17. Februar 2005 · Quelle: MAZ / PNN

Kontakt zur Parallelwelt

(ROBERT RUDOLF; MAZ) Seit fast drei Jahren lebt der Asyl­be­wer­ber Wil­fried Ngwa aus Kamerun in Pots­dam. Er hat Fre­unde gefun­den, ja. Im Asyl­be­wer­ber­heim im Lerchen­steig. Land­sleuten vor allem ver­traut er sich an, wenn er Prob­leme hat. Deutsche, so sagt er, kenne er nicht. Die Ken­nt­nisse der hiesi­gen Sprache sind vorhan­den: “ein wenig, aber nicht beson­ders gut.” Ngwa lebt, wenn man so will, in ein­er kleinen Par­al­lel­welt im Lerchen­steig.

Der Aus­län­der­beirat unter dem Vor­sitz von Yoham-Pan­ton Ke′ngum möchte das ändern. Schritt für Schritt will er über Paten­schaften deutsche und aus­ländis­che Pots­damer zusam­men­brin­gen. Den Anfang, so erk­lärte gestern Alba Gjor­ka, ver­suche man zunächst mit Paten­schaften für Asyl­ber­wer­ber. Ab Mai sollen dann Kon­tak­te mit der mus­lim­is­chen Gemeinde, später mit zuge­zo­ge­nen Mit­gliedern jüdis­ch­er Gemein­den geknüpft wer­den. Beiratsmit­glied und Stadtverord­neter Lutz Boede beschwor die neun anwe­senden inter­essierten Asyl­be­wer­ber aus Kenia und Kamerun: “Wir wollen hier nie­man­den miteinan­der ver­heirat­en.”

Wie funk­tion­iert der deutsche All­t­ag? Wie ver­hält man sich eigentlich gegenüber deutschen Behör­den und ihren Antrags­for­mu­la­ren? Antworten darauf und nicht zulet­zt die bessere Beherrschung der deutschen Sprache erhofft sich der Beirat von seinem Pro­jekt, das immer­hin vier Jahre dauern soll. Ser­e­na Bahn, die an der Uni­ver­sität Pots­dam auf dem Gebi­et Bio­chemie forschte, berichtete von pos­i­tiv­en Erfahrun­gen im Umgang mit indis­chen Stu­den­ten und Dok­toran­den. Sie habe während ihres Aufen­thalts in den USA gemerkt, wie wichtig es ist, inte­gri­ert zu wer­den. Ent­standene Paten­schaften will der Aus­län­der­beirat mit einem monatlichen Stammtisch begleit­en. Das erste Tre­f­fen wird es voraus­sichtlich nach Ostern, Anfang April geben, kündigte Boede an. Zu den Stammtis­chen sollen ver­schiedene Gäste ein­ge­laden wer­den, beispiel­sweise ein Recht­san­walt.

Inter­essen­ten für Paten­schaften kön­nen sich schriftlich beim Aus­län­der­beirat melden: Friedrich-Ebert-Straße 79 bis 81 in 14469 Pots­dam oder tele­fonisch unter 0331/ 96 18 60. Englisch- oder Franzö­sis­chken­nt­nisse kön­nen hil­fre­ich sein, sind aber keine Voraus­set­zung.

Wege aus der unfrei­willi­gen Iso­la­tion

Mit dem Konzept “Paten­schaft für Inte­gra­tion” sollen Pots­damer und Aus­län­der einan­der näher kom­men

(D.B.; PNN) Nedlitz — Erste Paten­schaften zwis­chen Pots­damern und in der Stadt leben­den Aus­län­dern wollen Mit­glieder des Aus­län­der­beirates in den kom­menden Monat­en ver­mit­teln. Gestern stell­ten der Vor­sitzende Yoham-Pan­ton Ke“ngum, die stel­lvertre­tende Vor­sitzende Alba Gjo­ka und Beiratsmit­glied Lutz Boede das Konzept afrikanis­chen Asyl­be­wer­bern im Asyl­be­wer­ber­heim Am Lerchen­steig vor. Mit Hil­fe eines ein­fachen Frage­bo­gens sollen gemein­same Inter­essen und Ver­ständi­gungssprachen von inter­essierten Pots­damern und Aus­län­der ermit­telt wer­den.

Das Konzept “Paten­schaft für Inte­gra­tion” soll ein Näherkom­men und Ken­nen­ler­nen zwis­chen Pots­damern, ob Alle­in­ste­hende oder Fam­i­lien, und Aus­län­dern fördern, erk­lärte Lutz Boede. Dabei gehe es aber nicht allein um Asyl­be­wer­ber. Auch der “in der Stadt lebende jüdis­che Kontin­gent­flüchtling, der vielle­icht einen Schach­part­ner sucht” oder andere sollen so die Möglichkeit haben, aus der oft­mals unfrei­willi­gen Iso­la­tion her­auszukom­men. Daher sei die Vorstel­lung im Asyl­be­wer­ber­heim nur der erste Schritt für das über mehrere Jahre geplante Pro­jekt.

Zurück­hal­tung und Skep­sis herrschte bei den afrikanis­chen Asyl­be­wer­bern. Zwar fühlen sich viele von ihnen durch das weit von der Stadt ent­fer­nte Asyl­be­wer­ber­heim allein gelassen und “vergessen”. Den­noch wür­den auch sie ein Näherkom­men mit den Pots­damern begrüßen, doch erschien eini­gen das Konzept zu vage. Ob die Paten­schaft nur auf Besuche von Insti­tu­tio­nen und Ämter beschränkt sei oder auch auf fre­und­schaftlich­er Basis aus­gerichtet sei, wurde unter anderem gefragt.

Dass sich aus den Paten­schaften Fre­und­schaften entwick­eln, sei zwar mehr als zu wün­schen, doch darauf könne der Aus­län­der­beirat keinen Ein­fluss nehmen, betonte Boede. Neun dieser Paten­schaften gebe es bish­er schon in Pots­dam. Mögliche Hil­fe bei Behör­dengän­gen aber vor allem auch zum Erler­nen und Fes­ti­gen der deutschen Sprache, dazu sollen die Paten­schaften unter anderem beitra­gen. Anfang April soll ein erstes gemein­sames Tre­f­fen von möglichen Pat­en mit Aus­län­dern stat­tfind­en. Monatlich sei dann eine Art Stammtisch zum gemein­samen Gedanke­naus­tausch vorge­se­hen, erk­lärte Alba Gjo­ka. Hier sei der Aus­län­der­beirat aber noch auf der Suche nach einem geeigneten Raum.

Infor­ma­tio­nen und der Frage­bo­gen sind beim Aus­län­der­beirat in der Friedrich-Ebert-Straße 79–81 oder unter Tel.: (0331) 961860 erhältlich.

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