15. November 2005 · Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten

Kontroverse um Masovia

Pots­dam - Der Studieren­de­nauss­chuss der Uni Pots­dam (AStA) hat nach Presse­bericht­en über eine Ver­anstal­tung des Corps Maso­via die gle­ich­namige Stu­den­ten­verbindung aufs Schärf­ste ange­grif­f­en. Zum einen wirft er dem Corps vor, dass bei ein­er Feier im Juni im Haus des Corps Recht­sex­treme anwe­send gewe­sen seien. Bei ein­er Semes­ter­par­ty im Okto­ber sei es in dem Haus zudem zu ein­er tätlichen Auseinan­der­set­zung zwis­chen einem „Neon­azi“ und einem „alter­na­tiv­en Jugendlichen“ gekom­men. In der Erk­lärung des AStA wird dem in Pots­dam ansäs­si­gen Corps auch Frauen­feindlichkeit vorge­wor­fen.

Eine weit­ere Anschuldigung des AStA, die zusam­men mit der AG Antifaschis­mus der Uni Pots­dam sowie dem „freien Zusam­men­schluss von stu­dentIn­neschaften“ (fzs) her­vorge­bracht wurde, bet­rifft die Geschichte der Stu­den­ten­verbindung. Der Corps berufe sich auf seine Königs­berg­er Wurzeln und stelle so den Bezug zu den alten Gren­zen des Deutschen Reich­es her. Zudem habe der Dachver­band des Corps, der Kösen­er Senioren Con­vents-Ver­band als ein­er der ersten Ver­bände bere­its 1921 Juden durch Statutenän­derung aus­geschlossen.

Der Corps Maso­via reagierte mit Unver­ständ­nis und Besorg­nis auf die Kri­tik und ver­wahrte sich dage­gen. Ras­sis­mus, Revan­chis­mus, Nation­al­is­mus, Anti­semitismus, Frauen- und Frem­den­feindlichkeit hät­ten keinen Platz im Corps. Die Stu­den­ten­verbindung sei bürg­er­lich und lib­er­al, ihre Wurzeln wür­den weit in die vor­napoleonis­che Uni­ver­sitäts­geschichte zurück­re­ichen. Eine Ger­ingschätzung von Frauen komme nicht zum Aus­druck.

Die lib­eralen Prinzip­i­en der Corps seien im wil­helminis­chen Kaiser­re­ich in den Hin­ter­grund getreten. Von den so genan­nten Ari­er­para­graph mit dem 1921 Juden aus dem Kösen­er Dachver­band aus­geschlossen wur­den, dis­tanziert sich der Dachver­band heute. Allerd­ings hät­ten sich 1921 einzelne Mit­glieder entschlossen, ihre jüdis­chen Corps­brüder nicht zu ent­lassen. „Dieser Entschei­dung blieben sie auch 1933 treu. 1935 löste der NS-Staat daraufhin im Zuge sein­er gesellschaftlichen Gle­ich­schal­tungspoli­tik die Kösen­er Corps zwangsweise auf“, heißt es in ein­er Stel­lung­nahme des Corps. Zu den ange­blichen Vor­fällen mit Recht­sex­tremen im Haus des Corps ist darin nichts zu lesen.

Der AStA hat­te indes gefordert, dass die Leitung der Uni­ver­sität Pots­dam „umge­hend die Hofierung des Corps Maso­via“ been­det. Auf ein­er Ver­anstal­tung des Corps im Novem­ber war ein Gruß­wort der Hochschule über­bracht wor­den. Die Uni­ver­sität kündigte für heute eine Stel­lung­nahme dazu an.

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