8. Februar 2007 · Quelle: TAZ

Kommentar: Vom Täter zum Politikum

Dass Men­schen, die nicht psy­chisch krank sind, in die Psy­chi­a­trie gesteckt wer­den, ist typ­isch für Dik­taturen aller Art. Eine solche Zwangspsy­chi­a­trisierung haben nun aber auch die Behör­den in Brandenburg/Havel ver­sucht. Weil gegen den jüngst aus dem Gefäng­nis ent­lasse­nen Sex­u­altäter Uwe K. aus rechtlichen Grün­den keine Sicherungsver­wahrung ver­hängt wer­den kon­nte, sollte er zwangsweise in einem psy­chi­a­trischen Lan­deskranken­haus unterge­bracht wer­den — und das nur, um auf eine selb­st geschaf­fene Medi­en­hys­terie eine zupack­ende Antwort zu liefern. So etwas macht aus Bran­den­burg zwar keine Dik­tatur, zeich­net die Stadt aber als Ort min­deren Rechts­be­wusst­seins aus. 

Der Fall ist frap­pierend, weil bei K. nie von ein­er psy­chis­chen Krankheit die Rede war, wed­er bei sein­er Verurteilung noch während der Haft und auch nicht bei sein­er Ent­las­sung. K. hat­te nur das Pech, ein Poli­tikum zu sein. Weil er mehrere Mäd­chen verge­waltigte, als es in Bran­den­burg noch keine Sicherungsver­wahrung gab, musste er nach Ver­büßung der Strafe aus der Haft ent­lassen wer­den. Der Pots­damer Innense­n­a­tor machte dafür die Bun­desjus­tizmin­is­terin per­sön­lich ver­ant­wortlich, weil sie die Geset­zes­lücke nicht rechtzeit­ig schloss. In dieser Auseinan­der­set­zung wurde aus Uwe K. plöt­zlich eine “tick­ende Zeit­bombe”, obwohl K. ein rel­a­tiv leicht kon­trol­lier­bar­er Beziehungstäter ist, der sich nie wahl­los an frem­den Opfern verging. 

K. hätte also nicht ein­mal eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung benötigt, wie sie derzeit dem wohl deut­lich gefährlicheren Quedlin­burg­er Frauen­mörder Frank O. zuteil wird. Bei Uwe K. hät­ten eine strenge Führungsauf­sicht und ein wach­samer Bewährung­shelfer ver­mut­lich genügt. 

Doch als der Boule­vard das The­ma ent­deckt hat­te, gab es kein Hal­ten mehr. Zunächst wurde K. vier Tage in Vor­beuge­haft genom­men, obwohl keine akute Gefahr vor­lag. Dann beantragte der Amt­sarzt die Unter­bringung in der Psy­chi­a­trie, weil es die kurzfristig einzige real­isier­bare drastisch klin­gende Maß­nahme war. Wer Hys­terie sät, muss pop­ulis­tisch han­deln. Das zeigt das Beispiel von Brandenburg.

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