16. Juli 2003 · Quelle: Junge Welt

Köpenickiade in Frankfurt an der Oder

Anti­ras­sis­tis­ch­er Polit­stre­ich vor 50000 Zuschauern: Protest gegen das Gren­zregime bei der 750-Jahr-Feier

Das unüber­schaubare Getüm­mel in der Innen­stadt von Frankfurt/Oder nutzten am let­zten Sam­stag rund 30 Anti­ras­sis­ten aus dem Land Bran­den­burg für eine Protes­tak­tion. Angemeldet als Trom­mel­gruppe »Drum Fever« aus Mainz, war es ihnen gelun­gen, sich bei den Offiziellen der Stadt für den zen­tralen Fes­tumzug zur 750-Jahr-Feier anzumelden.

Einger­ahmt von einem mit­te­lal­ter­lichen Schaubild und ein­er Cheer­lead­er­gruppe rei­ht­en sich die Anti­ras­sis­ten gegen Mit­tag in den star­tenden Zug ein. Mehr schlecht als recht trom­melten sie einige Zeit vor sich hin und tru­gen Schilder wie »Mainz grüßt Frank­furt«. Dann, auf ein Sig­nal hin, stoppten sie den Zug. Plöt­zlich erk­lang das »Lied vom Tod«. Die Grüße wur­den von den Schildern geris­sen, darunter trat die eigentliche Botschaft her­vor. »Weg mit BGS und Aus­län­der­be­hörde«, »Kein Men­sch ist ille­gal« und »Abschiebung ist Mord«, war nun auf eini­gen der Schilder zu lesen. Die Anti­ras­sis­ten zogen nun­mehr als Trauerzug für »die umgekomme­nen Flüchtlinge an der Oder-Neiße-Gren­ze« weit­er.

»Daß Frank­furt sein Jubiläum feiert, stört uns nicht. Aber wir sprechen dage­gen, daß sich die Stadt schön­fär­berisch in den Him­mel lobt«, sagte die Sprecherin der Aktivis­ten, Son­ja Jörns. »Genau hier befind­et sich zur Zeit noch die Gren­ze der Fes­tung Europa. Hier sind zahllose Flüchtlinge umgekom­men, als sie ver­sucht­en, über die Gren­ze zu kom­men. Das darf nicht ver­schwiegen wer­den«, so Jörns. Zudem wür­den immer wieder Immi­granten in der Frank­furter Aus­län­der­be­hörde schikaniert, im All­t­ag seien sie diskri­m­inieren­den Kon­trollen durch den Bun­des­gren­zschutz (BGS) aus­ge­set­zt.

Die offen­sichtlich irri­tierten Ord­ner am Rande des Umzuges schrit­ten nicht ein. An Fernsehkam­eras, Radiokom­men­ta­toren, der Promibühne und Tausenden Schaulusti­gen vor­bei marschierten die Anti­ras­sis­ten, spiel­ten eine vor­bere­it­ete Rede per Ton­band ab, verteil­ten Flug­blät­ter und sorgten für Diskus­sion­sstoff. Hier und dort ern­teten sie Applaus, viele Zuschauer ärg­erten sich jedoch über die Ein­lage während des son­st poli­tik­freien Jubiläums.

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