24. September 2010 · Quelle: Antifa Cottbus

Konzert beim Drebkauer Brunnenfest von Neonazis unterbrochen

Stadt und Presse schwiegen bislang zum Vorfall

Am 3. Sep­tem­ber 2010 wurde beim 5. Drebkauer Brun­nen­fest ein Met­al-Konz­ert der Band „Fron­tral“ von Neon­azis so mas­siv gestört, dass dieses nach dem drit­ten Lied abge­brochen wer­den musste. Das Brun­nen­fest gibt es jedes Jahr, von der Stadt organ­isiert. Neben zivil­er Bevölkerung und „Stadt­per­sön­lichkeit­en“ war auch der Bürg­er­meis­ter der Stadt anwe­send.

Für das Abend­pro­gramm waren die Bands „Nape“ und „Fron­tral“, sowie ein DJ geplant. Bere­its vor den Konz­erten fan­den sich ca. 10–15 Neon­azis im Fes­t­bere­ich ein. Sie pöbel­ten Leute an und kon­sum­ierten in großen Men­gen Alko­hol. Ein­er von ihnen ver­suchte bere­its im Vor­feld die poli­tis­che Aus­rich­tung der Band­mit­glieder „auszucheck­en“. Ein Ruck­sack mit der Auf­schrift „Gegen Nazis“ war schließlich der auss­chlaggebende Grund dafür, alle Band­mit­glieder und deren Fre­unde als „links“ und als „Zeck­en“ einzustufen und zu beschimpfen.

Im Laufe des Abends wuchs die Gruppe der Neon­azis auf ca. 40–50 Per­so­n­en an. Anfangs legte der DJ seine Musik auf. Als dann die Band „Nape“ ihr Konz­ert gaben, kam bei den Neon­azis eine starke Pöbel­stim­mung auf. Am Ende des Konz­ertes rief ein­er von ihnen: „Wenn die näch­ste Band genau­so Scheiße ist, dann ras­ten wir aus.“

Als „Fron­tral“ zu spie­len begann füllte sich die Tanzfläche mit Neon­azis. Sie wur­den laut und brüll­ten u.a. „Runter von der Bühne.“ Bere­its nach dem zweites Lied musste eine län­gere Pause ein­gelegt wer­den, da ein­er der Nazis auf die Bühne ging und den Sänger stre­it­suchend ange­sprochen hat­te. Die Pause wurde mit Disko­musik über­brückt. Nach län­ger­er Diskus­sion begann die Band ihr drittes Lied. Dieses kon­nte jedoch nicht zu Ende gespielt wer­den, da nun neben den Nazis auf der Tanzfläche, zwei direkt auf die Bühne gin­gen und dem Sänger das Mikro aus der Hand ris­sen.
Daraufhin machte der DJ wieder seine Musik an und meinte, man solle das hier am Besten been­den, weil dies ja schließlich ein friedlich­es Fest sein soll. Die Band und deren Fre­unde ver­sucht­en nur noch so schnell wie möglich die Bühne zu ver­lassen. Unter den Nazis war der Freuden­jubel groß. Es wur­den die Fäuste in die Luft geris­sen und „Sieg“-Rufe waren zu hören. Die Reak­tion des Pub­likums bestand größ­ten­teils nur aus Kopf­schüt­teln. Nur ein einziger Fest­gast ging auf die Bühne und ermutigte die Band ein­fach weit­er zu machen und sich nicht beir­ren zu lassen.

Bish­er hat sich Stadt zu dem Vor­fall nicht geäußert. Auch in der lokalen Presse find­et sich keine Mel­dung dazu.

Wieder ein­mal zeigt sich, dass Neon­azis ger­ade bei solchen Bürg­er­festen immer öfter präsent sind und von Anderen toleriert wer­den. So etwas wie Zivil­courage scheint in Drebkau fast kein­Er mehr zu ken­nen. Auch die Stadt als Ver­anstal­ter hat es eher hin­genom­men, dass die von ihr ein­ge­ladene Band nicht zu Ende spie­len kon­nte, als dass man den Nazis den Platz ver­weist. Reak­tio­nen blieben aus.

Eine klare Posi­tion­ierung gegen nazis­tis­ches Gedankengut ist für jede Stadt Pflicht, die sich auf die Fahne schreibt eine „fam­i­lien­fre­undliche, unternehmer­fre­undliche und zukun­ft­sori­en­tierte Stadt“ zu sein. In ein­er Stadt in der solch ein Vor­fall vor den Augen der “Stadt­promi­nenz” unbeant­wortet hin­genom­men und ver­schwiegen wird, fühlt sich nicht jede Fam­i­lie oder Unternehmen wohl.

Neon­azis über­all die Plätze stre­it­ig machen — Für Naz­ifreie Zonen!

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