keine Wohnung für Ausländer?

(LR, 6.10.) Gegen einen Guben­er Woh­nungsver­wal­ter erhebt in diesen Tagen Abdul­lah
Cetinka­ja schlimme Vor­würfe. Er behauptet: “Weil ich Aus­län­der bin, bekam
ich eine Woh­nung nicht, obwohl sie mir schon zuge­sagt wor­den war.” Das
Unternehmen wehrt sich gegen die Anschuldigun­gen: “Da ist abso­lut nichts
dran, der Mann hat etwas völ­lig falsch ver­standen” , sagt der
Geschäfts­führer.

Seit fünf Jahren lebt Abdul­lah Cetinka­ja schon in Guben. Vier Jahre lang war
der 27-jährige Türke in einem Dön­ergeschäft angestellt. Er fühlt sich wohl
an der Neiße: “Ich hat­te bish­er noch nie Prob­leme damit, als Aus­län­der hier
zu leben” , sagt er. Die Prob­leme, die er hat­te, waren eher famil­iär­er
Natur. “Ja” , geste­ht Cetinka­ja unumwun­den, “ich habe deshalb fünf Monate im
Knast gesessen.”

Wieder auf freiem Fuß

Seit mehr als einem hal­ben Jahr ist er wieder auf freiem Fuß, und seit dem
sucht Abdul­lah Cetinka­ja eine Woh­nung. Im Sep­tem­ber bah­nte sich eine Lösung
an. Cetinka­ja inter­essierte sich für eine Ein-Raum-Woh­nung an der
Kaltenborner Straße, die von der Immobilien‑, Ver­mark­tungs- und Bauträger
GmbH (Ive­ba) ver­wal­tet wird. Die Chan­cen, die Woh­nung zu bekom­men, sahen aus
Sicht Cetinka­jas gut aus. “Ich durfte mir die Woh­nung schon anse­hen, habe
die Unter­la­gen aus­ge­füllt, und es war mit ein­er Mitar­bei­t­erin auch ein
Ter­min vere­in­bart, wann ich mir die Schlüs­sel abholen soll. Es war alles
klar.”

Doch die Hoff­nun­gen von Abdul­lah Cetinka­ja erfüll­ten sich nicht. Als er zwei
Wochen später wieder bei der Ive­ba vor­beis­chaute, wurde ihm mit­geteilt, dass
er die Woh­nung doch nicht bekommt. Auf die mehrfache Frage “Warum”” erhielt
er let­ztlich die Antwort: “Da hat gestern ein deutsch­er Kunde angerufen.”

“So etwas ist mir noch nicht passiert. Warum wird betont, dass es ein
deutsch­er Kunde ist” Warum wird nicht ein­fach gesagt, dass ein ander­er Kunde
die Woh­nung erhält? Das hätte ich prob­lem­los akzep­tiert.”

Der Eigen­tümer entschei­det

Dieter Zachow, Geschäfts­führer der Ive­ba, weist die Anschuldigun­gen weit von
sich. Ein solch­er Satz sei unter keinen Umstän­den gefall­en. “Der Mann hat
wahrschein­lich etwas nicht richtig ver­standen.” Zudem entschei­de nicht sein
Unternehmen, son­dern der Eigen­tümer, ob ein Inter­essent die Woh­nung erhält
oder nicht. “Wir sind lediglich der Ver­wal­ter.” Für die genan­nte Woh­nung
habe es viele Inter­essen­ten gegeben.

Falsch sei auch die Aus­sage von Abdul­lah Cetinka­ja, er habe den Schlüs­sel
abholen wollen. “Das wird bei uns generell nicht so prak­tiziert.”

Für den 27-Jähri­gen Cetinka­ja hat die Absage Kon­se­quen­zen. “Eine Arbeit
bekomme ich nur, wenn ich eine Woh­nung habe” , macht er den Zusam­men­hang
deut­lich. Derzeit ist ein Hotelz­im­mer sein Dom­izil.

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